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Interview mit Dr. Herbert Ferger

Kammerbezirk Köln im Aufschwung

Umdenken bei Naturwissenschaften an Schulen

Unabdingbar ist zudem, den naturwissenschaftlichen Unterricht an den Schulen zu verbessern. Die Lage des Physik-, Chemie- und Biologieunterrichts an Schulen in NRW ist vielfach trostlos. Vielen Schülern wird schon hier die Freude an Naturwissenschaften genommen. Dabei lebt unsere Gesellschaft von technischen Entwicklungen, mit denen unsere Wirtschaft Produkte und Produktinnovationen generiert. Der Mangel an Ingenieuren trifft den Nerv unserer Gesellschaft. Hier ist dringlich ein Umdenken erforderlich: an den Schulen aber auch in vielen Elternhäusern, in denen ein naturwissenschaftlicher Beruf noch immer eher Jungen als Mädchen zugewiesen wird. Welche altmodische Vorstellung! Da ist ein Besuch der jährlichen "Girl's day" der Metall- und Elektroindustrie NRW zu empfehlen; er zeigt jungen Mädchen einen attraktiven Weg zu naturwissenschaftlichen Berufen.

business-on.de: Seit einigen Jahren wird den Unternehmen des Kölner IHK-Bezirks Köln eine Wissenschaftsdatenbank, eine auch von der IHK Köln unterstützte Initiative in Zusammenarbeit mit der Kölner Wissenschaftsrunde, angeboten. Gibt es Erfahrungswerte, wie das Know how bzw. das Kooperationsangebot von den Unternehmen genutzt wird?

Dr. Ferger: Wie schon gesagt liegt die Zukunft der Region Köln/Bonn in der Vernetzung der vorhandenen wirtschaftlichen Stärken mit dem Potenzialen der vielen Hochschulen und Forschungs- und Entwicklungszentren hier vor Ort - von DLR über die Max-Planck-Institute und die F+E-Zentren von Konzernen wie Ford, Bayer und Telekom. Der Erfolg der Kölner Wissenschaftsrunde, Initiativen wie Automotive Rheinland, BioRiver und ChemCologne, die erfolgreiche Arbeit der Standortmarketing Region Köln/Bonn GmbH (Cologne Bonn Business) oder das jetzt gestartete Projekt "Wachstumskonzept für die Region Köln/Bonn" zeigen, dass die Akteure der Region gemeinsam mehr erreichen können und alle von den Erfolgen profitieren.

business-on.de: Köln soll sich, so wollen es die Rathauspolitiker, zum bedeutendsten Standort für Medien in Deutschland und Europa entwickeln. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Berlin und München die Nase vorn haben. Ist der Zug bereits abgefahren?

Dr. Ferger: Köln ist und bleibt dank RTL-Gruppe und WDR Deutschlands TV-Hauptstadt! In Köln wird das Fernsehnen der Zukunft entwickelt - und dank erstklassiger IT+TK- Infrastruktur auch zu den Kunden gebracht. So gehört Köln zu den zehn deutschen Großstädten, in denen die Deutsche Telekom AG im Jahr 2006 ihr Highspeed-Breitbandnetz aufgebaut hat. Auch der regionale Carrier NetCologne rüstet zurzeit sein Netz auf: Das Hochleistungsnetz „CityNetCologne“ basiert ebenfalls auf Glasfasern. Nicht zu vergessen sind die gut ausgebauten Daten- und Sprachnetze der Firmen Colt, Arcor und QSC in der Region Köln. Diese Infrastruktur ermöglicht es, große Datenmengen über die Netze zu bewegen und damit die Medienproduktionen zu optimieren.

Köln treibende Kraft für das Fernsehen der Zukunft

In Köln sind wichtige Branchenverbände (VFFV Media, Frapa (Verband zum urheberrechtlichen Schutz von TV-Formaten), Eye's and Ears of Europe) vertreten. TV via Satellit, Kabel oder Internet werden von Unternehmen wie Eutelsat Germany, Arena (Ish) und NetCologne sowie der Deutschen Telekom weiterentwickelt. Die Inhalte für die vielen neuen TV-Plattformen schaffen viele Hundert Produktionsfirmen, die alle Formate abdecken und ständig auf der Suche nach neuen Quotenhits sind. Köln ist und bleibt treibende Kraft für das Fernsehen der Zukunft.

Der Medien- und TV-Standort präsentiert sich mit Fachkongressen wie dem Medienforum NRW und der Cologne Conference sowie großen TV-Livesendungen anlässlich der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises und des Comedy Preises.

Verlagsstandort mit Tradition

Zudem ist Region Köln ein großer Verlagsstandort mit langer Tradition und bundesweit etablierten Verlagshäusern - sowohl für das breite Publikum als auch für Fachbereiche. Die Synergien zwischen den Medien und den Bereichen Kunst und Kultur, Karneval und rheinischer Lebensart sind - zusammen mit erstklassiger technischer Infrastruktur - die Basis für den Erfolg des TV-Standorts Köln

business-on.de: Von der IHK Köln wird ein breites Programm zur Förderung der IT-Branche angeboten. In der von Ihrem Haus veröffentlichten Statistik tauchen die IT-Unternehmen allerdings nicht explizit auf. Dafür kann man bei „Cologne Bonn Business“ lesen, dass die Region Köln/Bonn im bundesweiten Vergleich „als eine der dynamischsten, innovativsten und am schnellsten wachsenden IT-/TK-Standorte Deutschlands“ gilt. In der entsprechenden Fachpresse läßt sich das nicht nachvollziehen. Wie bedeutend ist die IT-Branche für Köln tatsächlich?

Köln bedeutendster IT-Standort in NRW

Dr. Ferger: Die ITK-Branche ist in und für die Region Köln sehr bedeutend. Sie stellt nicht nur Infrastruktur für den Standort zur Verfügung (siehe TV-Plattformen, die Red.), sondern sie hat noch weitere Schwerpunkte wie Software und DV-Dienstleistungen. Köln ist in NRW der bedeutendste Standort von Softwareunternehmen. Allein im Jahr 2006 ist die Zahl der ITK-Unternehmen von rund 10.200 auf mehr als 10.650 gestiegen. Wir gehen davon aus, dass die Ansiedlung von Microsoft in Köln, die für Ende 2007/Anfang 2008 geplant ist, die Attraktivität des Standortes Köln weiter steigern wird. Zieht man die ITK- und die Medienbranche zusammen, Stichwort Konvergenz, so zählen wir in der Region Köln rund 23.000 Unternehmen. Köln ist darüber hinaus ein wichtiger Messeplatz für die Branche. Beispiele: DMS-Expo, Mac-Expo und EURO ID 2007.

Rheinschiene mit 50.000 Branchenunternehmen

Wichtig ist aber der Blick über den Tellerrand: Wir sprechen nicht nur von der Region Köln/Bonn sondern vom IT- und Medienstandort Rheinschiene, der die Regionen Bonn, Köln und Düsseldorf umfasst. Mehr als 50.000 Branchenunternehmen mit mehr als 135.000 Beschäftigten zählen wir in dieser Region. Unternehmen, Städte und IHKs der drei Regionen finden sich hier zusammen, um eine der wichtigsten europäischen ITK- und Medien-Regionen zu gestalten.

Köln hat - auch an dieser Stelle - ein Vermarktungsproblem, diese enormen Potenziale und Stärken herauszustellen.

(Karin Bäck)


 


 

Dr. Herbert Ferger
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