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Klüngel

Klüngel-Analyse

Zwischen positivem und negativem Klüngel unterscheidet der Kölner Politologe und Journalist Frank Überall (37). Er promovierte mit seiner Analyse über ein kölsches Phänomen, das auch in anderen Städten und Regionen nicht unbekannt. ist. „Dr. Klüngel“ fand in Köln viele Beispiele, die auch Staatsanwälte und Richter beschäftigen.

Angesichts der letzten Kölner Rathaus-Skandale entwickelte Überall für seine Doktorarbeit an der Universität Tübingen einen speziellen „Klüngel-Faktor“. Den höchsten Wert erzielte der Müll- und Spendenskandal um den Oberbürgermeister-Kandidaten Klaus Heugel und seinen Ex-Fraktionsführer Norbert Rüther (SPD). Dicht auf in der Hitliste der Kölner Klüngel-Parade folgen Kölnarena und Technisches Rathaus sowie Personalentscheidungen in der Stadtverwaltung. „Die Ratsmitglieder sind überzeugt, dass Klüngel eine bedeutende Rolle in der politischen Kultur Kölns spielt“, erkannte Überall nach vielen Interviews mit Ratsmitgliedern. „Jeder weiß, dass inoffizielle Entscheidungswege üblich sind, nicht jeder hat aber wirklich ein gutes Gefühl dabei – auch wenn man mit dem harten Vorwurf der Korruption nicht ganz so schnell bei der Hand ist“, folgert er aus seinen Studien – und deutet damit das Geschehen fast schon wieder kölsch-versöhnlich.

Klüngel = Network?

Networken ist das neue Zauberwort für geschäftlichen Erfolg. Auf vielen Meetings, Parties, und geselligen Veranstaltungen tauschen wildfremde Menschen ihre Visitenkarten, laden sich gegenseitig in Networks ein und hoffen, durch die neuen Kontakte auch neue Geschäfte machen zu können. Ist Networking im Zeitalter des virtuellen Business das, was in der angeblich „guten alten Zeit“ über Klüngel angestrebt wurde? „Man kennt sich, man hilft sich“ lautet eine der sympathischen Definition für (kölschen) Klüngel.

Klüngeln kann der Kölner in seinem Veedel, im Verein – gleich ob Karneval, Fußball oder Kaninchenzüchter – und in den Parteien. Letzteres ist die Oberliga für Klüngelmeister, denn der (negative) Klüngler versucht, sich über öffentliche Aufträge die Taschen voll zu machen. Das positive Pendant hingegen sucht und nutzt Kontakte zu Stadträten und den Bossen der Verwaltung, um Gutes für seine Stadt zu erreichen. Mit Hilfe von Klüngel lassen sich Entscheidungen beschleunigen oder Pläne so weit absichern, dass sie vom politischen Gegner (oder auch den Bürgern) nicht (mehr) torpediert werden können.

Die Beziehungen politisch Handelnder müssten öffentlich sein, damit die Bürger mögliche Einflusswege kontrollieren können, fordert Frank Überall und zitiert Florian Eckert, der in seiner Abhandlung über „Lobbyismus –zwischen legitimem politischen Einfluss und Korruption“ so: „Üblich sind hier Netzwerke, die den Interessenvertretern gezielt eine informelle Kontaktaufnahme sichern“.


 


 

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