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Interview

Ralph Friederichs: „Wo IT im Einsatz ist, sind die bösen Jungs nicht weit“

Nur der Unternehmensname CYBERDYNE IT GmbH hat etwas mit Science-Fiction zu tun. Als Geschäftsführer des kontinuierlich gewachsenen IT-Dienstleisters zeigt sich Ralph Friederichs äußerst bodenständig im Hier und Jetzt und fühlt sich in Köln bestens aufgehoben. Beim wichtigen Thema IT-Sicherheit überzeugt er seine Kunden, indem er „die Unsicherheit transparent macht“.

business-on.de: Herr Friederichs, ein Redakteur im reifen Alter denkt bei CYBERDYNE natürlich sofort an das Unternehmen, welches maßgeblich an der Entwicklung des Terminators aus den gleichnamigen Blockbuster-Filmen mit Arnold Schwarzenegger beteiligt war. Stand der Name Pate für Ihr Unternehmen?

Ralph Friederichs: Ja, das ist eine ganz einfache Geschichte. Als ich 1994, mit gerade mal 19 Jahren, mein Unternehmen gründete, wollte ich natürlich einen coolen Namen haben. Friederichs EDV oder RF Datentechnik oder ähnliches fand ich uncool. Ich begeistere mich schon immer für Science-Fiction Filme und damals war Terminator 2 der beste Film. Die Firma im Film heißt eigentlich CYBERDYNE Systems, der Name war cool. Das „Systems“ fiel irgendwann weg und übrig geblieben ist CYBERDYNE IT. Wohlgemerkt mit europaweiten Markenschutz!

business-on.de: Stellen Sie Cyberdyne kurz vor.

Ralph Friederichs: CYBERDYNE ist ein IT-Service Dienstleister für mittelständische Unternehmen. Wir sind für unsere Kunden die externe IT-Abteilung. Angefangen beim User-Helpdesk über die Serveradministration bis hin zur professionellen Beratung erhalten Sie bei CYBERDYNE alles, was Sie auch von einer internen IT-Abteilung erwarten würden. Halt nur nicht so teuer!
Wir haben für jedes Thema die richtigen Spezialisten, ob es für so wichtige Themen, wie die Systemüberwachung oder die IT-Sicherheit oder aber Randthemen wie zum Beispiel das Lizenzmanagement geht. Bei uns bekommt der Kunde alles aus einer Hand und dazu noch eine umfassende Strategie- und Investitionsberatung auf Augenhöhe. Mehr braucht man nicht.

business-on.de:  Vom Kinderzimmer über die Garage hin zu den Geschäftsräumen in Köln „Am Wassermann 31“, von selbst zusammengeschraubten Computern hin zu einem Systemhaus, das eine Vielzahl an IT-Dienstleistungen abdeckt, von der One-Man-Show zu einem heute 33 Mitarbeiter zählenden Team – andere sind schnell gewachsen, um kläglich zu scheitern, Sie haben das mit Kontinuität umgangen…hätte es auch anders kommen können? Dass Sie nach den ersten Erfolgen abgehoben wären? Oder anders gefragt, was hat verhindert, dass Sie abgehoben sind?

Fast abgehoben in der Euphorie der „Neuen Märkte“

Ralph Friederichs: Ich sehe mich selbst als eher konservativen und bodenständigen Menschen. Das sind schon mal gute Eigenschaften um nicht abzuheben. Zudem bin ich in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, da lernt man von klein auf langfristig und eher in Generationen zu denken.
Dennoch gab es Anfang 2000 mal eine Phase wo ich fast abgehoben wäre. In der Euphorie der „Neuen Märkte“ hatte ich CYBERDYNE in einem damaligen Startup eingebracht und sah mich 6 Monate als Aktienmillionär ...[lacht]... Zum Glück habe ich rechtzeitig realisiert, dass alles eine Blase war und mich wieder ausgeklinkt. Aus der Zeit habe ich extrem viel gelernt über das „schnelle Geld“.

business-on.de: Sie sind als IT-Dienstleister breit aufgestellt, gibt es dennoch Schwerpunkte, auf die Cyberdyne setzt?

Ralph Friederichs: Ja, ganz klar. Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit und unserer Leistungen ist die IT-Sicherheit. Überall wo heute IT im Einsatz ist, da sind die bösen Jungs leider nicht weit. Und es spielt ja keine Rolle mehr, wer Sie sind oder was Sie machen. Jeder Computernutzer ist ein potentielles Ziel, denn jeder hat Daten an denen er hängt. Damit ist er beispielsweise auch erpressbar, wenn es um die Verschlüsselung der Daten durch Trojaner oder ähnliches geht. Stichwort "Locky" in diesem Jahr.
Leider denken viele Nutzer noch, es wäre ausreichend, eine Firewall oder ein Virenschutzprogramm zu installieren. Die Frage, die wir hier stellen ist: Sind Sie sicher, dass Sie wirklich sicher sind? Die Antwort ist meistens negativ und hier setzen wir an. Wir beantworten diese Frage und beziffern die vermeintliche Sicherheit. Wir machen also Unsicherheit transparent.

business-on.de: Ein wichtiger Punkt im Portfolio ist die Auslagerung der Kunden-IT hin zu Cyberdyne. Wie kam diese Entwicklung zustande?

