Weitere Artikel
IT-Security

Interview mit Jacqueline Voß von Network Box: „Die Zeiten der Schülerstreiche sind vorbei“

IT-Sicherheit ist spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden im Jahr 2013 kein Randthema mehr. Dennoch bleibt ein Maß an Sorglosigkeit bestehen– trotz geschätzter 315.000 Viren, denen die Cyberwelt pro Tag ausgesetzt ist. Business-on.de sprach mit Jacqueline Voß vom Kölner IT-Unternehmen Network Box über einen drohenden Datenkrieg, systematische Angstschürerei und Sicherheitsstandards.

Business-on.de: Das Unternehmen Network Box ist seit 14 Jahren weltweit tätig als Hersteller, Entwickler und Managed Service Provider für umfassende IT Security Lösungen. Was hat sich in den vergangenen Jahren in punkto IT-Sicherheit getan?

Jacqueline Voß: Das Thema IT ist viel komplexer geworden. Ging es früher hauptsächlich um um die eigentliche Netzwerk-Infrastruktur mit Rechnern, Drucker und einem Internet Anschluss, ist der Aufgabenbereich längst nicht mehr so eingeschränkt. Heute sprechen wir von „the Internet of things“; der Computer verschwindet zunehmend als das eine Gerät. Das Internet der Dinge vernetzt alles miteinander, ist mobil und überall einsetzbar. Das bringt neue Möglichkeiten, aber eben auch Risiken. Man spricht von 315.000 Computerviren, denen wir pro Tag ausgesetzt sind und die Angriffsformen wandeln sich permanent. Die hohe Zahl macht deutlich, welche Herausforderung ein bewusstes Arbeiten mit der IT heutzutage mit sich bringt. Zumal sich auch die kriminelle Intention hinter den Angriffen geändert hat.
Während meiner Schulzeit wurden unsere Computer im EDV-Kursraum für einen Tag von einem Mitschüler lahm gelegt. Das hat uns damals eine Freistunde beschert. Die Zeiten sind leider vorbei, um Schülerstreiche geht es längst nicht mehr. IT ist ein schnelllebiges, dynamisches Thema geworden, dessen Komplexität es erforderlich macht, dass sich exklusiv damit beschäftigt wird. Für große Unternehmen wäre es absolut fahrlässig, wenn die Aufgaben der IT-Sicherheit nebenbei behandelt würden.

Business-on.de: IT-Sicherheit ist spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden im Jahr 2013 kein Randthema mehr. Auch auf ihrer Firmenhomepage (www.network-box.eu) nehmen sie auf den Skandal Bezug. „Im Jahre zwei nach Snowden“, wie es dort formuliert steht, liest sich, als hätte eine neue Zeitrechnung begonnen…

Jacqueline Voß: Im Fall Snowden ging es hauptsächlich um Enthüllungen im Bereich der Spionage, die Privatpersonen nicht mittelbar tangieren. Für Unternehmen geht es im Falle eines Cyber-Angriffs hingegen um den Abfluss sensibler Daten und um zeitliche Ausfälle, die meist mit enormen Kosten verbunden sind. Auf jeden Fall aber haben sich die Themen IT-Sicherheit und Datensicherheit durch den medialen Schub im Bewusstsein verankert, was definitiv zu begrüßen ist.

Jaqueline Voss: „Welches Unternehmen hätte seine Hängeregister mit sensiblen Informationen öffentlich zugänglich gemacht?“

Business-on.de: Kann man sagen, dass das Thema Datenschutz erst durch Snowden in den verdienten Fokus gerückt ist? Oder gehen Unternehmen sowie auch private Personen immer noch zu fahrlässig mit ihren Informationen um?

