Weitere Artikel
Convenience-Company aus Frechen

Interview mit Stefan Punke, Geschäftsführer der Lekkerland Deutschland GmbH & Co KG

Entstanden 1960 auf Basis einer niederländischen Geschäftsidee, als Süßwarengrosshändler zusammen zu arbeiten, steht Lekkerland für das Erfolgsbild der aktuellen Convenience-Welle. Heute beliefern die 3. 711 Mitarbeiter alleine in Deutschland mehr als 62.000 Tankstellen, Kioske, Kantinen und Lebensmittelmärkte aus 17 Logistikzentren in ganz Deutschland. Die Zentrale befindet sich in Frechen. Verantwortlich für die vielfältige Mischung aus Logistik, Großhandel und Dienstleistung ist Stefan Punke. business-on.de sprach mit dem Geschäftsführer der Lekkerland Deutschland GmbH & Co. KG über Konsumformen in Krisenzeiten.

business-on.de: Herr Punke, Lekkerland Deutschland erwirtschaftete im Jahr 2007 die stolze Summe von 6,7 Milliarden Euro mit einer Handels-Produktpalette von Tabak- und Süßwaren, über Getränke und Snacks, Convenience-Sortimente sowie Non-Food-Artikeln. Im Geschäftsjahr 2008 konnte der Umsatz trotz Konjunkturtiefs dennoch auf die stolze Umsatzsumme von 6,7 Milliarden Euro gesteigert werden. Ist die Krise spurlos an Ihnen vorbei gezogen?

Stefan Punke: Es ist uns im abgelaufenen Geschäftsjahr gelungen, den Umsatz in Deutschland zu steigern. Mit unserer Wachstumsstrategie ‚Agenda for Growth’ sind wir langfristig gut aufgestellt. Verbraucher wollen sich unterwegs schnell und bequem versorgen – dass dies Trend bleibt, hat auch unsere Convenience-Studie 2008 ganz deutlich belegt und daran richten wir uns weiter konsequent aus. Allerdings bemerken wir seit Jahresbeginn einen deutlichen Absatzrückgang in unseren Vertriebskanälen, den wir auf eine Konsumzurückhaltung der Verbraucher zurückführen. Wir merken, dass zwar die Frequenz in den typischen Convenience Absatzkanälen wie Tankstellen und Kiosken nicht zurückgeht, die Verbraucher aber bei Snacks und Getränken zurückhaltender geworden sind.

business-on.de: Trotz aller Höhenflüge wurde bereits im Umsatzjahr 2007 vor der Wirtschaftskrise gewarnt. Konnte sich Lekkerland auf eventuelle Einbußen vorbereiten? Und was wird heute getan, um den Schaden so gering wie möglich zu halten?

Stefan Punke: Mit unserer Wachstumsstrategie „Agenda for Growth“ können wir den aktuellen Herausforderungen begegnen. Deshalb werden wir sie wie geplant weiter vorantreiben. Eingebettet in die kontinuierliche Steigerung von Service, Qualität und Effizienz beruht sie auf zwei Säulen: dem Wachstum in bestehenden Kundensegmenten und dem Ausbau neuer Sortimentsbereiche. 2008 haben wir unser Customer Relationship Management mit Hilfe eines neuen SAP-Software-Tools umgestellt, so dass unsere Außendienstmitarbeiter unsere Kunden nun noch fundierter und detaillierter beraten können. Auch den Bereich Category Management haben wir weiter ausgebaut – hier bieten wir beispielsweise noch mehr Komplettlösungen an, in deren Rahmen wir unserem Kunden Vorschläge zur Sortimentsgestaltung, optimalen Flächennutzung und Warenplatzierung im Shop machen. Unser Prinzip ist es, unsere Kunden mit der Ware nicht allein zu lassen. Wir wollen, dass er gut verkauft. Denn nur dann machen wir letztendlich auch ein gutes Geschäft.

In unsere Lösungsvorschläge für unsere Kunden fließen stets auch aktuelle Marktforschungsdaten und Studienergebnisse ein, wie beispielsweise die des Lekkerland Stiftungslehrstuhls für Convenience & Marketing an der European Business School in Oestrich-Winkel. Der weltweit erste Lehrstuhl für Convenience hat 2008 im Rahmen einer Studie in Deutschland, den Niederlanden und Rumänien untersucht, wer unterwegs konsumiert, wo dies geschieht und aus welchen Gründen Verbraucher zu Convenience-Produkten greifen. Die Ergebnisse solcher Studien sorgen dafür, dass wir gut über die Wünsche der Verbraucher informiert sind. Dieses Wissen geben wir an unsere Kunden weiter. Denn nur so können wir unsere Kunden erfolgreich machen. Ein Grund mehr übrigens, warum wir die Studie in diesem Jahr erneut durchführen.

"Auf die veränderten Essgewohnheiten haben wir frühzeitig reagiert"

Die zweite Säule der Agenda for Growth befasst sich mit dem Ausbau neuer Sortimentsbereiche. Deshalb erweitern wir das virtuelle Prepaid-Sortiment e-va ständig durch innovative Produkte, wie beispielsweise Prepaid-Guthaben zum anonymen, sicheren Zahlen im Internet-Payment oder elektronische Gutscheine. Das e-va Konzept erhielt außerdem einen eigenen Internetauftritt, auf dessen Seiten sich die Verbraucher direkt über die Produkte informieren sowie den nächstgelegenen Shop mit e-va Terminal finden können. Davon profitieren unsere Kunden.

Auf die veränderten Essgewohnheiten der Verbraucher haben wir frühzeitig mit dem Aufbau der Division Food Intelligence reagiert. Die neue Division entwickelt Food-Lösungen für jede Art von Systemgastronomie, Convenience-Shops und Kantinen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Entwicklung der eigenen Produktlinie Food IQ. 

business-on.de: Man sagt „Schlechte Zeiten sind gut fürs Unternehmen“. Was konnten Sie persönlich für Ihr Unternehmen aus der Krise gewinnen?

Stefan Punke: Krisen sind auch immer Chancen. Sie zwingen einen dazu, sich zu verändern – ein Vorgang, der der menschlichen Natur nicht unbedingt entspricht. Hat man aber die innere Bereitschaft gefunden, sich auf notwendige Veränderungen einzulassen, legt das doch ein enormes Innovationspotenzial frei. Eine Fähigkeit, die Lekkerland eigentlich schon immer unter Beweis stellt. Denn in einem so dynamischen Umfeld wir dem Convenience Handel war und ist die Fähigkeit zum Wandel die wesentlichen Grundlage für unseren unternehmerischen Erfolg.

business-on.de: Gibt es eine Art Geheimtipp, der Großunternehmer vor wirtschaftlichen Rückschlägen schützen kann?

Stefan Punke: Wenn ich einen Geheimtipp hätte, wäre ich wohl der gefragteste Mann Deutschlands. Mein persönliches Rezept lautet: mich auf die „Big Points“ konzentrieren, mich nicht in Randaktivitäten verzetteln, Ressourcen auf die kritischen Erfolgsfaktoren konzentrieren und eine Leitfrage entwickeln. Die heißt übrigens für Lekkerland „Warum soll ich als Shopbetreiber bei Lekkerland kaufen?“ Denn wir sind Großhändler und können nur so erfolgreich sein, wie es unsere Kunden sind. Deshalb richten wir unser Geschäft genau auf unseren Kunden aus. Ihm können und müssen wir Ratschläge und Unterstützung in der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Lage geben. Wir raten ihm, sich gegenüber Supermärkten und Discountern zu differenzieren, dem Verbraucher einen Mehrwert zu bieten, entweder durch die Möglichkeit, die Speisen und Getränke auch vor Ort zu verzehren, oder aber durch zusätzliche Dienstleistungen. Gleichzeitig muss er an seinem Preisimage arbeiten. Insbesondere das Getränke- und Snackangebot wird vom Verbraucher im Convenience-Shop oft als überteuert wahrgenommen. Der Deutsche Verbraucher ist auf Grund der vielen Discounter im Vergleich sehr viel preissensibler als seine europäischen Nachbarn, achtet aber auch auf das Produktangebot und die Qualität. 
Abgeleitet aus unserer Convenience Studie 2008 haben wir neun Empfehlungen für den Convenience Handel formuliert, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Das sind zwar keine Geheimtipps, aber Empfehlungen, die den Erfolg des Shopgeschäftes helfen zu sichern.

business-on.de: Welche unternehmerischen Ziele haben Sie sich, falls überhaupt, für das Geschäftsjahr 2009 gesetzt?

Stefan Punke: In der aktuellen Situation lassen sich nur schwer verlässliche Prognosen über den zukünftigen Geschäftsverlauf anstellen. Wie gesagt können wir mit der Agenda for Growth auch den aktuellen Herausforderungen begegnen. Deshalb werden wir diese Wachstumsstrategie wie geplant weiter vorantreiben.

business-on.de: Im Jahr 1999 wurden die zentralen Geschäftsbereiche in Frechen zusammen geführt. Hier zählt Lekkerland Deutschland mit fast 4.000 Mitarbeitern an 17 Standorten zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Region. Wie zufrieden sind Sie mit dem gewählten Standort Frechen?

Stefan Punke: Die Zentrale von Lekkerland ist schon sehr viel länger in Frechen ansässig. 1999 haben die Unternehmen Lekkerland und Tobaccoland fusioniert und sich entschieden, den Sitz in Frechen beizubehalten. Bei dem geplanten Neubau, den wir 2000 in der Europaallee bezogen haben, hat sich die Stadt Frechen in Punkto Flexibilität klar gegen andere Standorte durchgesetzt. Wir beschäftigen heute in unseren 17 Logistikzentren und in der Zentrale 3.711 Mitarbeiter. In Frechen ist nicht nur die Deutschland-Zentrale und die europäische Konzernholding ansässig sondern auch ein Logistikzentrum. Hier profitieren wir vor allem von der verkehrsgünstigen Autobahnanbindung. Bei jeder Standortentscheidung ist das für uns Grundvoraussetzung. Schließlich wollen und müssen wir pünktlich, schnell und auf dem schnellsten Weg zu unseren Kunden kommen können. 

"Zeit ist ein kostbares Gut"

business-on.de: Die viel genannte Bezeichnung „Convenience“ wird als neue Lebens- und Konsumform gefeiert, die europaweit auf dem Vormarsch ist. Was genau steckt dahinter?  

Stefan Punke: Jung und Alt leben immer öfter alleine und kümmern sich um ihre Minihaushalte. Zeit ist ein kostbares Gut. Alle sind ständig unterwegs, um den Job, Freunde, Kinder und Hobby unter einen Hut zu bekommen. Es wird immer seltener zu Hause gegessen. Haushaltsorganisation und Vorratshaltung rücken in den Hintergrund. Eine einfache und bequeme Mahlzeit wird immer wichtiger. Im Supermarkt gib es zwar alles, was man zum Kochen braucht, aber der Aufwand ist sehr hoch. Je mehr die Ansprüche an den Einzelnen steigen, umso mehr brauchen wir Möglichkeiten, um uns etwas Gutes zu tun.  

Alle haben das Bedürfnis nach mehr Zeit, menschlicher Nähe und nach mehr Genuss. Convenience-Shops beinhalten all diese Elemente. Als Geschäft in der Nachbarschaft bietet er Güter des täglichen Bedarfs – gut und schnell erreichbar, in den richtigen Mengen und zur richtigen Zeit. Egal, ob früh morgens oder spät abends. Hier findet er eine große Auswahl von Markenprodukten – von allem etwas und davon das Wichtigste.

Der Trend zu Convenience betrifft nicht nur das Produktangebot, sondern auch Service. Denn es muss schnell, einfach und bequem sein. Allein das Sortiment befriedigt nicht mehr die Bedürfnisse und Wünsche der heutigen Verbraucher. Ausschlaggebend für den Erfolg der Convenience-Shops sind vor allem die sehr gute Lage, die schnelle Erreichbarkeit und vor allem die langen Öffnungszeiten – unabhängig von Sonn- und Feiertagen. Eine zunehmend wichtigere Rolle spielt die Kaufabwicklung. In einem zunehmend anonymen Alltag spielen beim Einkauf emotionale Faktoren eine immer größere Rolle. Die Verbraucher sehnen sich nach spontaner Kommunikation und Freundlichkeit.  

business-on.de: Das Motto der Lekkerland Gruppe „Einfach genießen“ kommt trotz expandierender Nachfrage nach Bio-Produkten gut bei den Konsumenten an. Wie lässt sich das Bedürfnis nach schnellem, einfachem Einkaufen mit dem Trend des bewussten Genießens für Sie vereinbaren?

Stefan Punke: Unsere Vision lautet „Wir machen einfachen und bequemen Genuss möglich – wherever, whatever, whenever“. Dabei schließen sich Convenience-Trend und bewusste Ernährung überhaupt nicht aus. Im Gegenteil. Wir bieten unseren Kunden Produkte und Konzepte an, die auf die Bedürfnisse der Verbraucher zugeschnitten sind. So zum Beispiel mit dem Geschäftsbereich Lekkerland Food Intelligence. Hier liefern wir so genannte Ready-to-(h)eat-Produkte. Das sind zum einen frische und tiefgekühlte Fertiggerichte der Marke Food IQ für den Konsumenten und zum anderen alles was der Kiosk- oder Tankstellenbetreiber braucht, um im Laden belegte Brötchen, Baguettes und Bagels anzubieten: vom Käse über den Aufstrich bis hin zum Salatblatt. Ganz neu ist unsere Idee der vorportionierten Trinksuppen im Mitnahmebecher. Für diese „Soup-to-go“-Idee wurde Lekkerland von einem Fachmagazin in der Kategorie Innovationskraft mit dem „Show Star“ – einem Preis für neue Produkte – ausgezeichnet.

Nähere Informationen darüber finden Verbraucher neuerdings auch auf der Internetseite www.foodiq.com. Die Seite wurde eigens für Endverbraucher konzipiert und bietet neben umfassenden Produktinformationen auch zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten: So können Verbraucher beispielsweise jedes Food IQ Produkt bewerten, die jeweiligen Inhaltsstoffe abrufen, Produkte weiterempfehlen, vergleichen oder auch eigene Rezeptideen einreichen.

business-on.de: Und zum Schluss der obligatorische Ausblick: Was können Convenience-Fans in naher Zukunft von Lekkerland erwarten?

Stefan Punke: Überall dort, wo der schnelle und bequeme Genuss gefragt ist, sind wir der Experte. Wir werden unseren Kunden auch in Zukunft innovative, leckere und gefragte Produkte, Komplettlösungen und Dienstleistungen anbieten. Food IQ ist nur ein aktuelles Bespiel.  

business-on.de: Herr Punke, vielen Dank für das Gespräch! 

(Katharina Loof)


 


 

Stefan Punke
Lekkerland
Lekkerland Deutschland GmbH
Interview
Convenience

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Stefan Punke" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: