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Jahresrückblick

Wirtschaftskrise setzt Kultureinrichtungen in NRW zu

(ddp-nrw). Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise sind im zu Ende gehenden Jahr in Nordrhein-Westfalen etliche Kultureinrichtungen neu eröffnet worden. Dennoch kam es immer wieder zu Protesten, weil die geplanten Einsparungen im Kulturbereich die Bürger erzürnten.

Ende Juni musste sich die Kulturszene von der weltbekannten Choreographin Pina Bausch aus Wuppertal verabschieden, die im Alter von 68 Jahren starb.

Das Kulturjahr begann vielversprechend in Wuppertal. Am 18. Januar öffnete dort das Opernhaus nach einer fünfjährigen Schließung wieder seine Pforten. Mehr als 25 Millionen Euro kostete die Sanierung, bei der private Investoren die Stadt unterstützten. Geld kam von einer Stiftung wie auch von engagierten Bürgern, die die Bestuhlung finanzierten.

Am 3. April folgte in Köln der Wissenspark Odysseum. Auf 5500 Quadratmetern können Besucher sieben Themenwelten erkunden und rund 200 Erlebnisstationen testen. Thematisch reicht der Bogen im Odysseum von den Anfängen der Menschheit über die Gegenwart bis in die Zukunft. Dabei werden Themen von der Entstehung des Lebens über Technik bis zu Phänomenen wie Globalisierung und Klimawandel beleuchtet.

Eine Erweiterung der Musikszene bedeutete am 29. April die Eröffnung des neuen Orchesterzentrums Nordrhein-Westfalen in Dortmund. In der europaweit einmaligen Einrichtung werden junge Musiker praxisnah ausgebildet. Rund 17 Millionen Euro kostete der Neubau.

Mit einem Festakt wurde am 28. August in Hagen das neue Kunstquartier eröffnet. Es umfasst sowohl ein neues Museum für Werke des Malers Emil Schumacher (1912-1999) als auch die Wiedereröffnung des sanierten und erweiterten Museums Osthaus. Insgesamt kostete der neue Museumskomplex rund 25 Millionen Euro. Die Ausgaben teilten sich das Land NRW, die Stadt Hagen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Regionalverband Ruhr sowie die Emil-Schumacher-Stiftung und Sponsoren.

Zudem beteiligte sich NRW in diesem Jahr an der länderübergreifenden Schau «Imperium Konflikt Mythos», mit der der 2000. Jahrestag der Varusschlacht begangen wurde. In Ausstellungen an den drei Standorten Haltern am See, Kalkriese und Detmold wurde an die blutige Auseinandersetzung zwischen Römern und Germanen - die sogenannte Schlacht im Teutoburger Wald - erinnert.

Erfolgreich verlief zudem die erste Saison des neuen Intendanten der Ruhrtriennale, Willy Decker. Zu dem internationalen Festival, das Decker mit seiner gefeierten Neuinszenierung der Schönberg-Oper «Moses und Aron» eröffnet hatte, kamen mehr als 49 600 Besucher. Das entsprach einer Auslastung von 86 Prozent.

Auch in diesem Jahr wurde in NRW wieder die Frage diskutiert: «Was darf Kunst?» Diesmal wurde sie allerdings nicht aus der Perspektive der Besucher, sondern der Akteure gestellt. So gab es im Frühjahr eine Kontroverse um die Kölner Inszenierung der Oper «Samson et Dalila», die wegen der drastischen Kriegs- und Vergewaltigungsszenen in die Kritik geriet.

Etwa die Hälfte der Mitwirkenden des Kölner Opern-Chores meldete sich krank und erklärte, nicht für die Premiere zur Verfügung zu stehen. Auch die Sängerin der Titelpartie sowie zwei weitere führende Solistenpartien mussten neu besetzt werden. Bei der Premiere selbst gab es dann aber keine besonderen Zwischenfälle.

Für Kritik und zum Teil auch Demonstrationen sorgten zudem geplante Sparmaßnahmen in städtischen Kultureinrichtungen unter anderem in Köln, Essen und Hagen. In Essen führten überdies Überlegungen, das Grillo-Theater und das Oberhausener Theater zu fusionieren, zu Kritik. In Wuppertal schreckte im November die kulturinteressierten Bürger die Nachricht auf, dass die Stadt aufgrund ihrer finanziellen Probleme erwägt, das Stadttheater zu schließen.

Auch die Ruhr.2010 GmbH musste bei ihren Vorbereitungen auf das Kulturhauptstadt-Jahr 2010 Einschnitte hinnehmen. Wegen fehlender Sponsorengelder wurde das Programm zusammengestrichen. So wurde die Eröffnungsparty am 9. Januar 2010 in Gelsenkirchen gestrichen. Auch das Projekt «Zweite Stadt/Zollverein unter Tage» in Essen wurde abgesagt, weil es wirtschaftlich nicht zu betreiben gewesen wäre. Dennoch konnten für das kommende Jahr rund 300 Projekte für das Programm des Kulturhauptstadt-Jahres auf die Beine gestellt werden.

Von ddp-Korrespondent Michael Bosse

(ddp)


 


 

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