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Mietpreisbremse

Mietpreisbremse wird mit möblierten Wohnungen ausgehebelt

Im Jahr 2015 wurde durch die Bundesregierung die Mietpreisbremse eingeführt. Neuvermietete Wohnungen dürfen demnach nur zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Viele Vermieter nutzen allerdings eine Gesetzeslücke mit möblierten Wohnungen.

Gesetzeslücke möblierte Wohnung

Sinn der Mietpreisbremse war es den rasanten Anstieg bei Mieten gerade in Großstädten und Ballungsräumen zu mindern. Bundesverbraucherminister Heiko Maas mahnte bei der Verabschiedung des Gesetzes, "dass zum Beispiel junge Familien, die Platz brauchen, nicht mit 3 Prozent Aufschlag konfrontiert werden." Doch das zum 1. Juli 2015 in Kraft getretene Gesetz weist eine große Lücke auf - bei möblierten Wohnungen.

Denn wer seine Wohnung möbliert vermietet, darf für die Ausstattung, die in der Wohnung zur Verfügung gestellt wird, einen Aufschlag verlangen. So wird die Mietpreisbremse ausgehebelt. Denn die Vermietung möblierter Wohnungen ist im Vergleich zu leerstehenden nicht in dem Gesetz geregelt.

Im Auftrag der Süddeutschen Zeitung hat das Beratungsunternehmen Empirica Daten gesammelt und veröffentlicht. Das Ergebnis spricht eine eindeutige Sprache. In den sieben größten Städten in Deutschland werden demnach immer mehr Wohnungen möbliert angeboten. In München hat sich die Zahl der möbliert vermieteten Wohnungsinserate zwischen 2012 und Juli 2016 fast verdoppelt.

Teils mehr als 60 Prozent der Inserate möblierte Wohnungen

In der bayrischen Landeshauptstadt entfallen nach Angaben des Instituts mittlerweile 60 Prozent aller Inserate auf möblierte Wohnungen. Im Jahr 2012 lag dieser Wert noch bei 35 Prozent. Auch in Stuttgart hat sich der Anteil der möblierten Wohnungsinserate sprunghaft erhöht, von 34 auf jetzt 61 Prozent. In Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt werden ebenfalls mehr als 35 Prozent der Wohnungen möbliert angeboten.

In Köln wird mittlerweile fast jede zweite Wohnung möbliert angeboten. Während vor vier Jahren noch 38 Prozente aller Inserate auf möblierte Wohnungen entfielen, sind es im Sommer 2016 schon 45 Prozent. Dadurch wachsen die Mieten in Köln auch weiterhin sehr schnell. Von 2012 bis zum Juni 2016 seien die Preise im Schnitt um 2,43 Euro por Quadratmeter gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg von 14 Prozent. In den Metropolen Stuttgart und München legten die Mietpreise im selben Zeitraum sogar um 34 Prozent (Stuttgart) bzw. um 26 Prozent zu.

Eklatante Preisunterschiede

Vermieter, die möblierte Wohnungen inserieren, verlangen in vielen Fällen viel höhere Mieten im Vergleich zu leerstehenden. In München kostet so ein möbliertes Apartment im Schnitt mittlerweile gut 26 Euro pro Quadratmeter. Mietwohnungen, die ohne Einrichtung vermietet werden, kosten im Schnitt etwa 16 Euro pro Quadratmeter im Monat. Dies ergibt einen durchschnittlichen Aufschlag für möblierte Wohnungen von etwa 10 Euro pro Quadratmeter. Bei einem 30qm-Apartment sind dies auf ein Jahr gerechnet etwa 3600 Euro zusätzlicher Kosten.

Ruf nach gesetzlicher Neuregelung

Der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, fordert nach der aktuellen Studie von Empirica eine gesetzliche Neuregelung. Seiner Meinung nach sollten künftig die Möblierungszuschläge, mit denen derzeit die Mietpreisbremse ausgehebelt wird, in der exakten Höhe ausgewiesen werden müssen. Der Kaltmietpreis müsse in den Inseraten und den Verträgen genau ausgezeichnet werden, um den Aufschlag für die Möblierung erkennen zu können.

Köln noch in guter Position

Die Strukturen des Kölner Wohnungsmarktes verhindern laut Jürgen Becker vom Mieterverein Köln, dass die Zahl der Inserate möblierter Wohnungen in noch größerem Stil steigen. "Wir haben in Köln fast 170.000 Wohnungen, die von Genossenschaften und der GAG vermietet werden", erklärt Becher dem Kölner Stadtanzeiger. Auch Wohnungsbauunternehmen wie Vonovia würden keine möblierten Wohnungen vermieten. In Köln gebe es bislang auch noch keine akuten Probleme mit Möblierungszuschlägen.

Viele Gründe sprechen gegen möblierte Wohnungen

Die Vermietung möblierter Wohnungen erfolgt häufig nur für kürzere Zeit, zum Beispiel an Geschäftsleute, die für eine befristete Zeit eine Bleibe suchen. Da seit der Mietpreisbremse auch die Übernahme der Maklerkosten neu geregelt wurde und nun der Vermieter diese Kosten tragen muss, versuchen viele diese über möblierte Wohnungen auf Umwegen an die Mieter weiterzugeben. Bei leeren Wohnungen gehe dies nicht. Die Forscher von Empirica sehen dies als Erklärung für die teils rasant steigenden Mietpreise.

(Christian Esser)


 


 

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