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Powerfrauen

Frauen müssen sich trauen

Kölns Powerfrauen geben Gas. Angeregt durch die Serie von Karin Baeck in „business-on.de“ entwickeln sich in der Domstadt „Derivate“: auf Einladung des Wirtschaftsclubs fand im Dom-Hotel die Podiumsdiskussion „Oben ohne - Mangelware Managerin?“ statt. Rund 100 Gäste, auch viele Männer, verfolgten die Diskussion, die in der Forderung gipfelte: „Frauen müssen sich mehr trauen!“ Eine Woche vorher trafen sich etliche der Powerfrauen erstmals zum neuen „Salon privee“ im Dorint Hotel An der Messe (business-on.de berichtete)

28% der Schülerinnen machen Abitur gegenüber 22% bei den Jungs. Mehr als 50% der angehenden Betriebswirtschaftler, die an deutschen Universitäten studieren, sind weiblich. „Wo bleiben diese hochqualifizierten Frauen auf dem Weg nach oben?“ wollte Diplom Betriebswirtin Julie Edelmann-Veith, PR-Beraterin und Moderatorin der Podiumsdiskussion, wissen. „Fehlt den meisten Frauen der Wille zur Macht?“ In den 30 DAX-notierten großen Aktiengesellschaften gibt es nur ein einziges weibliches Vorstandsmitglied.

„Die meisten Frauen trauen sich nicht, sich für eine Führungsposition zu bewerben. Ich habe gerade eine Ausschreibung in meinem Unternehmen gemacht,. auf die sich 20 Männer und keine Kollegin gemeldet haben. Ich hatte schon an Mitarbeiterinnen gedacht, denen ich die Position zugetraut hätte. Aber von denen habe ich nichts gehört. Da habe ich den Job einem Mann gegeben,“ schilderte Dr. Ing. Anja Huppertz, Geschäftsführerin der Huppertz Logistik Group ihre Erfahrungen.

„Frauen verkaufen sich schlechter“

Dass sich in Bulgarien die Frauen mehr trauen berichtete Nelly Kostadinova, Chefin der Lingua World GmbH, die weltweit mehr als 10.000 freie Mitarbeiter beschäftigt. Die in dem südosteuropäischen Balkanstaat geborene Managerin meinte. „ Deutsche Männer machen mehr auf sich aufmerksam. Frauen halten sich zurück. Sie gehen nicht auf Fremde zu, ‚verkaufen’ sich schlechter.“ Aber sie gestand gegen Ende der Veranstaltung auch „Ich vermisse heuet die gemeinsame Zeit mit meinen Kindern, die heute schon erwachsen sind. Frauen, die weniger auf Karriere und mehr auf Familie Wert legen, erfahren auch ein erfülltes Leben. Viele Männer opfern ihrem Beruf ihre Familie und auch ihre Gesundheit“.

„Ich habe zwei Chefinnen“, gestand Hans-Georg Hoffmann, Geschäftsführer der Klosterfrau Healthcare Group. „Frau Merkel und Frau Schmidt“. Hoffmann saß als einziger Mann zwischen den Powerfrauen . Auch er berichtete von Enttäuschungen bei den Bemühungen des Kölner Konzerns, begabte Mitarbeiterinnen zu fördern. Auf betriebsinterne Ausschreibungen kommen zu wenige Bewerbungen von Frauen, obwohl Klosterfrau viele weibliche Azubis einstellt, die oft noch nach der Ausbildung studieren, um dann zurück in das Unternehmen zu kommen. „Die Frauen müssen stärker ermutigt werden“ findet er und glaubte, dass sich bis 2020 das Verhältnis von männlichen und weiblichen Führungskräften deutlich zu Gunsten des erstarkten weiblichen Geschlechts ändern wird. Dem konnte auch Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer zu Köln, zustimmen. Die Leiterin der IHK-Bereiche Handel, Tourismus, Informations- und Kommunikationstechnik beschäftigt sich von Amts wegen häufig mit weiblichen Karrierewünschen.

Frauen unter einem gläsernen Deckel

Männer-Schicki-Micki und männliches Schaulaufen kritisierte Ursula Vierkötter. Die Dipl. Kauffrau und Geschäftsführerin des Karstadt Warenhauses in der Kölner Breite Straße ist eine der ganz wenigen Führungskräfte im Einzelhandel, obwohl die Branche insgesamt weiblich dominiert ist. „Die meisten Frauen wissen nicht, wie sie auf sich aufmerksam machen können. Männer besitzen ein Netzwerk, mit dem sie ihren Aufstieg fördern. Frauen sitzen unter einem gläsernen Deckel, den die Männer so nach unten drücken, dass ihre möglichen Konkurrentinnen keine Chance bekommen.“

Angela Spizig, Oberstudienrätin und „grüne“ Bürgermeisterin, verteidigte das „Frauenstatut“ ihrer Partei, das gemeinhin als Quote bezeichnet wird. Bei den Öko-Politikern ist nicht nur die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in den Gremien vorgeschrieben, selbst die Geschlechtsfolge der Redner erfolgt streng nach dem Prinzip Frau-Mann-Frau-Mann...Die Pädagogin schlug vor, schon in den Schulen die Mädchen zu coachen und ihnen Mut zu machen, sich gegen männliche Konkurrenten durchzusetzen. Keine der Diskutantinnen lehnte die Quotierung ab, Hans-Georg Hoffmann allerdings meinte, auch ohne eine offizielle Quote würde sich die Gleichberechtigung auch auf den obersten Management-Etagen durchsetzen.

Macht Macht sexy?

Damit fand sie offene Ohren bei allen Gästen und auch bei Edmund Mastiaux, Inhaber des Zentrums für Management- und Personalberatung in Bonn: „Bei 1000 Gesprächen mit Bewerbern habe ich festgestellt, dass die Frauen ihre Selbstrepräsentation mit Weichmachern versehen. Die trauen sich zu wenig zu. Männer sagen selbstsicher, sie würden alle Erwartungen erfüllen. Frauen äußern oft Zweifel an sich. Sie müssten mehr Spaß an der Macht haben“. Der Unternehmensberater will erkannt haben: Macht macht sexy.

Konterte Angela Spizig: „Wenn Sie so lange wie ich in der Politik gearbeitet haben, findet man nicht mehr, dass alle Mächtigen sexy sind“.

Moderatorin Julie Edelmann-Veith zitierte eine Studie aus Norwegen. Danach sind die Renditen in Unternehmen, deren Führungsebenen paritätisch von Frauen und Männern besetzt sind, signifikant höher als bei Firmen mit vorwiegend männlichem Management. Konzerne wie IBM, Microsoft oder Daimler hätten die Zeichen der Zeit erkannt und sich zu einer „positiven Diskriminierung“ bekannt – also der Bevorzugung von weiblichen Bewerbern für die oberen Führungsetagen bei gleicher Qualifikation.

„Die Gesellschaft verschwendet viele Kapazitäten, wenn sie den Frauen und ihren Talenten keine Chancen gibt“, mahnte Dr. Anja Huppertz.

Christian Kerner, Rechtsanwalt und geschäftsführender Vorstand des Wirtschaftsclubs Köln, versicherte abschließend dem Auditorium, der Club werde das Thema, das so viel Resonanz gefunden hat, auf der Agenda halten und dazu weitere Veranstaltungen organisieren. Er dankte den Damen und Herren auf dem Podium und Karin Bäck, der Autorin der Serie über Powerfrauen auf business-on.de und Organisatorin der Diskussion.

(Ulrich Gross)


 


 

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