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Interview mit Paul Imhäuser

Charisma, Loyalität und Begeisterung machen den guten Mitarbeiter

Im Mittelpunkt der beratenden Tätigkeit von Paul Imhäuser stehen die Mitarbeiter von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Der Unternehmer aus Olpe ist Experte in Sachen Mitarbeiterführung und -bindung. In diesem Segment berät er Inhaber und Geschäftsführer von KMUS. Diese können sich so auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und das wichtige Thema Personal quasi auslagern. Denn wer gutes Personal haben will – Stichwort Fachkräftemangel und Alterspyramide – muss sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren.

business-on.de: Herr Imhäuser, auf Ihrer Webseite erfährt man einerseits, dass Sie Inhaberstrategien bieten, dass aber vor allem die Mitarbeiter eines Unternehmens bei Ihren Beratungen im Fokus stehen. Wer spielt denn nun die erste Geige, der Inhaber oder die Mitarbeiter? Konkret, was kann man sich unter Paul Imhäuser Inhabererstrategien vorstellen?

Paul Imhäuser: Zunächst wende ich mich an den Inhaber/Geschäftsführer mittelständischer Familienunternehmen. Er ist der Unternehmenslenker – der Generalist, der die Strategie vorgibt. Nur mit ihm können Veränderungen im Unternehmen herbeigeführt werden. Er muss das „GO“ geben. Der Unternehmer muss erkennen, dass wir uns heute und in den kommenden Jahren im größten Wandlungsprozess des Arbeitsmarktes seit dem 2. Weltkrieg befinden. Veränderungen sind zwingend notwendig. Nur dann wird er bzw. sein Unternehmen die Herausforderungen der kommenden Jahre erfolgreich meistern.

business-on.de: Das heißt, in erster Linie sind die Inhaber respektive Geschäftsführer kleiner und mittlerer Unternehmen Ihre Ansprechpartner?

Paul Imhäuser: Ja. Alles fängt mit dem Unternehmer an. Er ist der direkte Ansprechpartner. In KMUs sind die Geschäftsführer für ihre Führungskräfte, Mitarbeiter und den im Unternehmen gelebten Führungsstil verantwortlich.

business-on.de: Sind Sie da auf bestimmte Branchen fokussiert oder kann praktisch jedes Gewerk von Ihrem Know-how profitieren?

Paul Imhäuser: Mehr als 25 Jahre habe ich ein mittelständisches metallverarbeitendes Familienunternehmen in 4. Generation geführt. Seit 2013 bin ich als Coach und Berater tätig. Also, um auf Ihre Frage zurückzukommen: In der metallverarbeitenden Industrie kenne ich mich besonders gut aus, ja. Dennoch: es geht um Mitarbeiterführung und Mitarbeiterbindung. Die Branche ist daher zweitrangig. Es gelten fast überall die gleichen Prinzipien.

business-on.de: Mitarbeiter führen, sie ans Unternehmen binden und passende neue Mitarbeiter rekrutieren sind Ihre drei großen Themenfelder – welches spielt die größte Rolle? Oder wird eines der Themenfelder eine zunehmend wichtigere Rolle spielen? Stichwort Fachkräftemangel, und die besten Arbeitssuchenden suchen dann natürlich die besten Arbeitgeber?

Mitarbeiter möchten mitgenommen werden

Paul Imhäuser: Alle drei Bereiche haben ihre besondere Bedeutung und Wichtigkeit. Jedes Unternehmen ist mit seinen individuellen Herausforderungen konfrontiert. Der Fachkräftemangel wird zwar kommen – aber er wird unterschiedlich stark ausgeprägte Auswirkungen für die Unternehmen haben. KMUs mit wenig Fluktuation werden sich einfacher tun, als Unternehmen, bei denen ein hoher Mitarbeiterwechsel stattfindet. Jeder Unternehmer sollte sich darüber im Klaren sein, mit welchen Mitarbeitern er zukünftig zusammenarbeiten möchte. Hat er sich entschieden, sollte er die verbleibenden Mitarbeiter fordern und fördern – also sie weiterbilden und vor allem wertschätzen. Mitarbeiter möchten mitgenommen werden, sie möchten dazugehören! Man kann es fast schon mit dem Fußballfan vergleichen, der in seiner Kurve steht. Er ist dabei – er gehört dazu! Wie gerne würde er dieses Gefühl auch in seinem Unternehmen geschenkt bekommen. Doch es gibt immer wieder Führungskräfte, die das aufgrund ihres schlechten Führungsstils erfolgreich verhindern.

Sucht der Unternehmer neue Mitarbeiter, so haben sich die Anforderungen verändert. Generation Y will mitentscheiden. Neben flexiblen Arbeitszeiten, Fehler machen dürfen, einer ansprechenden Work-Life-Balance und einem angenehmen sozialen Umfeld wollen sie fair behandelt und geführt werden. Das soll nicht heißen, dass die früheren Generationen das nicht auch gerne hätten. Nur Generationen Y lebt danach. Führung wird aus dieser Perspektive heraus noch wichtiger, als sie ohnehin schon ist. Sie spielt demnach für mich die entscheidende Rolle.

Neuste Studien besagen, dass 80 Prozent aller Kündigungen seitens der Mitarbeiter mit dem direkten Vorgesetzten zu tun haben. Also das Resultat aus schlechter Führung. Dieser Prozentsatz ist doch erschreckend hoch, oder?

business-on.de: Was macht ein Unternehmen für einen potenziellen neuen Mitarbeiter attraktiv?