Jacqueline Voß: Das Thema Datenschutz ist erst durch Snowden in seinen verdienten Fokus gerutscht. Dennoch bleibt ein Maß an Sorglosigkeit bestehen. Vor allem privat wird sich wenig Gedanken gemacht. Auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken wird das Leben für jedermann offengelegt und unsere persönlichen Daten für Gewinnspiele und beim Einkaufen – ob online oder mittels Rabattsystemen im Supermarkt – teils fahrlässig preisgegeben. Auf der anderen Seite ist es sicherlich übertrieben, aus Angst vor Datenmissbrauch kein Onlinebanking zu nutzen. In diesem Fall gilt es einen individuellen Mittelweg zwischen totaler Absicherung und Bequemlichkeit zu finden. Jeder sollte sich selbst die Frage stellen, wie viele Daten er von sich preisgeben möchte.
Unternehmen befassen sich oftmals erst mit dem Thema, wenn es Probleme gibt. Dabei sollten nicht nur die mit einem Datenverlust oder mit einem technischen Ausfall einhergehenden Kosten bedacht werden. Vielmehr sollte man sich der Verantwortung bezüglich der gespeicherten Daten bewusst sein. Wer hätte die in Unternehmen üblichen Hängeregister für jedermann zugänglich auf die Straße gestellt? Entsprechend sollte sich Unternehmen Gedanken machen, wie sie mit ihren digitalen Daten verfahren. Dahingehend sehen wir unsere Arbeit bei Network Box auch als Aufklärung im Sinne einer präventorischen Maßnahme.

Business-on.de: „An 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr verfolgen die Network-Box Mitarbeiter weltweit die Entwicklung neuer Bedrohungen aus dem Internet“, heißt es weiter in ihrem Firmenprofil. Befinden wir uns in einem Datenkrieg?

Jacqueline Voß: Die Formulierung „Datenkrieg“ empfinde ich als zu polemisch gewählt. Network Box ist gegen ein Angst schüren, das entspricht nicht unserer Geschäftsphilosophie. Wir verdienen Geld mit IT-Sicherheit und nicht mit Furcht oder mit dem Bewusstsein einer eventuellen Bedrohung. Es geht um die Erhaltung und Sicherung der Geschäftskontinuität. Und um Aufklärung. Unter dem Stichwort „Awareness“ leisten wir Präventionsarbeit; mittels Seminaren und Workshops schulen wir Unternehmen in punkto Datenschutz und IT-Security. Es sollte das Minimum sein, das sich jeder einzelne mit dem Thema auseinandersetzt.

Business-on.de: Sind Sie der Meinung, dass in manchen Fällen Angst mit Bedacht geschürt wird?

Jacqueline Voß: Vereinzelt ist dies sicher so. Manchmal muss man jedoch zu drastischen Formulierungen greifen, um Personen wach zu rütteln. Doch, wie bereits gesagt, zu unserer Philosophie gehört dies nicht.

„Deutschland ist bekannt für sein Datenschutzgesetz, doch der Bedarf an Sicherheit ist international“

Business-on.de: Das Unternehmen ist neben Deutschland auch in den USA, in Großbritannien, Asien, Australien und im Nahen Osten ansässig. Nimmt man im Ausland IT-Sicherheit ernster? Immerhin hat die Snowden-Affäre in den USA und in Großbritannien mehr Brisanz gehabt.

Jacqueline Voß: IT-Security hat weltweit einen höheren Stellenwert bekommen. Zwar hören wir im Gespräch mit unseren Kollegen im Ausland oftmals Sätze wie „Ihr Deutschen und Euer Datenschutzgesetzt“, aber den Bedarf an Sicherheit gibt es überall. Der regelmäßige Austausch mit unseren Kollegen im Ausland ist für uns ein Gewinn. Unsere technischen Projekte finden momentan meist im deutschsprachigen Raum statt, jedoch profitieren wir im internationalen Network Box Zusammenspiel untereinander von unseren Erfahrungen.

Business-on.de: Network-Box managt seit mehr als 14 Jahren IT-Security Lösungen. Dennoch kann die Deutschland GmbH als Startup bezeichnet werden. Inwieweit fungiert das Kölner Haus unabhängig von den ausländischen Vorreitern?

