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  • 19.09.2006, 20:06 Uhr
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  • Köln
Kapital

Mezzanine: Finanzielles Stockwerk zwischen Eigen- und Fremdkapital





Mezzanine, aus dem italienischen "Zwischenstock", ist eine flexible Finanzierungsform, die bilanziell zwischen dem Eigenkapital und dem Fremdkapital steht: ein "vorbörsliches" Risikokapital in Form eines unbesicherten Darlehens mit Eigenkapitalcharakter. Die alternative Investitionsmöglichkeit kann auf die speziellen Bedürfnisse der meisten Unternehmen zugeschnitten werden; besonders gut jedoch auf den Bedarf kleiner und mittlerer Unternehmen zu decken...

Mezzanine-Kapital beschreibt als Sammelbegriff Finanzierungsarten, die eine Mischform - einen Zwischenstock in diesem Fall - zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellen. Dabei wird in der klassischen Variante einem Unternehmen wirtschaftliches und/oder bilanzielles Eigenkapital zugeführt, ohne den Kapitalgebern Stimm- oder Einflussnahmerechte bzw. Residualansprüche (Anspruch der Kapitalgeber nach Begleichung aller Verbindlichkeiten) wie den echten Gesellschaftern zu gewähren. Eigenkapitalähnlich - als sogenanntes Equity Mezzanine - kann es in Form von Genusrechten, wertpapierverbrieften Genusscheinen oder stillen Beteiligungen verwendet werden. Gleichfalls ist auch die Begebung von Wandelanleihen oder Umtauschanleihen möglich. Finanzierungstechnisch bieten Mezzanine-Instrumente die Möglichkeit, die besten Elemente der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung zu verbinden. Die Unternehmen erhalten erhebliche Gestaltungsspielräume in Bezug auf den Kapitalmarktcharakter und die Mitwirkungsrechte.

Das sogenannte Dept Mezzanine besitzt hingegen Fremdkapitalcharakter und ist in der Regel bilanziell als Verbindlichkeit zu erfassen. Klassische Fremdkapitalgeber rechnen das Mezzanine dem wirtschaftlichen Eigenkapital zu, was an der Partizipation des unternehmerischen Erfolgs liegt. Mezzanine Kapital wird dem Unternehmen längerfristig zur Verfügung gestellt, nimmt am Gewinn und Verlust teil und ist mit einem Nachrang ausgestattet.

Laut einer neuen Studie der KfW interessieren sich rund 9 Prozent der größeren Unternehmen für Mezzanine.

Vor allem für mittelständische Unternehmen besteht durch das Mezzaninekapital die Möglichkeit, das Eigenkapital zu verbessern ohne Geschäftsanteile abgeben zu müssen oder den Investoren dafür volle Gesellschafterrechte einräumen zu müssen.

Somit können Rating und Bonität aufgewertet und sich im Ergebnis aus einer gestärkten Position heraus den sich schwieriger werdenden Marktverhältnissen gestellt werden. Durch die verschärften Eigenkapitalregeln (Basel II) wird in den nächsten Jahren allgemein von einem Vorwärtsschub für Mezzaninekapital ausgegangen.

Jedoch lohnt sich diese Form der Finanzierung eigentlich nur für Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial und sehr guter Eigenkapitalrendite, da mit einem Zinssatz von 15 bis 20 Prozent gerechnet werden muss.

Die Kapitalüberlassung ist im Vergleich zu "echtem" Eigenkapital zeitlich befristet (sieben bis zehn Jahre). Dafür verzichten die Kapitalgeber auf Mitsprache im operativen Geschäft und eventuelle Forderungen gelten im Falle einer Insolvenz gegenüber sonstigen Bankverbindlichkeiten als nachrangig.

Häufig betragen dien Investitionsbeträge 2,5 - 5 Millionen Euro, das Mindestvolumen beträgt als Folge der im Vergleich zum klassischen Kredit höheren Transaktionskosten in der Regel 500.000 Euro.

Prüfung und Investitionskriterien

Kapitalgeber sind oftmals Private Equitiy-Gesellschaften, Banken sowie spezielle Mezzanine-Fonds. Die Mezzanine-Geber refinanzieren sich ihrerseits größtenteils über Fremdkapital. Bei der Geldvergabe wird weniger auf Sicherheiten oder Bürgschaften als auf den potenziellen Unternehmenserfolg gesetzt. Zielgruppen der Investoren sind vor allem Unternehmen mit einem hohen Finanzbedarf, wie er beispielsweise bei Management-Buy-Outs und Expansionsfinanzierungen besteht.

Das Investitionskriterium für den Mezzanine-Kapitalgeber ist ein stabiler Cash-Flow in den nächsten Jahren, aus dem der Kapitaldienst bedient werden kann. Daher schreiben die Kapitalgeber im Vertrag in der Regel konkrete Bilanzzielgrößen und Bilanzrelationen fest, was zur Einschränkung der unternehmerischen Freiheit führen könnte, obgleich auf die direkte Mitsprache im operativen Geschäft verzichtet wird. Vor der Vergabe des Kapitals erfolgt eine aufwendige Prüfung, oftmals in Form externe Ratings oder durch eine umfangreiche Darstellung des Mezzanine-Nehmers inklusive einer detaillierten Mehrjahresplanung, die den Zeitpunkt der vorgesehenen Mezzanine-Rückzahlung einschließt. Diese ist insbesondere für wachstumsorientierte Unternehmen von großer Bedeutung. Als Folge der strengen Kritieren bei der Mezzanine-Vergabe erhalten Unternehmen mit einer niedrigen Eigenkapitalquote nur selten Mezzanine-Kapital. Mezzanine ersetzt somit kein fehlendes Eigenkapital, sondern ergänzt bestehendes. Die Ausgestaltungsmöglichkeiten von Mezzanine-Kapital sind gesetzlich weniger stark reguliert als beispielsweise Aktienkapital, so dass flexible Finanzierungslösungen möglich sind, insbesondere in Bezug auf Laufzeiten, Kündigungsmöglichkeiten, Verzinsungs-, Gewinn- und Verlustregelungen oder Rückzahlungsmodalitäten. Jedoch entscheiden gerade diese Punkte, wie das investierte Kapital haftungs- und steuerrechtlich betrachtet wird (Eigen- oder Fremdkapital). Verbriefte, an der Börse handelbare Wertpapiere unterliegen der Prospekthaftung und der Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Interessierte Unternehmen sollten sich vorab genau über Vor – und Nachteile bei den entsprechenden Geschäftsbanken oder Gesellschaften informieren:

www.fondsvermittlung24.de
www.eqt.se

(Olbrisch Katharina)








 


 

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