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Interview mit Frank Balkenhol

SOLINGEN-MESSE 2013: DIE WELTMARKE ERLEBEN

Interview mit dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Solingen GmbH & Co. KG, Herrn Frank Balkenhol.

Herr Balkenhol, sind Sie ein „Knösterpitter“, ein Mensch, der gerne tüftelt?

Einem berufsbedingten „Nöüschier“, einem wissenshungrigen Menschen, beantworte ich die Frage gern mit einem „Ja“, zumal Sie hier auf unsere Kampagne anspielen. Sofern es um gute Lösungen geht, experimentiere und tüftele ich gedanklich mit einem Thema so lange, bis es für mich rund ist.

Ein Ergebnis dieser gedanklichen Arbeit war der neue rote Faden rund um die Solingen-Messe 2013. Was verbirgt sich dahinter?

„Die Weltmarke erleben!“ ist das Motto. Wir richten die Solingen-Messe als Veranstaltung aus, die sich ganz auf die „Marke“ Solingen konzentriert. Die Stadt Solingen ist nach wie vor eine Weltmarke mit der Schneidwaren-Industrie als Markenkern. Rund um diesen Markenkern sind in unserer über 700 Jahren Wirtschaftsgeschichte allerdings auch Unternehmen entstanden, die jenseits der Schneiderwaren-Industrie auf vielfältige Weise den Namen Solingen in die Welt hinaustragen.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen und welche Rolle spielen die Aussteller?

Solingen ist nicht nur weltweit die einzige geschützte Stadtmarke, sondern auch eine Weltmarke, die für eine einzigartige Markenwelt steht. Die Aussteller spielen dabei die zentrale Rolle. Wir haben den neuen Ansatz frühzeitig in den Medien, via Direktmarketing und in vielen persönlichen Gesprächen bekannt gemacht. Im Ergebnis meldeten mehr Unternehmen ihr Interesse an, als Ausstellungsfläche zur Verfügung steht. Ausstellen werden Unternehmen, die direkt für den Markenkern Solingens stehen – hier vor allem Unternehmen der Schneidwaren-Industrie – sowie Unternehmen die durch ihren innovativen Charakter und ihre Kreativität über die Grenzen unserer Stadt hinaus Leuchtturmcharakter haben.

Was ist der Grund für diese hohe Nachfrage?

Durch das fokussierte Weltmarkenkonzept ist es für die meisten Schneidwarenhersteller selbstverständlich, sich auf der Solingen Messe zu präsentieren. Selbst die E-Commerce-Plattform „Cutero“ wird auf der Messe, zeigen, wie Solingen via Online-Handel den Anschluss an den Weltmarkt herstellt. Wir müssen als Klingenstadt zeigen, wer wir sind – weltweit aber auch ganz lokal. Das wird vielen Unternehmern immer klarer. Zudem überzeugte das neue Messe-Konzept auch Unternehmen im Umfeld unsers Markenkerns. Dazu zählen auch viele kleine Unternehmen, die mit großen Ideen erfolgreich sind und die Strahlkraft der Marke für sich nutzen möchten – sei es nun für Produkte, Dienstleistungen oder die eigene Attraktivität als Arbeitgeber, der sich seinen Nachwuchskräften präsentiert. Die zahlreichen Ideen der Unternehmen werden auf www.solingenmesse.de vorgestellt.

Fiel es Ihnen leicht, die Solinger Wirtschaft von diesem Ansatz zu überzeugen?

Die meisten Unternehmen waren von unserem neuen Ansatz überzeugt. Bei einigen Unternehmen wurde der Gedanke überhaupt erst einmal geweckt, wie sinnvoll es sein kann, sich mit der Marke Solingen zu assoziieren. Die Markenfokussierung führte aber auch dazu, dass einige Unternehmen das Thema „Marke“ zurzeit noch nicht besetzen konnten. Für diese Unternehmen gibt es am Standort Solingen jedoch gute Alternativen. Wieder andere Unternehmen stehen auf unserer Interessentenliste und haben die Chance auf eine Fläche, sofern ein Aussteller abspringt oder bei der nächsten Messe in 2015.

