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Mahi Degenring

Haute Couture aus Köln

Das Label Mahi Degenring Couture steht für hochwertiges Design und feinste Stoffe. Mit Maßanfertigung für verwöhnte Kundinnen hat sich die gebürtige Perserin einen festen Platz in der Haute Couture erobert. Mahi Degenring ist inzwischen Chefin von Modeboutiquen in Köln, Düsseldorf und Berlin sowie einem Schneideratelier in Nümbrecht.

Mahi Degenring, geborene Niroumand, wurde als Jüngste von sieben Kindern in Teheran, damals noch Persien, geboren. Ihr Vater war Bankdirektor und befreundet mit Dr. Khalil Esfandiari, der von 1951 bis 1961 Kaiserlich-Iranischer Botschafter in Bonn war und dessen Tochter Soraya zum damaligen Zeitpunkt mit Schah Reza Pahlavi verheiratet war. Die enge Freundschaft führte dazu, dass Vater Abbas Niroumand überlegte, von Persien nach Deutschland zu ziehen. Die Geschwister von Mahi Degenring studierten in der Zeit bereits in Deutschland und England. Mit diesem Background ist es kein Wunder, dass sie schon als Nesthäkchen mit ihren Eltern um die halbe Welt jettete. Da die Auslandsreisen meist mit längeren Aufenthalten verbunden waren, besuchte sie abwechselnd Schulen in Persien, in Deutschland und in England. Als sie zwölf war, zog die Familie endgültig nach Köln.

Gegen den Willen der Mutter brach Mahi die Schule ab und suchte sich eine Lehrstelle als Fotografin. Mit 16 heiratete sie Horst-Wilhelm Degenring, mit dem sie nunmehr seit 40 Jahren zusammen lebt. Zurück zu den frühen Anfängen: Als Fotografin auf den Geschmack gekommen, machte sie noch eine Ausbildung als Mannequin und wurde Haus-Model eines Bielefelder Damenkonfektionärs. Bevor sich Mahi Degenring 1984 mit einer eigenen Kollektion in Nümbrecht erstmals selbständig macht, absolvierte sie noch eine Zwischenstation als Verkaufsleiterin bei einer Münchener Modefirma. Der Entschluss, in eigener Regie zu arbeiten, war eigentlich schon immer latent vorhanden. Sie war überzeugt, dass sie das Zeug hat, die Dinge besser und professioneller zu machen. Heute beschäftigt die Designerin 40 Mitarbeiter.

business-on.de: Frau Degenring, sie starteten in Nümbrecht mit Kollektionen für den Mode-Einzelhandel. Ihr Konzept ging nicht auf. Warum?

Mahi Degenring: Ich hatte ein ganz neues Geschäftsprinzip entwickelt. Die Modeläden konnten eine Kollektion aussuchen und damit das ganze Jahr über arbeiten. Das heißt, wir haben auf Bestellung produziert. Das lief erst einmal ganz gut an. Aber meine Idee war, dass man im Sommer auch einen Kaschmirmantel kaufen kann, weil beispielweise eine Schiffsreise nach Norwegen geplant ist. Oder im Winter ein Sommerkleid, weil eine Kreuzfahrt in die Karibik gebucht ist. Dieses Konzept haben die Geschäfte nicht verstanden. Wenn sie es verstanden hätten, gäbe es für sie heute keine Probleme, Kunden an sich zu binden.

Expansion mit eigenen Boutiquen

business-on.de: Nach einer kurzen Kinderpause begannen Sie, Ihre Kollektionen selbst zu verkaufen. Der erste Shop war im damals neu eröffneten Maritim-Hotel in Bonn. Vor zehn Jahren zogen Sie mit Ihrem Geschäft nach Köln in die Innenstadt, wo Sie noch heute sind. 2005 kam die Boutique in Düsseldorf-Kaiserswerth dazu und anderthalb Jahre später Ihre Dependance im legendären Berliner Hotel Adlon. Sie erzählten, dass sie in Berlin ein sehr internationales Publikum haben, aus Amerika, Bahrain, Mexiko, Ägypten, Russland, Spanien, etc.. Erwarten die verwöhnten Kunden nicht, dass die Chefin täglich präsent ist?

Mahi Degenring: Ich habe gute Mitarbeiterinnen, auch in Berlin. Wenn es erforderlich ist, fliege ich für einen Tag rüber.

business-on.de: Sie würden der Bundeskanzlerin Angela Merkel gern ein neues Outfit verpassen. Was würden Sie ihr empfehlen?

