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  • 18.06.2006,
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  • Köln

Kölns Botschaft in Peking

Fritz Jäckel und sein Restaurant „Landgraf“: Treffpunkt von Wirtschaft, Kultur und Politik in der chinesischen Hauptstadt bei Kölsch und Flönz

Deutsche Kaufleute und Unternehmer, die im Reich der Mitte Geschäfte machen wollen, landen früher oder später beim „heimlichen Botschafter der Domstadt“, bei Fritz Jäckel (58), Gaffel Kölsch vom Fass oder Bitburger und weiteren rheinischen Spezialitäten. Jäckels Restaurant „Der Landgraf“ in der Nähe des imposanten Himmelstempels und die gerade neu eröffnete „Filiale“ in Badaling an der Chinesischen Mauer sind inzwischen einer der gesellschaftlichen Mittelpunkte der deutschen Kolonie und auch Fokus des deutsch-chinesischen Wirtschaftslebens.

Als der neu gewählte Wirtschaftsdezernent der Stadt Köln, Ex-Staatssekretär Dr. Norbert Walter-Borjans, gleich nach seiner Ernennung vorschlug, auf jedem Kontinent zur Ankurbelung von Handel und Wandel eine „Kölsch-Botschaft“ zu gründen, konnten Fritz Jäckel sowie die Gaffel-Brauer Heinrich und Johannes Becker nur grinsen. Borjans setzt darauf, in den Metropolen des Auslands auch mit kölsch-gemütlicher Gastlichkeit für die Domstadt zu punkten. Nach dem Motto „Wer Kölsch gerne trinkt, macht auch mit Kölnern gerne Geschäfte“.

Kölsch-Container schwimmen 32 Tage

Die Gerstensaft-Produzenten sind im Reich der Mitte schon lange vor Ort, sie planen gerade eine Expansion nach Tsingtao, wo eine weitere Niederlassung geplant ist. Diese Stadt ist das „Mekka“ der heimischen Gerstensaftproduzenten, in der ehemaligen deutschen Kolonie wurde um die vorletzte Jahrhundertwende von Untertanen des germanischen Kaisers das erste Bier gebraut. Heute noch ist die Marke Tsingtao das beliebteste Bier in China. Das Kölsch kommt in Containern über Rotterdam nach China. „Das Bier braucht genau einen Monat und einen Tag für die Seereise“, sagt der Wirt.

 
Jäckels „Landgraf“ in Peking ist wohl die einzige „Kölsch-Quelle“, in der zwei Kölner Markenbiere, die sonst scharf konkurrieren, aus den Zapfhähnen fließt: neben frischem Gaffel kann der Durstige auch Reissdorf bestellen. „Das hat historische Gründe“, sagt der Wirt. „Zur Kölner Südstadt hatte ich früher bessere Kontakte als zum Eigelstein. Hier in Peking ist jedes Kriegsbeil der Brauer begraben.“ Jäckel hat sein Restaurant sogar mit der bekannten Reissdorf-Neon-Reklame geschmückt, die in Köln am Anfang der Aachener Straße die Passanten amüsiert.

Kein Business ohne chinesische Partner

Viele chinesische Gäste haben auch Geschmack am sorgfältig gezapften Bitburger gefunden. „Manchmal läuft Pils besser als Obergäriges“, wundern sich Jäckel und sein Partner Cheng Lyu, Junior einer der einflussreichsten Familien Pekings und Diplom- Kaufmann mit Tübinger Examen. „Im Grund kann kein Kaufmann aus Europa oder den USA in China Geschäfte ohne einen einheimischen Partner machen. Der hat die richtigen Ortskenntnisse und natürlich auch Beziehungen zu den Behörden und einflussreichen Wirtschaftskreisen. Ich habe mit meinem Joint Venture viel Glück, wir sind beide sehr befreundet und zufrieden“.

