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Profite unterm Regenbogen

Die Wirtschaft entdeckt die homosexuelle Konsumentengruppe

Ob die zunehmende Zahl an Singles oder an rüstigen Rentnern – jede Gesellschaft bringt neue Gruppen von Konsumenten hervor. Gerade in den christlich-konservativen USA entdecken nun Unternehmen die gut situierten Gays als treue Zielgruppe.

Nach Schätzungen US-amerikanischer Marktforscher wird 2011 die Kaufkraft der amerikanischen Homosexuellen – unter der Annahme eines Anwachsens von 15,3 auf 16,3 Millionen – über 830 Milliarden US-Dollar betragen. 2006 konsumierte die spendable Konsumentengruppe bereits Waren und Dienstleistungen im Wert von 660 Milliarden US-Dollar.

Die Zahlen stehen stellvertretend für die gesamte westliche Hemisphäre: In England schätzte man 2006 die geballte Kaufkraft der rund 3,6 Millionen britischen Gays auf gut 130 Milliarden USDollar. Diese Zahlen lassen es vermuten: die unter der Farben des Regenbogens vereinten Homosexuelle verdienen gut. In Amerika liegt das Einkommen von homosexuellen Männern satte zehn Prozent über den Gehältern ihrer heterosexuellen Geschlechtsgenossen, in Deutschland ist es ähnlich.

Da ist es nicht verwunderlich – auch bedingt durch die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz, wie es die Einführung der Homo-Ehe in Belgien, den Niederlanden und Spanien verdeutlicht –, dass nicht nur homosexuelle Unternehmer und Unternehmerinnen auf den wachsenden Markt reagieren. Sämtliche Branchen beginnen, sich auf den Kampf um die Gunst der Regenbogen-Käuferschaft vorzubereiten. Der Autoverleiher Avis launchte eine Werbekampagne unter dem Motto „Life is about experience“ – die Plakate zeigten zwei verliebt lachende Frauen. Die zweideutige Werbung wirkte, schnell avancierte die Autovermietung zu einem Szene-Liebling.

Einen ähnlichen Erfolg konnte das brasilianische Bauunternehmen „Tecnisa“ verbuchen. Die Firma heuert vor drei Jahren speziell einen Berater für das Gay-Segment an. Das Ergebnis: gegenwärtig werden rund zwölf Prozent des Gesamtumsatzes allein aus diesem neuen Kundenkreis gewonnen.

Spezielle Angebote für Lesben und Schwule

Einen besonderen Boom erlebt die homosexuelle Touristik – wo lässt es sich auch besser entspannen als unter Gleichgesinnten? Zahlreiche Reiseunternehmen beginnen sich auf spezielle Angebote für Lesben und Schwule zu spezialisieren – es ist nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche große Veranstalter nachziehen. Auf die neue Nachfrage reagieren auch Airlines und Hoteliers: American Airlines bietet seit neuestem günstige Flugtickets zu sämtlichen Gay-Großveranstaltungen, während die „Axel Hotels“, mit Häusern in Barcelona und Buenos Aires, eine der ersten Hotelketten ist, die speziell Gay-Kundschaft an sich bindet.

Aber auch Versicherer und Finanzdienstleiter denken um. Beispielsweise der deutsche Finanzdienstleister „Gayvida“: Waren früher Homosexuelle zumindest von den privaten Krankenversicherungen als risikoreich eingestuft, was regelmäßig zu einem immensen Aufschlag auf die Beiträge führte, werden sie jetzt oftmals mit Bonusprogrammen gelockt. Denn wer sich heute einen Platz im Herzen der großen Community erobert, kann künftig mit treuen Kunden rechnen.

Kommentar:
Historische Erfahrungswerte lehren uns: Während in repressiven Systemen stets Stillstand herrscht – denken wir beispielsweise an Nordkorea – treiben in einer freien und toleranten Gesellschaft Innovation und Kreativität immer neue Blüten. Um unternehmerisch mitmischen zu wollen, ist es daher wichtig, Bedürfnisse neuer, früher diskriminierter Konsumentengruppen zu erkennen und zu bedienen. Das schafft den, in einer globalen Welt so wichtigen kulturellen Austausch und beschert Arbeitsplätze und Gewinne. Davon profitiert die ganze Gesellschaft. Noch sind homosexuelle Lebensstile nicht vollständig in unsere Gesellschaft integriert, die Möglichkeiten und der Nachholbedarf sind enorm. So ist sicher, dass sich beispielsweise ein homosexuelles Altersheim in Deutschland auf eine positive Bilanz und Resonanz freuen könnte. Aber wissen wir eigentlich nicht schon lange, dass unter dem Regenbogen ein Goldschatz liegt?

Mehr aktuelle News im Mindsharing Blog.

(Björn Theis)


 


 

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Zielgruppe
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1 Kommentar

von Stefan
09.04.08 22:28 Uhr
Ein paar andere Zahlen...

... die nicht in das von Ihnen gezeichnete Bild passen:

http://www.pinknews.co.uk/news/articles/2005-5860.html

 

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