Reicht eine kreative Idee allein schon aus, um sich als Aussteller für die Solingen-Messe zu qualifizieren?

Eine Verbindung zur Marke ist wichtig. Ein ideales Beispiel ist das „Solingen Kochbuch“ vom Druckhaus Fischer. Seit Jahren schon gibt das Unternehmen auf der Messe das „Solingen Kochbuch“ heraus mit lokalen Rezepten. Andere Unternehmen können ein Kontingent dieser Bücher bestellen und an ihre Kunden und Geschäftsfreunde verschenken. Die Erlöse aus diesen Bestellungen fließen einem gemeinnützigen Zweck zu. Das ist eine gute Werbung für Solingen. Auf unserer Internetseite http://www.solingenmesse.de/Themenwelten.html gibt es weitere gute Beispiele dafür, wie die Unternehmen auf die Marke Solingen einzahlen.

Herr Balkenhol, welche guten Gründe gibt es die Solingen-Messe 2013 zu besuchen?

Es gibt nur einen: Die Weltmarke Solingen vor Ort und mit allen Sinnen zu erleben. Das gibt es nur einmal und nur alle zwei Jahre. In einer Event Schmiede live die Geschichte Solinger Schmiedekunst erleben, einem Barbier bei seiner Arbeit auf die Finger schauen, die größte Taschenlampe der Welt bestaunen. Sehen und erleben, was die Solinger Wirtschafts- und Kulturlandschaft zu bieten hat. Viele Produkte können hier nicht nur erlebt, sondern vor allem auch erworben werden. Über das Thema Produktschau hinaus können Besucher der Solingen-Messe auch über unsere neue Online-Plattform www.solingenlike.de live in Facebook das Messegeschehen kommentieren, sie bekommen Haute Couture aus Solingen zu sehen, eine Sterneköchin zeigt in ihr Können, Kinder lernen in einer weiteren Koch-Show einfach und gesund zu kochen, Mit anderen Worten: Die Messe wird die Besucher mit allen Sinnen ansprechen. Dazu gehört auch unsere Messe-Lounge gleich neben der Aktionsbühne, die zum Durchatmen einlädt. Von dort können die Besucher auch das Bühnengeschehen hautnah miterleben. Sie sehen: Die Solingen-Messe ist eine außergewöhnliche Veranstaltung für die ganze Familie. Ob jung oder alt, sie wird allen Besuchern Spaß machen und die Köpfe für wunderbare neue Ideen öffnen.

Glauben Sie, dass die Solingen-Messe auch überregional Aufmerksamkeit finden wird?

Das ist unser klares Ziel. Dafür haben wir alle Voraussetzungen geschaffen. Unsere Marketingkampagne erstreckt sich bewusst auch ins unmittelbare Umland bis nach Düsseldorf und Köln. Wir sind in den sozialen Medien so präsent wie nie und bieten für Besucher und Aussteller eine eigene Homepage www.solingenmesse.de an. Mit unserem Portal www.solingenlike.de ist die Messe-Homepage verlinkt. Hinter „Solingen Like“ stehen Kanäle in sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube. All dies wird für die Vermarktung der Messe genutzt. Darüber hinaus laden die Aussteller ihre Geschäftspartner zum Fachbesuchertag ein. Somit hat die Solingen Messe auch die Aufmerksamkeit von Unternehmen aus ganz Deutschland.

Welchen Wert hat es für die Stadt denn, sich wieder oder überhaupt erst mit dem Thema „Marke Solingen“ zu befassen?

Ein Beispiel: Denken Sie an ein koffeinhaltiges, braunes und süßes Kaltgetränk mit einem roten Etikett. Welcher Name fällt Ihnen dazu ein? Genau! Dieser Name. Das ist es, was eine Marke ausmacht. Sie denken spontan an genau dieses eine Produkt, nicht an alle möglichen Produkte der Wettbewerber, sondern Ihnen fällt nur dieser eine Name ein. Das ist auch bei Solingen so. Marken schaffen Unverwechselbarkeit und Identität. Von Marken sagen wir: Darauf schwöre ich, da wurde ich noch nie enttäuscht, dabei bleibe ich. Marken schaffen Vertrauen. Das gilt in unserem Falle auch für den gesamten Standort und über diesen Weg können wir die anderen Botschaften, die des tollen Lebens- Arbeits- und Wohnstandortes kommunizieren .

