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Krisenjahr schüttelte NRW-Wirtschaft durch

(ddp-nrw). Das erste «vollständige» Jahr seit Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise geht zu Ende - und auch in Nordrhein-Westfalen haben die konjunkturellen Turbulenzen in den zurückliegenden Monaten die Schlagzeilen bestimmt.

Im Zentrum standen die Insolvenz des Essener Warenhaus- und Versandhandelskonzern Arcandor, die Angst um ein Aus für das Bochumer Opel-Werk sowie die ungewisse Zukunft der WestLB. Doch zum Jahresende gab es dann wenigstens für Opel und die angeschlagene Landesbank überraschend gute Nachrichten.

Monatelang wurde nach der Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) um die Zukunft der deutschen Opel-Standorte und gerungen und ein neuer Investor gesucht. Als ein Konsortium unter Federführung des Autozulieferers Magna fast schon den Zuschlag bekam, ruderte GM überraschend zurück und gab bekannt, Opel doch nicht zu verkaufen und in Eigenregie sanieren zu wollen.

Groß war die Empörung der Opelaner, deren Vertrauen in den maroden Mutterkonzern zerrüttet ist - vor allem im Bochumer Werk, das mit seinen rund 5000 Beschäftigten als besonders von einer Schließung bedroht galt. Mit Protestkundgebungen machten die Opelaner ihrem Ärger Luft. Doch dann ließ GM-Europachef Nick Reilly Ende November bei einem Kurzbesuch in der Düsseldorfer Staatskanzlei nahezu beiläufig die gute Nachricht vom Stapel: Bochum sei ein wichtiger Standort für den Konzern und solle erhalten werden. Doch soll der Erhalt des Bochumer Werks voraussichtlich 2000 Stellen kosten.

Überraschend aufatmen konnten kurz vor Ablauf des Jahres auch die Mitarbeiter der angeschlagenen WestLB, die sowohl durch die Finanzkrise als auch durch Fehlspekulationen schon seit Jahren kriselt. Eine das ganze Jahr über im Raum stehende Schließung der drittgrößten Landesbank konnte kurz vor dem Auslaufen von wichtigen Zusatzgarantien durch eine Beteiligung des Bundes abgewendet werden.

Mit einer Kapitalspritze von vier Milliarden Euro beteiligt sich der Staat nun an der Sanierung der Bank und ermöglicht damit die geplante Aufspaltung in eine neue WestLB-Kernbank und eine sogenannte Bad Bank . In die Bad Bank werden Risikopapiere und Geschäftsfelder im Volumen von etwa 85 Milliarden Euro ausgelagert. Damit soll der WestLB ein unbelasteter Neustart ermöglicht werden. Über die Lastenverteilung und die Ausstattung der Kernbank mit frischem Geld hatten das Land NRW und die NRW-Sparkassen als Haupteigentümer lange mit dem Bund gestritten.

Weniger glücklich geht das Jahr für die Beschäftigten von Arcandor zu Ende. Der Essener Handelsriese, zu dem die Warenhauskette KarstadtQuelle und das Versandhaus Quelle gehören, hatte nach jahrelangen wirtschaftlichen Problemen zur Jahresmitte Insolvenz angemeldet. Auch dem neuen Management unter Leitung des früheren Telekom-Finanzchefs Gerhard Eick war es nicht gelungen, den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.

Nach Gläubigerversammlungen in der Essener Gruga-Halle steht fest: Die Abwicklung von Quelle ist mangels Investoreninteresse beschlossene Sache, während für Karstadt weiter nach einem neuen Eigner gesucht wird. Fest steht aber die Schließung von sechs Häusern in Dortmund, Hamburg, München, Berlin, Braunschweig und Stuttgart. Außerdem stimmten die rund 26 500 Karstadt-Beschäftigten zu, in den nächsten drei Jahren durch Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld 150 Millionen Euro zur Rettung des Traditionshauses beizusteuern.

Von ddp-Korrespondent Frank Bretschneider

(ddp)


 


 

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