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Youtube-Video: Welche Marke versteckt sich hinter dem Haarschnitt-Fake?

Wenn ein Kind dem anderen die Haare schneidet, dann ist dies meist das schlechte Ergebnis von Friseurspielchen – oder das Resultat eines frühkindlichen Geschäftssinnes. Zumindest nutzt ein Junge die Haare seiner Schwester, um sich Konsolenspiele zu kaufen. Und der Vater? Der stellt das Szenario ins Netz und heimst über 1,3 Millionen Klicks ein. Youtube-Zufall oder Marketing-Kalkül?

Bei Youtube gibt es so gut wie alles zu sehen. Von traurig bis tragisch über ekelig und lustig… umso außergewöhnlicher das Gezeigte, desto mehr Aufmerksamkeit in Form von Klicks erhält das Video. Mittels „Teilen“ schafft es das Video binnen kürzester Zeit in die verschiedensten Medien und erreicht Millionen Menschen mit minimalem Aufwand. Mittlerweile hat das auch die Werbeindustrie entdeckt und nutzt vermehrt Videokanäle wie Youtube, um auf ein Produkt aufmerksam zu machen. Die virale Marketing-Kampagnen funktionieren umso besser, desto unprofessioneller sie wirken. Das Gezeigte muss Aufsehen erregen und für Gesprächsstoff sorgen.

Bei einem Video (Leo schneidet seiner kleinen Schwester die Haare), das aktuell im Netz heiß diskutiert wird, ist das offenbar gut gelungen. Nicht, weil das Video lustig ist, auch nicht, weil es gut gemacht ist. Eher fragt sich die Community, ob überhaupt eine Marketingkampagne hinter dem Video steckt und wenn ja, für welches Produkt geworben wird. Beides ist (noch) gut versteckt.

Im Video "Leo schneidet seiner kleinen Schwester die Haare" wird folgende Situation gezeigt: Der Vater (Karsten37) findet seine circa dreijährige Tochter Jana mit einem grotesken Haarschnitt vor, der ganz offensichtlich nicht vom Friseur stammt. Sein Verdacht fällt auf seinen Sohn Leo, den er in seinem Zimmer auf das Vergehen anspricht. Leo, um die zehn Jahre alt, streitet erst alles ab, wird aber durch seine Schwester „überführt“. Auf Nachfrage, wieso er das getan habe, gibt Leo an, er habe die Haare verkauft, um sich PS4-Spiele zu kaufen.

Klick-Gier statt pädagogisches Feingefühl: Wieso stellt ein Vater ein Vergehen seiner Kinder ins Netz?

Auffällig dabei ist, dass der Vater offenbar sofort seine Kamera zückt, nachdem er die Haarkatastrophe entdeckt –zumindest reagiert er während des Videos so, als wäre alles neu für ihn. Natürlich kann er seine Kinder auch instruiert haben, sprich, sich nach Klärung des Sachverhalts für den Videodreh entschieden haben. Der letztere Fall würde die schlechte Schauspielleistung der Kinder sowie die Tatsache, dass die Tochter sofort auf das Rufen des Vaters reagiert und innerhalb von wenigen Sekunden im Zimmer steht, erklären. Wirft jedoch auf der anderen Seite die Frage auf, warum der Vater der Meinung ist, die Situation filmen zu müssen und die Dokumentation zudem noch ins Netz zu stellen?

Weiteres spricht für eine Inszenierung: Der Ton sowie die gesamte Qualität des Videos sind zu gut für einen Amateurdreh.
Die Haare der Tochter sind dermaßen schlecht geschnitten, dass das Resultat nur zu entschuldigen wäre, wenn es durch die Hände eines Kleinkindes entstanden ist. Aber der ältere Bruder ist circa zehn Jahre alt. Alt genug, um laut Video einen bewundernswerten Geschäftssinn an den Tag zu legen. Natürlich muss nicht jeder die Geschicklichkeit und das stylische Bewusstsein eines Starfriseurs haben, aber einen geraden Schnitt zu machen, wäre in dem Alter nicht zu viel verlangt. Zumal Leo mit einer Strafe rechnen müsste und sich daher beim Schnitt umso mehr Mühe geben sollte.
Ferner gibt Leo zu, sich von dem Geld, das er für die abgeschnittenen Haare erhalten hat, drei PS Spiele gekauft zu haben. Zufällig liegen diese auch zusammen mit einer Mediamarkt Tüte direkt vor ihm. Jeder Kleinverbrecher weiß aber, dass die Beweise der Tat sowie auch die Motive so gut es geht zu verstecken sind. Das gilt insbesondere für jemanden, der seine Tat langfristig geplant hat, wie es bei Leo offenbar der Fall ist.
Letztlich müsste Jana Haare bis zum Boden haben, damit sich das Geschäft für Leo überhaupt lohnen würde. Okay, die genannten Spiele kosten 30 bis 35 Euro, dennoch reichen die zerrupft abgeschnittenen Haarsträhnen dafür nicht aus.

Auf der anderen Seite ist dies das erste hochgeladene Video von „Karsten37“, was gegen einen professionellen „Marketingposter“ spricht.
Im Netz wird daher vermutet, dass der Vater sein Video selbst bewirbt, um für mehr Klicks zu sorgen. Über 1,3 Millionen Views in weniger als einem Monat wären sonst nicht zu schaffen, zumal das Video nichts Vorzeigbares hat, aber vor zahlreichen anderen Videos als Werbung läuft. Doch auch hier bleibt die Frage nach dem Wieso?
Bleibt also noch die Möglichkeit einer viralen Marketingkampagne (Sony, Mediamarkt…?), die hinter dem Video steckt. In dem Fall bleibt abzuwarten, welches Folgevideo als Aufklärung demnächst nachgeschoben wird.

Update 25.10.2014 14.49 Uhr: Mittlerweile hat das Video "LEO SCHNEIDET SEINER SCHWESTER DIE HAARE" mehr als 2.8Mio Views. Update 25.10.2014 21.45 Uhr: Mittlerweile hat das Video "LEO SCHNEIDET SEINER SCHWESTER DIE HAARE" mehr als 2.97Mio Views. Update 27.10.2014 13.43 Uhr: Mittlerweile hat das Video "LEO SCHNEIDET SEINER SCHWESTER DIE HAARE" mehr als 3.02Mio Views.

(Redaktion)


 


 

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