Angela Merkel könnte mehr aus sich machen

Mahi Degenring: Ich würde beispielsweise die Form der Jacken verändern und vor allem die Schulterpolster weglassen, damit sie nicht so gedrungen aussieht. Sie wissen, dass ich eine spezielle Schnitttechnik entwickelt habe, mit der Damen optisch zwei Größen schlanker wirken. Das würde auch unserer Bundeskanzlerin gut stehen.

business-on.de: Sie nennen diese Schnitttechnik, die bei Ihren Kundinnen sehr gut ankommt, "Slim line". Gibt es noch andere Figur-Probleme, die Sie geschickt kaschieren können?

Mahi Degenring: Mein besonderes Augenmerk gilt den Kundinnen, die zwei verschiedene Größen haben. Beispielweise oben eine Nummer kleiner als unten um die Hüfte und umgekehrt. Wenn man ein Auge dafür hat, läßt sich das problemlos ausgleichen.

business-on.de: Lernt man das auf der Designschule oder ist das Intuition?

Mahi Degenring: Auf der Designschule lernt man grundsätzliche bzw. theoretische Dinge. In der Praxis sieht das ganz anders aus. Hier ist wichtig, dass man, wie gesagt, ein Auge dafür entwickelt hat, damit oben zu unten passt.

business-on.de: Das Label Mahi Degenring Couture steht für Maßanfertigung. Konfektionsware gibt es bei Ihnen nicht. Das heißt, die Kundin sucht sich aus der Kollektion das Modell und den passenden Stoff aus und bekommt ein individuell zugeschnittenes Teil oder Ensemble.

Modenschau als gesellschaftliches Highlight

Mahi Degenring: Ich biete meinen Kundinnen jedes Jahr zwei neue Kollektionen mit rund 70 kompletten Outfits in edlen Stoffen und passendem Strick an. Dazu gehören Mäntel, Jacken, Blusen, Hosen, Röcke - aber auch Abend- und Hochzeitskleider. Für die offizielle Präsentation lade ich in meine Boutiquen in Köln, Düsseldorf und Berlin zur Modenschau ein. Diese Termine, das kann ich sagen, haben sich inzwischen schon zu einer gesellschaftlichen Institution entwickelt. Sie werden gern und viel genutzt.

business-on.de: Aber die Kundin muss sich für ein Modell entscheiden, das sie vorher nicht anprobieren kann.

Mahi Degenring: Wenn eine Kundin unsicher ist, ob ein Teil ihr stehen wird, dann besteht die Möglichkeit, dass wir das Teil erst einmal nur in Futterstoff anfertigen. Das ist ganz unverbindlich. In den meisten Fällen, so meine Erfahrung, wird nach der Anprobe das entsprechende Stück bestellt. Es können aber auch Teile aus der Kollektion erworben werden, soweit die Größe passt. Vielleicht noch das als wichtiger Hinweis: Unsere Kollektionen sind nicht Größe 38 oder 40 sondern 39, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass die Taillen breiter geworden sind. Deswegen passt diese Zwischengröße einfach besser.

business-on.de: Wer sind die jungen Frauen, die in Ihr Geschäft kommen?

Mahi Degenring: In der Regel sind es Business-Frauen, die sich etwas anfertigen lassen, weil es von besonders guter Qualität sein soll. Dieser Kundenkreis legt Wert darauf, mit wenig Teilen gut gekleidet zu sein und zwar mit Stoffen, die länger halten und strapazierfähig sind. Ein verständlicher Wunsch, denn die Stoffe der Konfektionsware sind zunehmend schlechter geworden.

business-on.de: Stimmt, Ihre Kollektion ist wirklich von hervorragender, hochwertiger Qualität. Das hat aber auch seinen Preis.

Mahi Degenring: Das ist richtig. Aber wenn Sie in einem gehobenem Konfektionsladen einkaufen, dann müssen sie die Änderungen immer extra bezahlen. Bei mir bekommen Sie etwas ganz individuelles, ohne dass es mehr kostet.


 


 

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1 Kommentar

von Serdar
15.04.08 23:23 Uhr
Franchise

ich denke dass in diesem Fall Franchising überhaupt nicht passen würde.
Franchising ist doch nur für Massenmärkte interessant. Denke die Company Degenring selbst in der Lage ist in den Top10 Städten Deutschlands einen Laden zu betreiben.

 

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