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Karin Beier

Von Publikum und Medien gefeiert

Ich muss sehr spießig leben

Karin Beier: Das ist nach wie vor so. Es gibt Ausnahmen wie heute Abend, wenn das Ensemble das Saisonende feiert. Da trinke ich auch Bier und rauche Zigaretten. Aber ansonsten halte ich mich grundsätzlich schon meiner Tochter Momina zuliebe zurück. Ich möchte nicht, dass ich noch einen Kater habe, wenn sie wach wird. Aber der Anfang hier war schon extrem. Momina war gerade geboren. Das heißt, die Nächte waren sehr kurz und ich hab noch gestillt. Auch heute ist das Pensum nur mit viel Disziplin und straffer Struktur zu schaffen. Die frühen Stunden gehören meiner Tochter, dann geht's ins Theater. Um 16 Uhr hole ich Sie von der Kindergarten ab und bin mit ihr zusammen, bis sie schläft. Danach arbeite ich entweder zuhause am PC oder bei Proben auch im Theater. Momina nimmt natürlich nicht Rücksicht darauf, ob ich müde bin. Deswegen muss ich sehr spießig leben.

Business-on.de: Was meinten Sie mit dem Satz: "Man darf nicht so analfixiert sein"?

Karin Beier: Das bezieht sich auf Intendanten, die die Farbe des Klopapiers festlegen bzw. alles kontrollieren. Ich gebe ein gehöriges Teil meiner Macht ab. Wenn ich alles entscheiden wollte, dann kann ich nicht ein kleines Kind haben und inszenieren. Dafür reicht der Tag nicht aus oder man hat die Konstitution, mit vier Stunden Schlaf auszukommen. Ich brauche 7-8 Stunden, um das ganze Programm zu schaffen. Ich frage mich immer, wie Angela Merkel das schafft. Wahrscheinlich braucht sie weniger Schlaf.

Business-on.de: Bleibt noch Zeit beispielsweise für Kino oder Sport?

Karin Beier: Kino geht gar nicht mehr. Sport ist ebenfalls problematisch. In den Ferien, die gerade anfangen, will ich im Fitnessstudio sechs mal die Woche trainieren, um vielleicht nicht mehr so anfällig für Krankheiten zu sein. Aber während der Spielzeit sind zeitlich aufwändige Sportarten einfach nicht drin.

Business-on.de: Und was werden Sie sonst noch in den Ferien unternehmen? 

Krimis im Urlaub

Karin Beier: Die Sommerpause ist sieben Wochen lang. Vier Wochen davon werde ich Vorbereitungen für die Uraufführung von "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" treffen. Und die restlichen drei Wochen fahren wir nach Griechenland. Sicher ist, dass ich keine ernst zu nehmende Literatur mitnehme sondern Krimis. Letztes Mal hatte ich Peer Gynt mit. Das hat den ganzen Urlaub extrem verschattet. 

Business-on.de: Was ist Ihr nächstes Ziel? Gibt es schon Pläne?

Karin Beier: Also zunächst mal, um das klar zu stellen, ich will hier nicht weg. Ich würde allerdings gerne ein oder zwei Jahre weniger inszenieren, weil mich das am meisten auffrisst. Im letzten Jahr habe ich ja noch zusätzlich eine Inszenierung am Wiener Burgtheater gemacht. Gut, das war meine Entscheidung. Aber in Zukunft werde ich mir das zehnmal überlegen.

Business-on.de: Fällt es Ihnen leicht, auch mal Nein zu sagen?

Karin Beier: Ja. Es wird inzwischen auch schwieriger für mich die Städte zu wechseln, weil Momina in den Kindergarten geht. Ich muss mir das sehr genau überlegen. Für Kinder sind Städtewechsel generell eine große Zumutung, weil sie auf die gewohnte Infrastruktur und ihren Freundeskreis verzichten müssen und in der anderen Stadt einsam sind. Für uns Theaterleute ist das ein Problem. Momentan ist das nicht so einschneidend für mich, weil ich gern am Kölner Schauspiel bin.

Business-on.de: Ist das Theater als Wirkungsstätte eigentlich lebenswichtig für Sie? Oder wäre auch eine andere künstlerische Tätigkeit denkbar?

Momentan kommt nur Theater infrage

Karin Beier: Im Moment kommt für mich nur Theater infrage. Aber man weiß ja nie, was in fünf Jahren ist. Es verändert sich schließlich vieles mit den Jahren. Was mir beispielsweise vor zehn Jahren als lebenswichtig erschien, hat heute nicht mehr die gleiche Bedeutung. Momentan kann ich sagen, dass ich im richtigen Beruf bin und dass ich glücklich bin. 

Business-on.de: Wer hat Sie denn an die Theaterwelt herangeführt? Ihr Elternhaus?

Karin Beier: Meine Eltern hatten früher keine Beziehung zum Theater. Sie haben aber mein Interesse für Literatur geweckt. Beispielsweise zu Shakespeare. Was nicht weiter verwundert, denn meine Mutter ist Engländerin und mein Vater Englischlehrer. Wichtig war, dass sie mir und meiner Schwester immer vermittelt haben, dass sie an uns glauben. 

Business-on.de: Und was hat Sie zu einer gefragten Theater-Regisseurin gemacht? Ist es Begabung oder Talent, das man einfach hat, oder ein Lernprozess?

Karin Beier: Ich denke schon, dass es mit Talent zu tun hat. Es ist ein Talent, für das ich dankbar bin.

Business-on.de: Zuletzt noch unsere Standardfrage im Rahmen der Powerfrauen -Serie. Welche Einstellung haben Sie zu Macht.

Karin Beier: Ich behaupte immer, dass mir Macht relativ wenig bedeutet. Andererseits würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass Macht für mich gar keinen Reiz hat. Meine Entscheidungsgewalt hier in diesem Haus ist auf bestimmte Art und Weise ein schönes, kraftvolles Gefühl. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich dieses Gefühl nicht schätze. 

(Karin Bäck)


 


 

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