Das klingt wie eine Wiederbelebung der Marke Solingen. Kann die Solingen-Messe allein das denn leisten?

Unsere Marke ist eine Marke, die man irgendwann einmal vor Ort erlebt haben muss. Und genau das leistet die Solingen Messe in unverwechselbarer Art und Weise. Wenn Sie von einer „Wiederbelebung“ der Marke sprechen, wofür es sicher gute Gründe gibt, lautet meine Antwort nein. Eine Messe allein kann keiner internationalen Stadtmarke zu neuem Glanz verhelfen. Sie kann aber in diese Richtung Impulse setzen und sich selbst als Anregung verstehen, über die wirkliche Bedeutung Solingens neu oder anders nachzudenken. In Verbindung mit der richtigen Botschaft und den heute gegebenen Möglichkeiten weltweiter Kommunikation, sind wir in einer sehr guten Position die Marke Solingen aufzuwerten. Aufgrund des weltweit vergleichsweise hohen Bekanntheitsgrades unserer Stadt sollten wir alles daran setzen, die Marke Solingen auszubauen und zu pflegen.

Ist das nicht sehr teuer, eine Marke aufzubauen?

Für die vergangenen 700 Jahre lässt sich das wohl nur sehr schwer beziffern. Heutzutage findet Markenpflege in erste Linie im Internet beziehungsweise sozialen Medien statt. Das ist ein sehr effektiver Kommunikationskanal, der bei einem vergleichsweise geringen Einsatz von Kosten zu steuern ist.

Bisher wurde die Messe von einer Agentur ausgerichtet, entwickelt sich die Wirtschaftsförderung nun zu einer Event-Agentur?

Eine Messe wie die Solingen Messe ist unseres Erachtens ein Instrument moderner Wirtschaftsförderung. Das gilt insbesondere für Städte unserer Größenordnung. Zudem ist es ja unsere Aufgabe, Interesse für unseren Standort zu wecken und Bestandsunternehmen Leistungen anzubieten, die deutlich machen, dass sie in Solingen gut aufgehoben sind beziehungsweise. Fachkräfte anlocken. Insofern ist die Ausrichtung der Messe durchaus aufgabenbezogen.

Sie kombinieren bei der Kampagne „Die Weltmarke erleben“ überraschende, provozierende aber durchweg sympathische Posen eines kleinen Jungen mit Solinger Mundart. Was haben Sie sich dabei gedacht?

Es ging uns darum, etwas für unseren Standort Typisches mit einem ausgefallenen Motiv zu verbinden. Eine Kampagne sollte unserem Verständnis nach authentisch sein, glaubwürdig und für den Standort gültig sein, auch noch in zehn Jahren. Das geht nur, wenn wir die Menschen hier vor Ort mitnehmen. Wir müssen die Seele der Menschen treffen und berücksichtigen, was unseren Standort von allen anderen möglichen Standorten unterscheidet. Wir haben Eigenschaften an Solingern entdeckt, wie beispielsweise Erfindungsreichtum, Neugierde, und Genauigkeit. Hinzu kommt eine innere Haltung, eine Identität, die in einer eigenen Mundart zum Ausdruck kommt. So findet sich unsere Kampagne auch im Alltag vieler Solinger wieder. Und nicht nur das: Ein Begriff wie etwa „Krentekacker“ steht für sich selbst. Er ist unübersetzbar. Stellen Sie sich vor, ein Niederländer, der die Solingen Messe besucht, spricht Sie auf diesen Begriff an. Was passiert? Sei geraten plötzlich in ein sehr unterhaltsames Gespräch, das sich um die Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit unseres Standortes dreht. Das erfordert Mut zu einer inneren Haltung, den wir mit der Kampagne zum Ausdruck bringen möchten. Denn das ist Solingen zwischen Tradition und Aufbruch, ein einzigartiges Terrain im globalen Dorf.

(Redaktion)


 

 

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