Interne IT oder externer Dienstleister?

Ralph Friederichs: Wie so oft mit einem Kundenbedürfnis. 2001, kurz nach meinen Erfahrungen mit dem Neuen Markt, kam ein Unternehmen aus Köln mit der Frage auf uns zu, ob wir Ihre komplette IT betreuen könnten. Das hatte bis dahin ein interner Mitarbeiter „nebenbei“ gemacht und entsprechend sah die IT aus bzw. so lief der Support für die Mitarbeiter. Wir sagten zu und daraus wurde ein Geschäftsmodell, das sich sehr erfolgreich entwickelte. Ich erkannte damals, dass viele Mittelständler vor der Frage standen „interne IT aufbauen oder externen Dienstleister suchen?“. Und wir können diese Frage wunderbar – und in der Regel kostengünstiger – beantworten.

business-on.de: Wie hebt sich Ihre Arbeit von dem Angebot des Wettbewerbs ab?

Ralph Friederichs: IT-Systeme sind über die Jahre immer komplexer geworden. Es reicht nicht mehr aus ein bis zwei Spezialisten zu haben, man braucht ein ganzes Team an Spezialisten. Allein unsere Größe und die Breite unserer Leistungen unterscheiden uns daher von vielen Wettbewerbern.
Darüber hinaus ist es natürlich der persönliche Service. Wir kennen bei unseren Kunden nicht nur die IT-Systeme, wir kennen das Unternehmen. So ist es uns möglich, unsere Kunden auch bei strategischen Fragen zu begleiten und mit ihnen Investitionsplanungen für die nächsten Jahre zu entwickeln. Die IT wird durch uns transparent und ist nicht nur ein unverstandener Kostenblock. Abgerundet wird unser Angebot durch Mehrwerte, wie einem eigenen YouTube-Kanal oder unserem IT-Blog, in denen wir immer wieder aktuellen Themen aufgreifen und verständlich erklären.

business-on.de: Wie bewerten Sie die Branche generell?

Ralph Friederichs: Unsere Branche lässt sich in drei Klassen von Anbietern unterteilen. Da gibt es die extrem großen IT-Dienstleister mit über 100 Mio. Euro Umsatz, teilweise mehreren tausend Mitarbeitern und sehr guten Marktpositionierungen. Diese bedienen das obere Segment des Marktes. Darunter kommen mittelständische IT-Dienstleister mit 20 bis mehreren hundert Mitarbeiter, die teilweise sehr professionell aufgestellt sind und professionell agieren. Das sind die idealen Partner für den deutschen Mittelstand. Und dann kommt der untere Teil des Marktes, der aktuell von den Marktentwicklungen „aufgefressen“ wird. Wir reden von IT-Dienstleistern die nicht die notwendige Größe, Know-how-Tiefe, Professionalität und natürlich auch Liquidität haben, um den Wandel, in dem sich unsere Branche aktuell befindet, langfristig mitzugehen.

business-on.de:  Und wie schätzen Sie die Zukunft der Branche ein?

Bei der IT-Sicherheit muss man tagesaktuell sein

Ralph Friederichs: Die IT-Branche steckt aktuell in einem großen Wandel. In den letzten 20-25 Jahren war das Geschäftsmodell klar: Die Kunden kaufen alle drei bis fünf Jahre neue Systeme, diese müssen betreut werden, ansonsten ändert sich nicht viel.
Cloud-Computing, so genannte Managed Service Modelle und neue Anforderungen an die IT-Sicherheit verändern den Markt. IT wird zukünftig als Service bezogen. Der Kunde zahlt flexibel für die monatliche Nutzung. Die Systeme werden ständig optimiert und erweitert. Es gibt viel schnellere Update-Zyklen (wie bei Apps auf dem Smartphone) und beim Thema IT-Sicherheit müssen Sie tagesaktuell sein.
All das stellt unsere Branche natürlich vor riesige Herausforderungen. Wenn ich da so links und rechts schaue, wo einige Marktbegleiter heute stehen, da werden wir in den nächsten Jahren eine starke Konsolidierung sehen.

business-on.de: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Ralph Friederichs: Zehn Jahre sind ein langer Zeithorizont. In zehn Jahren kann in der IT-Branche extrem viel passieren. Es fällt mir daher schwer eine langfristige Prognose abzugeben. Ich gehe aber grundsätzlich mal davon aus, dass wir noch am Markt sind und es wie immer geschafft haben, uns an die Anforderungen des Marktes anzupassen. Ich wünsche mir, dass wir unser solides Wachstum fortsetzen können. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, auch in Zukunft Menschen für CYBERDYNE zu begeistern. Egal, ob es neue Kunden, neue Mitarbeiter oder neue Partner sind. Und ich hoffe, wir haben auch in 10 Jahren so viel Spaß an unserer Arbeit wie heute.

business-on.de: Inwieweit haben sich die Kundenansprüche der vergangenen Jahre verändert und wie hat Ihr Unternehmen auf die neue Herausforderung reagiert?