Jacqueline Voß: Die Network Box Deutschland GmbH Ende 2013 als eigenständiges Unternehmen gegründet. Als exklusiver Partner für den europäischen Raum bedienen wir unserer Kunden aus der Kölner Zentrale heraus. Dabei profitieren wir von der 15-jährigen Entwicklung, die unser Produkt bereits an Reife durchlaufen hat sowie von der Erfahrung eines internationalen Teams mit gesetzter Infrastruktur. Unser Haupthaus ist dreifach zertifiziert nach ISO 9001, 20000 und 27001. Dennoch operieren wir als Startup. Wir bauen sozusagen für Network Box den deutschen Managed IT Security Markt auf.

Business-on.de: Wie hat sich der Standort seit Gründung entwickelt?

Jacqueline Voß: Operativ sind wir nun seit gut einem Jahr tätig und haben seitdem hinsichtlich unserer Security Produkte und unseres umfassenden Managed Service nur gute Rückmeldungen bekommen und entsprechend gute Referenzen, wie beispielsweise von der Universitätsklinik Düsseldorf, aufbauen können. Auch arbeiten wir mittlerweile mit zahlreichen Partnern aus ganz Deutschland zusammen.

Business-on.de: Network Box betreut 1.700 Unternehmen und Organisationen. Gibt es Unterschiede in den Aufträgen oder gibt es einen allgemeinen Wunsch nach Sicherheit?

Jacqueline Voß: Jeder Kunde funktioniert anders, entsprechend sind die Anforderungen an die IT-Sicherheit nd damit an uns unterschiedlich. Indem wir im Vorfeld ein Consulting durchführen, können wir jedem Kunden ein für ihn maßgeschneidertes Produkt anbieten. Niemand muss für etwas bezahlen, das er nicht benötigt. Unsere Dienste sind modular und ein Komplettpaket kann Sinn machen, muss aber nicht zwangsläufig sein.

Auch der Faktor Chef ist für die IT-Sicherheit von Bedeutung

Business-on.de: Was ist aber das Minimum, das jeder investieren sollte, um seine Privatsphäre, seine Daten und Informationen zu sichern?

Jacqueline Voß: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Es ist aber sicher, dass das Thema IT-Sicherheit ganzheitlich betrachtet werden muss. IT-Sicherheit hängt von verschiedenen Einflüssen ab: Nicht allein die Technik, sondern auch die Faktoren Zeit, Mensch und die Unternehmensregelungen sind von Bedeutung. Was nutzt die beste Firewall, wenn Mitarbeiter sich in der täglichen Arbeit fahrlässig verhalten. Letztendlich steht der Chef des Unternehmens in der Verantwortung und sollte den möglichen Rahmen vorgeben.

Business-on.de: Mit IT assoziiert man immer noch eine Männerwelt. Braucht Security weiblichen Einfluss?

Jacqueline Voß: Als Ingenieurin bin ich immer schon in einer Männerdomäne tätig gewesen. Grundsätzlich bin keine Befürworterin einer Quote, aber als Frau hat man nicht selten einen anderen Blickpunkt und somit Zugang zu manchen Themen und Fragestellungen. Das kann für die Arbeit im Team egal in welcher Branche - sicherlich förderlich sein.

Business-on.de: Frau Voß, vielen Dank für das Gespräch.

Die Network Box Deutschland GmbH sitzt in der Ettore-Bugatti-Straße 14 in Köln, mehr Informationen über die Arbeit und Serviceleistungen gibt es über die Hotline 0 22 03. 20 20 78 8 und unter http://www.network-box.eu/.

(Katharina Loof)


 


 

Jacqueline Voß
Network Box:
Datenkrieg
IT-Sicherheit
Datenschutz
Datensicherheit

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Jacqueline Voß" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: