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Monika Piel

Mit Power an die WDR-Spitze

Das Format „frauTV“ erreicht viele Männer

Monika Piel: Der Eindruck täuscht. Die Sendung frauTV beschäftigt sich immer wieder mit erfolgreichen Frauen. Erfolgreiche Frauen, das können Topmanagerinnen in der Wirtschaft sein, aber auch Frauen, die mit einem 400 Euro Job gegen die Arbeitslosigkeit kämpfen. frauTV versucht, die ganze Bandbreite darzustellen, erzählt Geschichten von Heldinnen, die ihr Leben erfolgreich meistern. Dazu gehören unter anderem Beiträge über das Phänomen ungleicher Löhne, die Karrierefalle befristeter Arbeitsverträge und natürlich der berühmte Spagat zwischen Familie und Beruf. Damit gewinnt die Sendung übrigens auch überraschend viele Männer.

business-on.de: Das Wochenmagazin „Westpol“ berichtet überwiegend unkommentiert über die politische Szene in NRW. Könnten Sie sich vorstellen, dass dieses Format mit mehr Hintergrundinformationen angereichert werden könnte?

Monika Piel: Westpol verzichtet in der Tat auf einen klassischen Kommentar, versteht sich allerdings auch nicht als Nachrichtensendung im engeren Sinne. Westpol ist ein landespolitisches Magazin, das in erster Linie danach fragt, was politische Entscheidungen für die jeweils Betroffenen bedeuten. Dazu gehen die Reporter vor Ort: in die Betriebe, in die Schulen, zu Familien, zu Stau-geplagten Autofahrern oder sozial Benachteiligten. Gerade durch diese Nähe zum Alltag der Menschen werden die notwendigen Hintergrundinformationen zu den Entscheidungen der Politiker geliefert. Und zugleich wird in den Beiträgen eine klare Haltung erkennbar. Darauf legt die Redaktion besonderen Wert.

business-on.de: In den aktuellen Programmleitlinien des WDR heißt es, dass mit „neuen Erzählstilen in Bild und Ton sowie der Einbeziehung innovativer Elemente und Formate“ das Programm für das jüngere Publikum attraktiver gestaltet werden soll. Was muss man sich darunter vorstellen? Gibt es schon Ansätze?

Factual Entertainment

Monika Piel: Wer jüngere Zuschauer erreichen will, und für das WDR Fernsehen bedeutet das im Regelprogramm vorrangig die Altersgruppe der 30-50jährigen, der muss wissen, welche vorrangige Rolle fiktionales Fernsehen in dieser Gruppe spielt – in der konkreten Nutzung, aber auch bei der Herausbildung von Sehgewohnheiten. Das bedeutet etwa, dass wir stärker auf Personality, auf wieder erkennbare Gesichter setzen müssen – auch im nicht-fiktionalen Bereich. Das gilt sowohl für eine stärkere Gewichtung des Castings von Protagonisten im Vorfeld einer Produktion als auch zum Beispiel für die Kameraführung und den Einsatz von Originaltönen oder Musik in der Produktion selbst. Grundsätzlich haben wir den Eindruck gewonnen, dass auch das starre Festhalten an Genre-Grenzen kontraproduktiv ist, wenn man diese Zuschauergruppen erreichen will. In der Programmentwicklung legen wir daher besonderes Augenmerk auf so genannte Hybrid-Formen wie etwa „factual entertainment“: Dabei handelt es sich um Sendungen mit leicht verständlich aufbereiteten Wissens - Magazine, Diskussionen, Lifestyle-Magazine oder Reportagen.

business-on.de: Ärger mit WebTV, ein Angebot des WDR zur zeitsouveränen Nutzung von ausgewählten Sendungen im Internet, gibt es nicht nur seitens der Printmedien, sondern auch aus Brüssel. Wie sehen Sie die zukünftigen Chancen für WebTV?

Monika Piel: Die Frage war nie, ob Fernsehen im Netz kommen würde, sondern wann es kommen würde. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss an den neuen technischen Möglichkeiten teilhaben, um seinen Programmauftrag zu erfüllen. Gewährleistet wird dies durch die im Rundfunkstaatsvertrag verankerte Entwicklungsgarantie, die sowohl für die Programminhalte als auch für die Verbreitungswege gilt. Diese Garantie wurde nun vom Bundesverfassungsgericht noch einmal ausdrücklich betont. Alles andere würde uns in eine Nische abschieben.

WebTV erreicht jüngere Zuschauer

Schließlich: Ein Inhalt wird nicht dadurch ein anderer, dass er auf einem anderen Vertriebsweg angeboten wird. Wieso sollte der WDR seinen Gebührenzahlern ihr schon gesendetes Radio- und Fernsehprogramm im Internet nicht noch einmal zur Verfügung stellen können, zumal diese Programminhalte schon alle einmal bezahlt wurden? Mit dem Internet erreichen wir insbesondere die jüngeren Zuschauer, die uns sonst langfristig verloren gehen würden.

business-on.de: Die Elektronikindustrie wirft den öffentlich-rechtlichen Anstalten vor, sie würden nicht Schritt halten mit neuen Techniken. Die Kritik richtet sich gegen die Planung, erst 2010 mit hoch auflösenden Fernsehangeboten, d.h. in HD-Qualität, zu starten. Ist die Kritik aus Ihrer Sicht berechtigt?

Monika Piel: Nein, denn tatsächlich unternimmt die ARD große Anstrengungen mit Blick auf die flächendeckende Einführung von HDTV. Anlässlich der IFA im September haben wir einen HD-Showcase mit ausgewählten Highlights im Programm von EinsFestival angeboten, der sowohl beim Publikum als auch bei Marktpartnern auf großes Interesse gestoßen ist. Zwar werden bereits jetzt einige unserer Produktionen in HD-Qualität hergestellt, für den grundsätzlichen Einstieg in HDTV muss aber die gesamte Produktion umgestellt werden. Dies ist mit erheblichen Kosten verbunden. Die ARD wird ab den Olympischen Winterspielen 2010 in die HD-Ausstrahlung einsteigen. Dafür werden wir nun einen verlässlichen Fahrplan erarbeiten.

business-on.de: Wie wird sich Ihre Führungsrolle als Intendantin auf die Programmgestaltung im WDR auswirken? Mit welchen Formaten wollen Sie persönliche Akzente setzen?

Monika Piel: Die digitale Entwicklung steht sicherlich ganz weit oben auf der Agenda. Hier gilt es, die vorhandenen Chancen zu nutzen und sicherzustellen, dass unsere Programme unser Publikum auf allen relevanten Verbreitungswegen erreichen. Dabei ist es mir wichtig, unser öffentlich-rechtliches Profil weiter zu schärfen. Dazu gehören große fiktionale Projekte wie die Verfilmung der Buddenbrooks ebenso wie unsere regionalen und landesweiten Informations- und Kultursendungen und unsere Angebote im Hörfunk. Auch in der Unterhaltung wollen wir künftig neue Impulse setzen.

(Karin Bäck)


 


 

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