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Traditionsreiche Unternehmen

Klosterfrau Healthcare Group - „Nie war sie wertvoll wie heute“

Dieses traditionsreiche Kölner Unternehmen gehört zu den „Stillen Riesen“ im Lande: mit mehr als 1.000 Mitarbeitern und rund 650 Mio. Umsatz ist die „Klosterfrau Healthcare Group“ Marktführer bei OTC-Produkten, den rezeptfreien Arzneimitteln und Gesundheitspräparaten, die in Apotheken verkauft werden. Seit 161 Jahren beliefern die Kölner Deutschland und die Welt mit bewährten Pillen, Tabletten, Salben, Pülverchen und Tinkturen gegen allerlei Beschwerden und Leiden.

Wer bei „Klosterfrau“ nur an das legendäre Hausmittelchen und den Spruch „Wenn’s hinten zwickt und vorne beißt, nimm Klosterfrau Melissengeist“ denkt, hat keine Ahnung, was sich in der Firmenzentrale im Schatten der mächtigen Kirche St. Gereon in der Kölner Innenstadt tut. Einen Zipfel des Geheimnisses lüftete Friedrich Neukirch, Vorsitzender der Geschäftsführung des Unternehmens und als Vizepräsident des 1. FC Köln in der breiten Öffentlichkeit weitaus bekannter. Im bis auf den letzten Platz besetzten „Rotonda“ Business Club unterhielt er sein Publikum mit einer umfangreichen informativen Skizze seines Unternehmens, das 1826 von der aus Brüssel stammenden Nonne Maria Clementine Martin in unmittelbare Nähe des Kölner Doms gegründet wurde.

Klosterfrau für den Papst

Der berühmte Melissengeist ist inzwischen das offizielle Geschenk der Stadt Köln an VIP-Besucher. So überreichten Ulla und OB Fritz Schramma dem Papst bei seinem Köln-Besuch eine Magnum-Flasche der bekömmlichen Naturarznei mit den drei stilisierten Nonnen im gotischen Spitzbogen. „Wir hatten gehofft, danach würden alle frommen Katholiken täglich ein Schlückchen Klosterfrau Melissengeist trinken – aber das war’s dann doch nicht“ schmunzelte Neukirch.

Als Maria Clementine Martin im Schatten der Kölner Kathedrale mit der Produktion ihres natürlichen Heilmittels begann, mixten in unmittelbarer Nachbarschaft übrigens noch verschiedene Eau de Cologne-Hersteller ihre Wundermittel für die knapp 56 000 Kölner Bürger und die vielen Besucher und Pilger aus Nah und Ferne. Inzwischen haben die meisten Mitbewerber der Klosterfrau viel von ihrer früheren Bedeutung verloren.

Die Klosterfrau Healthcare Group hingegen ist aus eigener Kraft stark gewachsen. Sie gehört zu den weltweit 1000 größten Unternehmen, die nicht an einer Börse gelistet sind. „Unser Wahlspruch war immer ‚Die Identität bewahren und die Zukunft gestalten’,“ sagte Friedrich Neukirch im Rotonda-Club. Klosterfrau Melissengeist ist bei 94 Prozent der Deutschen als Naturarznei mit positiven Wirkungen auf Nerven, Kopf, Herz und Magen bekannt. Der Werbeslogan „Nie war er so wertvoll wie heute“ ist somit in jeder Beziehung zutreffend. Der renommierte Klosterfrau Forschungspreis, 30.000 Euro schwer, der jährlich verliehen wird, zeichnet Wissenschaftler für besondere Leistungen im Kampf gegen Asthma aus. Diesjähriger Preisträger ist der Arzt Dr. Philippe Stock von der Berliner Charité.

Klosterfrau vertreibt Condomi

Wenn auch Melissengeist das bedeutendste Präparat im Sortiment ist, so lange nicht mehr das einzige. Heute ist die Group ein national und international führender Anbieter im Bereich der Selbstmedikation. Insgesamt umfasst das Vertriebs-Portefeuille über 200 Marken. Dazu zählen z. B. auch neo-angin-Halstabletten, Vita-Gerin-Produkte, taxofit, Soledum, Broncholind, nasic, Tiger Balm und Goldsam sowie Kerzen aus einer eigenen Fabrik. Seit Juni letzten Jahres gehört die Lichtwer Healthcare mit bekannten Marken wie Hepar SL. forte, Ameu und Kwai zum Kölner Konzern, der die Produktion seiner Präparate hauptsächlich in seiner Berliner Werk outgesourct hat.

Kooperationen mit internationalen Handelspartnern haben die Stellung der Kölner weiter gestärkt. Der Siegeszug der Schweizer Ricola-Hustenbonbons über die Grenzen der Eidgenossenschaft hinaus ist ebenso „made in Cologne“ wie der Vertrieb der Edelkosmetik Maria Galland, die nur in Kosmetikstudios erhältlich ist.

Dass Klosterfrau ausgerechnet Verhüterli liefert, hat in der Branche zunächst für viel Aufsehen gesorgt. „Was hätte die Gründerin dazu gesagt?“ wurde Friedrich Neukirch damals gefragt. „Sie hätte sich gefreut, denn sie wollte die Gesundheit der Menschen stärken. Und diesem Ziel dienen auch Kondome,“ erwiderte er. So landeten die hauchdünnen „Erektionskleider“ der ehemaligen Kölner Start up -Gründung Condomi AG, mittlerweile im Besitz eines australischen Konzerns, auf den MCM-Verkaufslisten.

Zu den besonderen Grundsätzen im Klosterfrau-Konzern gehört, dass man auch Kollegen nicht freundlich „Gesundheit“ wünschen soll, wenn jemand niesen muss. „Denn das wäre Geschäftsschädigung,“ witzelt Neukirch. Sein Unternehmen verdient in erster Linie mit Nicht-Gesunden. Mittel gegen Erkältung, Schmerzen und Verdauungsstörungen sind die Umsatz-Asse. Wichtig auch die Vitamin- und Mineral-Präparate der taxofit-Familie.

Vielseitiger Sport- Sponsor

„Wir lieben nicht die öffentliche Darstellung. Die Marken stehen im Vordergrund,“ verriet der Klosterfrau Healthcare Group-Chef. Rund 60 Mio. Euro gibt der Konzern im Jahr für Werbung und Marketing aus. Sport spielt dabei eine immer größere Rolle. Nicht nur die Kicker der ersten und zweiten Bundesliga werden für Taxofit. Die Jugendfußballschule des 1. FC Köln wird als ein viel gelobte Nachwuchsschmiede unterstützt. Die Haie verdanken ihren Biss auch dem Vitalstoffpräparat von MCM, Boxern verhilft Taxofit zum richtigen Punch. Beim Tennisnachwuchs freuen sich die Klosterfrau-Manager über die Erfolge ihres jungen Talents Dominik Schulz, im Autosport sammelt der 19jährige Andreas Pfister im ADAC-VW-Polo-Cup Pokale.

Geheimnisvolle Eigner

Wenig weiß man über die Eigentumsverhältnisse der Klosterfrau Healthcare Group, die weder als Aktiengesellschaft an der Börse notiert ist noch einem Familienclan mit großem Namen zu gehören scheint. Auch Heuschrecken haben die Nachfahren der Nonne Maria Clementine Martin nicht in ihren Klauen. Bevor Konsul Wilhelm Doerenkamp, der letzte bekannte Eigentümer des Unternehmens, 1972 im Alter von 88 Jahren starb, gründete er eine Stiftung (Stiftung Rechtsform), um den Bestand seines Lebenswerks zu sichern. Er wollte verhindern, dass die Firma verkauft wird und die Arbeitsplätze seiner Leute sichern. Die Stiftung wurde im schweizerische Chur errichtet, weil dort damals weniger Bürokratie als bei einer deutschen Regelung gefordert wurde. „Aber wir zahlen alle unsere Steuern in Deutschland. Das hat nichts mit einer Flucht vor dem Finanzamt zu tun“, versichert Friedrich Neukirch.

(Ulrich Gross)


 


 

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1 Kommentar

von J.S.
08.12.10 17:57 Uhr
Klosterfrau - mehr als Melissengeist?

Toller Artikel über die Klosterfrau Healthcare Group.

Schon erstaunlich, dass hinter den Kölnern mehr steckt als Klosterfrau Melissengeist...

Friedrich Neukirch macht seit Jahren einen ordentlichen Job.
Vielleicht brauch er mehr Kompetenzen beim FC, damit der auch mal wieder in die Spur kommt.

Wäre auch für Klosterfrau als treuer Sponsor sicher nicht das Verkehrteste..

 

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