Paul Imhäuser: Es muss der Geschäftsführung gelingen, den potenziellen neuen Mitarbeiter für ihr Unternehmen und ihre Visionen zu begeistern. Flache Hierarchien, faires Miteinander, professionelle Führung, Freiraum für kreative Ideen, Visionen und eigenständiges Handeln, aktive Förderung der individuellen Stärken und eine klar kommunizierte und verfolgte Unternehmensphilosophie, mit der sich ein Mitarbeiter identifizieren kann, werden erwartet. Diese und noch weitere individuelle Aspekte machen einen großartigen Arbeitgeber aus. Es muss ihm zudem gelingen, dem neuen Mitarbeiter glaubhaft zu vermitteln, dass er gebraucht wird und die Fähigkeiten besitzt, die Ziele gemeinsam mit der Unternehmensspitze zu erreichen.

business-on.de: Was macht ein potenzieller neuer Mitarbeiter für ein Unternehmen lukrativ?

Paul Imhäuser: Mit einem neuen Mitarbeiter kommt frischer Wind ins Unternehmen. Ein neuer Mitarbeiter verändert immer ein Stückweit das Unternehmen. Der Mittelständler sollte sich bei der Einstellung, die in KMUs immer „Chefsache“ ist, genügend Zeit lassen, um sich darüber im Klaren zu sein, wen er sich ins Boot holt. Individuelle Fähigkeiten und Wissen kann sich jeder Mensch aneignen. Charisma, Loyalität und die Begeisterung für die Arbeit in einem Unternehmen zu entwickeln nicht. Jede falsche Personalentscheidung kostet dem Unternehmer bei der Einstellung einen hohen fünfstelligen Betrag. Er sollte sich auf seine Menschenkenntnisse und sein Bauchgefühl.

business-on.de: Ich sage gerne „Kein Tadel ist schon Lob genug“ und freue mich, wenn meine Texte sozusagen durchgewunken werden. Sie hingegen stellen Lob und Anerkennung für den Mitarbeiter als wichtigen Faktor der Mitarbeiterführung heraus. Wer lobt, hat die Nase vorn?

Mit einem gesunden Maß an Lob zum Erfolg

Paul Imhäuser: Wenn es ehrliches und echtes Lob ist schon. Doch Vorsicht: bitte dosiert damit umgehen. Lobt man zu viel – ja das gibt es tatsächlich auch – verliert es die Wirkung. Wertschätzung und Anerkennung, die sollte ich immer vor einem Menschen haben – so lange es mit meinen Werten vereinbar ist.

business-on.de: Wie gehen Sie die Aufgabe an, für ein Unternehmen die Art der Mitarbeiterführung zu überprüfen, zu verbessern und letztlich ein Unternehmen erfolgreicher zu machen?

Paul Imhäuser: Wenn ich durch ein Unternehmen gehe, in dem ich noch nie gewesen bin, achte ich in erster Linie auf die Menschen, die dort arbeiten. Ich merke schon sehr schnell, wie das Unternehmen „tickt“. Wie wurde ich empfangen, musste ich warten, was für einen Eindruck machen die Mitarbeiter auf mich, sind sie frei oder verschüchtert? Grüßt der Unternehmer/Vorgesetzte seine Mitarbeiter, spricht er einige mit Namen an? Wie steht’s mit Ordnung und Sauberkeit. Und wenn ich dann auch noch zufällig während des Rundgangs einen Blick auf die Sauberkeit der sanitären Einrichtungen erhasche – spätestens danach weiß ich Bescheid.

In einem weiteren Termin ermittle ich den Status quo inklusive Stärken und Schwächen der Mitarbeiterführung und der internen Prozesse. Weitere Schritte sind situativ abhängig. Mir persönlich ist es wichtig, dass eventuelle Veränderungen und Maßnahmen in kleinen Schritten und nachhaltig erfolgen. Denn Personal- und Führungsstilentwicklung ist kein 400-Meter-Lauf, sondern ein Marathon, der nicht nebenbei automatisch verläuft. Bei der Umsetzung unterstütze ich den Unternehmer mit meiner Erfahrung gerne.

business-on.de: Was ist aus Ihrer Perspektive ein wertvoller Mitarbeiter für ein Unternehmen?

Unbequem für Chefs, von größter Bedeutung für die Firma

Paul Imhäuser: Ein wertvoller Mitarbeiter ist ein solcher, der für die Unternehmensziele nicht nur eintritt, sondern begeistert dafür kämpft. Der mit daran arbeitet, dass das Unternehmen nach vorne kommt – sich ständig verbessert im Sinne der Kunden und im Sinne des Unternehmens. Der seine Meinung klar kommuniziert aber auch andere Entscheidungen respektiert. Ich weiß aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung, dass es Mitarbeiter gibt, die nicht besonders bequem für den Chef sind – aber für das Unternehmen von größter Bedeutung.

Business-on: Abschließende Frage: Welche Unternehmen werden im kommenden Jahrzehnt das Rennen machen?

Paul Imhäuser: Die Unternehmen, die sich für Ihre Mitarbeiter bedingungslos einsetzen und diese mit einer uneingeschränkten Wertschätzung mit auf die gemeinsame Reise nehmen.

(Redaktion)


 


 

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