Nah am Kunden, nah am Markt

Ralph Friederichs: Ich würde nicht sagen, dass sich die Kundenansprüche geändert haben. Die Kunden haben nach wie vor den Anspruch, für ihr Geld den besten Service zu bekommen. Neue Herausforderungen sind aber sichtbar - die Geschwindigkeit mit der sich die Branche verändert, mit der neue Technologien auf den Markt kommen und mit der, letztendlich auch neue Sicherheitsprobleme auf uns zukommen. Die Kunden erwarten von uns, dass wir hier Schritt halten können und immer up to date sind. Wir sind die externe IT-Abteilung unserer Kunden und als diese müssen wir wissen, wo die Reise hingeht und wie aktuelle technologische Entwicklungen unseren Kunden helfen können. Genauso müssen wir aber auch wissen, wie wir unsere Kunden optimal schützen können.
An solchen Herausforderungen sind wir in der Vergangenheit immer gewachsen und werden dies sicher auch in Zukunft tun. Dazu muss man nah am Kunden, nah am Markt sein und die Herausforderungen annehmen.

business-on.de: Wer bei Cyberdyne beruflich einsteigen möchte – welche drei Dinge muss er unbedingt mitbringen?

Ralph Friederichs: Motivation, Leidenschaft und Teamgeist!

business-on.de: Bereiten die Hochschulen die Studierenden in ausreichendem Maße auf das Berufsleben vor, Thema Soft- und Hart-Skills?

Ralph Friederichs: Mit Universitätsabsolventen haben wir nicht so viel Erfahrung. Wir bevorzugen eher die Praktiker und die kommen von Technischen- und Fachhochschulen.
Durch die enge Verzahnung dieser Studiengänge mit unternehmerischen Ausbildungen entsteht eine sehr gute Mischung. Wir bieten selbst duale Ausbildungsplätze an und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.
Der fehlende Praxisbezug war übrigens auch ein Grund, warum ich persönlich mein Studium an den Nagel gehängt habe. Die Theorie alleine reichte mir nicht, ich wollte das Erlernte direkt umsetzten.
Die Erfahrung zeigt aber auch, dass zum Beispiel Projektmanagement in Theorie und Praxis oft zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Die beste Theorie bringt also nichts, wenn man es in der Praxis nicht umsetzten kann.

business-on.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem Standort Köln?

Köln ist ein super Standort für uns

Ralph Friederichs: Ich bin Lokalpatriot, ich würde nie etwas Schlechtes über Köln sagen. Aber wenn Sie mich so fragen... [lacht]... Nein, ganz ehrlich, Köln ist ein super Standort für uns. Über 160.000 Unternehmen im Kammerbezirk, über 3 Millionen Menschen leben im Großraum Rheinland, es gibt Kultur, Naherholungsgebiete, Wohnraum, Infrastruktur und so weiter.
Einer meiner Geschäftsfreunde hat seinen Firmensitz in Uelzen. Kennen Sie das? Ich auch nicht, es ist so klein, die nächste Autobahn ist 40 km entfernt. Dagegen ist Köln das Paradies für ein Unternehmen wie CYBERDYNE.

business-on.de: Inwieweit fühlen Sie sich als Unternehmer seitens der Politik unterstützt?
Oder besteht Ihrer Meinung nach noch (dringender) Handlungsbedarf, um mittelständische Unternehmen zu unterstützen?

Ralph Friederichs: Ich schaffe seit 22 Jahren Arbeitsplätze, ich zahle meine Steuern, ich gehe wählen. Kurzum, ich bemühe mich meine Pflichten zu erfüllen. Politiker machen Politik, ich bin Unternehmer. Ich erwarte da nix.
Nachdenklich... oder traurig... manchmal auch wütend macht es mich aber, wenn ich sehe, wie mit unseren Steuergeldern umgegangen wird. Wenn ich zum Beispiel mit dem Rad zur Arbeit fahre, komme ich im Landschaftspark Belvedere an einer von drei „berühmten“ Aussichtsplattformen vorbei. Diese Aussichtsplattformen haben mit Aussicht so viel zu tun wie der Lövenicher Deckel über die A1 mit einem Tunnel. Ich denke dann immer: „Wie viel Überschuss muss ein Haushalt haben, damit man sich so etwas leisten kann." Die Antwort kennen wir alle.

business-on.de: Was machen Sie in Ihrer Freizeit, welche Hobbies üben Sie aus?

Ralph Friederichs: Sie werden es nicht glauben, aber in meiner Freizeit krieche ich auf allen vieren über meinen Rasen und zupfe jedes Unkraut einzeln aus. Das ist für mich eine unheimlich gute, fast meditative Entspannung. Wenn das noch nicht ausreicht um den Stress des Tages abzubauen, fahre ich mit dem Mountainbike durch mein lokales Revier, den Königsdorfer Wald. Oben von der Glessener Höhe hat man einen sehr guten Blick über die Kölner Bucht und kann die Dinge aus der Distanz betrachten und manchmal in Ruhe nachdenken.

(Redaktion)


 

 

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