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DIHK beklagt Fachkräftemangel - Siemens-Chef Löscher sieht Qualifizierungsdefizit

(dapd). Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) beklagt einen zunehmenden Fachkräftemangel in Deutschland. "Inzwischen fehlen der Wirtschaft rund 400.000 Ingenieure, Meister und gut ausgebildete Facharbeiter", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der Landauer "Rheinpfalz am Sonntag". Der volkswirtschaftliche Schaden sei immens. Deutschland verzichte dadurch jährlich auf rund 25 Milliarden Euro Wertschöpfung, was rund ein Prozent Wachstum ausmache.

Rund neun Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren hätten weder Schul- noch Berufsabschluss, sagte Driftmann. Bei ihren Altersgenossen mit ausländischen Wurzeln liege die Quote mit 13,3 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Der DIHK-Chef forderte, bei dem im Herbst beginnenden neuen Ausbildungspakt die Integration von Jugendlichen ausländischer Herkunft zum Schwerpunkt zu machen.

Um die Zuwanderung von qualifizierten ausländischen Fachkräften zu erleichtern, schlug der DIHK-Präsident vor, die Einkommensgrenze von gegenwärtig 66.000 Euro jährlich auf 40.000 Euro zu senken. Auch die akademischen Abschlüsse von Einwanderern insbesondere aus Osteuropa sollten künftig unbürokratisch anerkannt werden.

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher und IG-Metall-Chef Berthold Huber warnten am Wochenende gemeinsam vor dramatischen Folgen durch den Fachkräftemangel in Deutschland. "Wir haben ein Qualifizierungsdefizit in Technikberufen und müssen mehr junge Menschen für das Ingenieurwesen und Naturwissenschaften begeistern. Deutschland droht, seine Innovationskraft zu verlieren", sagte Löscher der "Welt am Sonntag". Um den Standort Deutschland zu sichern, brauche man hierzulande "mehr junge Daniel Düsentriebs - da fehlt es an Nachwuchs".

Huber forderte in dem Interview, das er zusammen mit Löscher gab, die Unternehmen auf, mehr in die Ausbildung zu investieren. Es sei "unanständig, wenn Arbeitgeber über fehlende Fachkräfte klagen und gleichzeitig nicht genug für die Ausbildung tun". Hunderttausende junger Leute seien "mehr oder weniger für den ersten Arbeitsmarkt abgeschrieben" worden. "Wir können die doch nicht zur Sozialhilfegeneration abstempeln", sagte er.

Der neue Beschäftigungspakt bei Siemens, der unbefristet gilt und die 128.000 Beschäftigten in Deutschland vor betriebsbedingten Kündigungen schützt, solle, so Huber und Löscher, auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel sein. Laut Huber besitzt dieser Pakt eine "neue Qualität" und könnte Modellcharakter für die deutsche Industrie haben. "Wir werden natürlich versuchen, so etwas auch in anderen Unternehmen durchzusetzen", kündigte der IG-Metall-Chef einen Vorstoß der Gewerkschaft an. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sprach sich Löscher dafür aus, vermehrt auch ältere Mitarbeiter zu beschäftigen.

Die "Süddeutsche Zeitung" (Samstagausgabe) berichtete derweil unter Berufung auf einen Gesetzentwurf des Bundesinnenministeriums, zur Umsetzung der in Brüssel beschlossenen "Blue Card" zur Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland dürften Akademiker oder Fachkräfte mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung mit ihren Familien ins Land kommen, wenn sie einen Arbeitsvertrag oder eine verbindliche Stellenzusage vorlegen können. Das Mindestgehalt müsse das eineinhalbfache des Durchschnittseinkommens des jeweiligen Landes betragen, in Deutschland seien dies derzeit etwa 42.000 Euro im Jahr. Für Berufe, in denen großer Mangel herrscht, solle als Schwelle das 1,2-fache des Durchschnittslohnes gelten. Dem Innenministerium zufolge sollen die "Blue Card"-Inhaber zunächst nur für zwei Jahre bleiben dürfen.

Von Michael Wojtek

(Michael Wojtek dapd)


 


 

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