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Mahi Degenring

Haute Couture aus Köln

Erfolg mit Maßanfertigung

business-on.de: Maßanfertigung als Geschäftsmodell hat sich offensichtlich erfolgreich für Sie durchgesetzt. Wie groß ist Ihr Kundenstamm heute?

Mahi Degenring: Insgesamt, d.h. mit Köln, Düsseldorf und Berlin, sind es etwa 5.000 Kundinnen.

business-on.de: Sie entwerfen pro Jahr zwei Kollektionen. Von wem oder was lassen Sie sich inspirieren?

Mahi Degenring: Ich orientiere mich unter anderen an den Trends der internationalen Haute Couture, beispielsweise auf den Modeschauen in Paris und Mailand. Das, was da auf dem internationalen Laufsteg gezeigt wird, setze ich passend zu meiner Kundschaft um. Dabei achte ich besonders darauf, dass ich dem prinzipiellem Stil meiner Couture treu bleibe. Denn für meine Kundinnen ist wichtig, dass sich die neue Kollektion in die bestehende Garderobe integrieren läßt.

business-on.de: Wer von den größten internationalen Couturiers kommt Ihren Vorstellungen am nächsten?

Mahi Degenring: Mein Vorbild ist Coco Chanel. Und zwar der klassische Stil und nicht das, was Karl Lagerfeld daraus gemacht hat. Generell sind es die alten Schulen, wie beispielsweise Valentino. Das waren noch besondere Menschen, deren Stil auch lange Bestand hatte.

business-on.de: Hatten sie damals in der Ausbildung als Fotografin bereits eine Ahnung, dass Sie einmal als anerkannte Designerin Ihr Geld verdienen werden?

Mahi Degenring: Nein. Konkrete Gedanken über das, was in der Zukunft passieren soll, hatte ich damals nicht. Ich wußte nur, dass ich irgendwann einmal selbständig sein wollte.

business-on.de: Haben Sie schon einmal über ein Franchisesystem für Ihr Label nachgedacht?

Kundinnen können ehrliche Beratung erwarten

Mahi Degenring: Ja, aber ich glaube, das würde nicht funktionieren in der Qualität und Zuverlässigkeit, wie ich sie mir vorstelle. Franchisenehmer sind im wesentlichen daran interessiert, dass die Kasse stimmt. Sie haben nicht das Ziel, ihre Kunden zufrieden zu stellen. Das widerspricht meinem Geschäftsprinzip. Ich würde nie etwas verkaufen, wovon ich nicht überzeugt bin. Ich weiß, dass meine Kunden eine ehrliche Beratung erwarten. Es spielt auch viel Vertrauen mit, das ich nicht durch einen Franchisenehmer, der mein Konzept nicht versteht, aufs Spiel setzen möchte.

business-on.de: Sind Ihre Mitarbeiter mit der Chefin zufrieden?

Mahi Degenring: Ich glaube schon, weil ich wirklich gute Mitarbeiter habe. Viele sind von Anfang an bei mir. Tatsache ist, dass sie alle lieber bei mir arbeiten, als dass sie zu Hause sind. Ich achte auch auf ein gutes Arbeitsklima. Wenn in der Familie ein Krankheitsfall ist oder ein sonstiger Notfall es erforderlich macht, bekommen sie sofort frei. Andererseits, wenn viel zu tun ist, müssen alle ihren Einsatz beisteuern. Und das klappt hervorragend.

business-on.de: Gibt es Pläne für die nächsten 10 Jahre?

Mahi Degenring: Visionen hat man ja immer. Schön wäre es, Geschäfte auch in Hamburg oder München zu haben. Konkretes ist bisher nicht geplant.

business-on.de: Werden die beiden Töchter in Ihr Unternehmen einsteigen?

Mahi Degenring: Die Jüngere von beiden, Shirin, ist bereits in der Firma angestellt. Sie ist Einzelhandelskauffrau und kann damit auch Lehrlinge ausbilden. Zur Zeit macht sie im Abendstudium eine zusätzliche Ausbildung zur Handelsbetriebswirtin. Die Ältere, Nasrin, studiert noch Betriebswirtschaft in Köln. Was danach kommt, ist offen. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass meine Töchter das machen sollen, wozu sie Spass haben. Wenn ich nicht Freude an meiner Arbeit hätte, würde es Mahi Degenring Couture nicht geben. Ich kann sagen, dass mein Beruf mein Hobby ist.

business-on.de: Sie haben viel Mut und Engagement bewiesen in einer Branche, in der viele deutsche Modemarken die Folgen der Globalisierung nicht überstanden haben. Worauf sind Sie besonders stolz?

Produktion bleibt in Deutschland

Mahi Degenring:Mahi Degenring Couture wird immer noch komplett in Deutschland produziert. Das heißt, in meinem Atelier in Nümbrecht. Das wird auch so bleiben.

business-on.de: Alle Kollektionen, die ich von Ihnen kenne, sind durchweg westlich geprägt? Warum keine persischen Stilelemente?

Mahi Degenring: Weil ich schon als Kind viel in Europa war. Meine ganzes Denken und Stilempfinden ist daher europäisch. Das einzige, was an Persien erinnert, ist meine Vorliebe für die persische Küche. Ich koche gern so Spezialitäten, wie beispielsweise Hühnerbrust mit geriebenen Nüssen und Granatäpfeln oder ein Gericht aus Fleisch, Petersilie, Schnittlauch, Limonen und roten Kidney-Bohnen.

business-on.de: Zuletzt noch ein großes Kompliment. Sie sind trotz hohem persönlichem Einsatz und einer 70-Stunden-Woche jung geblieben.

Mahi Degenring: Danke. Wie ich schon sagte, hat mir meine Arbeit immer viel Spass gemacht und das hält mich jung. Hinzu kommt, dass ich nach ayurvedischen Prinzipien lebe. Ich stehe beispielsweise jeden Morgen um 6 Uhr auf, trinke einen Liter abgekochtes Wasser und mache anschließend eine Stunde Yoga und Meditation. Das gibt mir sehr viel Kraft.

(Karin Bäck)


 


 

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1 Kommentar

von Serdar
15.04.08 23:23 Uhr
Franchise

ich denke dass in diesem Fall Franchising überhaupt nicht passen würde.
Franchising ist doch nur für Massenmärkte interessant. Denke die Company Degenring selbst in der Lage ist in den Top10 Städten Deutschlands einen Laden zu betreiben.

 

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