 
Den Beruf als Wirt in China übt Fritz Jäckel nur nebenbei aus: zugleich ist er mit Cheng Lyu Importeur für viele Lebensmittel, darunter rund 10 000 Hektoliter Bier. Beide pflegen Kontakte und Geschäfte für die Metro und andere Kunden in Deutschland. In Köln ist Fritz Jäckel zudem als Innenarchitekt und Einrichtungsspezialist für die Gastronomie aktiv. So plant und leitet er den Umbau und die Einrichtung des neuen Gaffel-Flaggschiffs am Dom, des ehemaligen Brauhauses „Alt Köln“ neben dem Excelsior Hotel. Etwa sechs Monate kümmert sich Jäckel um seine Geschäfte im eich der Mitte, aber nicht an einem Stück. „Das würde meine Frau nicht mitmachen. Die stammt aus Ungarn, ist Juristin, sehr temperamentvoll und legt Wert auf ein vernünftiges Familienleben.“ Also pendelt er regelmäßig mit Air China, sitzt mehr als neun Stunden im Jumbo zwischen Frankfurt und Peking.

Kölner Promis am Himmelstempel

Im „Landgraf“ konnte der Wirt u.a. schon zweimal OB Fritz Schramma begrüßen, dessen Vorgänger Norbert Burger vor sieben Jahren einer der „Geburtshelfer“ der kölschen Botschaft gewesen ist. Ex-Kanzler Schröder und dessen Finanzminister Hans Eichel waren (Ehren-)Gast, Franz Müntefering und selbst der bayrische Ministerpräsident Stoiber freuten sich über Kölsch vom Fass. Messechef Jochen Witt liebt die kölsche Dependance, die auch im Interieur einem typischen Kölner Brauhaus ähnelt. Die koelnmesse hat in Peking ein Büro, um vor Ort Aussteller für die Kölner Leitmessen zu akquirieren oder Fachbesuchern eine Geschäftsreise in die Domstadt schmackhaft zu machen.

An rheinischen Feiertagen wie der 11.11. und der Rosenmontag kommen Hunderte von Gästen. Und im Herbst erwartet Fritz Jäckel eine rund 300 Mitglieder starke Truppe aus der alten Heimat – Sportler vom Marienburger Sport Club (MSC), dem Tennis- und Hockeyclub Rot-Weiß und den Funken. „Dann zeigen wir den Pekinger mal wie man in Köln feiert,“ verspricht der Wirt. Die (offizielle) deutsche Botschaft lädt zu Empfängen in das Restaurant, bei den Lehrern und Eltern de deutschen Schule ist der „Landgraf“ ebenfalls sehr populär.

Den Chinesen schmeckt nicht nur das Bier, auch die Gaumenspezialitäten vom Rhein werden an vielen Tischen eifrig bestellt. Die einheimischen Kellner in Köbes-Uniformen werden unterstützt durch bildhübsche Kolleginnen, die mit ihrem Kranz schäumender Biergläser gekonnt wie Kölner Profis servieren. „Kölns Name hat in Peking einen ausgezeichneten Klang“, sagt Fritz Jäckel nicht ohne Stolz. Das liegt sicher auch daran, dass die chinesische Hauptstadt mit Köln durch eine Städtepartnerschaft besonders verbunden ist. Aber auch das Wirken des „Kölsch-Botschafters“ trägt dazu bei. Bald wird er wohl mit Christoph Becker eine weitere Stütze finden: der Sohn von Gaffel-Chef Heinrich Becker, der fließend Chinesisch spricht und liest, will sich in Peking mit einer eigenen Firma in der Computer-Branche niederlassen.

 
Deutsches Bier ist in China begehrt: in Peking wird schon seit Jahren im Lufthansa Center „Paulaner“ von lächelnden Chinesinnen im Dirndl serviert, in Hongkong läuft Veltins vom Fass in der „King Ludwig Beerhall“. Und an der Mauer ist Jäckel mit seinem Gaffel-Kölsch Platzhirsch.

Wer in Peking zufällig Heimweh nach Kölle hat, hier die Adresse:
Der Landgraf Beerhouse Restaurant
Pu Fang Lu A2, Fang Zhuang
Beijing 100078

(Ulrich Gross)


 


 

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