Sie sind hier: Startseite Köln-Bonn Aktuell News
Weitere Artikel
Klüngel

Klüngel-Analyse

Kölsche Diplomatie

Der Klüngel, wie er in Köln gelebt wird, ist durchaus einzigartig, in seiner schillernden Differenziertheit und wahrscheinlich auch in seiner offenherzigen Liebenswürdigkeit, meint der Autor. Der rheinische Katholizismus wird ebenso zu seinen Vätern gezählt wie die Ablehnung der Kölner gegen die Preußen. „Der Kölner glaubt nicht, dass der Klüngel ausstirbt, eher glaubt er an einen Klüngel nach dem Tode“, formulierte der bekannte Aphorismen-Schmied Prof. Dr. Gerhard Uhlenbruck.

Bleibt noch anzumerken: Die Kölnerinnen sind gerade erst gestartet beim großen Klüngel-Spiel. Die Autorinnen des „Klüngelbuchs“, Anni Hausladen und Gerda Laufenberg, veranstalten „Klüngel-Workshops für Frauen“. Migranten hingegen haben ihre Finger nur selten im großen Klüngel der Kölner. Sie haben selten Zugang zu den Macht- und Gesellschaftsstrukturen der City, klüngeln deshalb vorwiegend untereinander.

Konrad Adenauer, der „Pate“ des Klüngels

Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer soll besonderes Talent zum Klüngeln gehabt haben. Frank Überall hat Hinweise gefunden, dass er diese schöne Kunst schon als Abiturient beherrscht habe: „Über seinen Schulfreund aus der Dynastie der Duftwasser-Fabrikanten 4711 soll er sich die Abituraufgaben besorgt haben. Damit nicht auffiel, dass alle Schüler die Themen und Texte kannten, mussten die Abiturienten auf Adenauers Vorschlag hin Fehler in den Examensarbeiten machen“. Im sehr katholischen Tennisclub „Pudelnass“ lernte Adenauer seine spätere Frau und Freunde mit gleichartigen politischen und sozialen Überzeugungen kennen. So gelang ihm die „Einheirat in das Kölner Besitz- und Bildungsbürgertum“. Seine Biographin Ingelore M. Winter schreibt „Da er wusste, dass er, ohne dazu zu gehören, in Köln nicht viel werden konnte, trotz seines Studiums und trotz seines Fleißes und seiner Intelligenz, strebte er danach, in den Klüngel zu kommen, (...) er heiratete in eine einflussreiche Familie“.

Der damalige Kölner Oberbürgermeister soll sich auch als Aktien-Spekulant versucht haben, der Insidertipps von seinen Freunden in Banken, Versicherungen oder der Industrie erhielt. „Zeitweise glich sein Rathaus-Vorzimmer einem Zockerbüro“, behauptet Werner Rügemer, Autor des Buches „Colonia corrupta.“

Dr. Frank Überalls Promotionsschrift ist als Buch erschienen: „Der Klüngel in der politischen Kultur Kölns“ Bouvier Verlag, Bonn

(Ulrich Gross)


 


 

Klüngel
Karneval
Frank Überall
Kölnarena
Heinz-Ludwig Schmitz

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Klüngel" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: