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911 Carrera S

Perfektion als Motivation - der Porsche 911 Carrera S setzt den Mythos 911 fort

Schon im Vorfeld hatte ich mir überlegt, meine Familienkutsche in einer Nebenstraße abzustellen und die letzten Meter zum Autohaus zu Fuß zu gehen. Mein Ziel war das Porsche Zentrum Bensberg, und mein Skoda hatte zwischen all den Supersportwagen eher nichts verloren. Ich eigentlich auch nicht, denn die von mir bis dato gefahrenen Pkw fallen allesamt in andere Kategorien. Jetzt allerdings darf ich für einen Fahrbericht den Porsche 911 Carrera S ein ganzes Wochenende lang auf Herz und Nieren testen.

Roman Konrads begrüßt mich freundlich im Porsche Zentrum Bensberg. Der imposante Rundbau mit totaler Glasfront ist bestens geeignet, um auf einer Fläche von 1.100 Quadratmetern Autos made in Zuffenhausen den gebotenen Rahmen zu geben. Fast 1.000 Quadratmeter misst die Werkstatt, inklusive Außenanlagen verfügt das Porsche Zentrum über eine Fläche von 5.700 Quadratmetern.

Ein gebotener Rahmen, obwohl es das gar nicht gebraucht hätte, zumindest nicht beim Geschäftsführer des seit 2009 am Standort Meisheide 1 ansässigen Unternehmens. Selbst bei einer Präsentation der Fahrzeuge in einer gammeligen Industriebrache würde Konrads die Supersportwagen an den Mann bringen – er ist so überzeugt von den Produkten, in seinen Adern fließt Benzin, und das spürt man beim gemeinsamen Gang durch die Ausstellung.

Gut, es ist Freitagnachmittag, ich habe eine Verabredung mit Herrn Konrads, aber anschließend habe ich noch ein Date. Und dieses Date bringt mich dann doch aus der Ruhe. Denn ich habe ein Treffen mit einem Porsche 911 Carrera S. Roman Konrads drückt mir die Wagenschlüssel in die Hand. „Aber bringen sie ihn heil zurück“ ermahnt er mich in bester Q-Manier. Keine Sorge, ich will ja nur ein wenig Auto testen und nicht wie James Bond gegen die Großschurken der Welt antreten.

Minimales Facelift mit neu modellierten Rückleuchten und richtigen Türgriffen

Zunächst zu den äußeren Werten, will sagen ich umrunde den weißen Renner und sehe einen klassischen 911er. Die Unterschiede nach einem Facelift im vergangenen Jahr sind für den Laien nur schwerlich auszumachen. Roman Konrads fasst kurz und knapp zusammen: „Vorne jetzt Vierpunkt-Tagfahrlichter, am Heck neu modellierte Rückleuchten und von der Seite die berühmte Silhouette, die Türen haben wieder einen richtigen Griff.“

Ok, ich bin Laie. Aber ich kann ganz gut Autofahren, nur kann ich auch einen Porsche beherrschen? Der Geschäftsführer des Porsche Zentrums Bensberg erläutert mir die wichtigsten Funktionen und verweist insbesondere auf das PDK. Ich kenne ABS, von mir immer scherzhaft als „abgenutzte Bremsscheiben“ tituliert, aber PDK? Nun, das Kürzel PDK steht für „Porsche-Doppelkupplungsgetriebe“, das mehrere Vorteile bietet. Nicht mehr spürbare Gangwechsel in Millisekunden, zudem ein noch besserer Vortrieb bei weiter verringertem Verbrauch.

Mit diesem Wissen fahre ich vom Hof des besonderen Autohauses. Von Bensberg ins Zentrum von Köln ist es auch mit einem Porsche nur ein Katzensprung. (Der automobile Wettbewerber, der für solche Distanzen rein vom Namen her prädestiniert ist, hätte in jedem Fall das Nachsehen.) Zunächst jedoch verzichte ich auf das Schaulaufen respektive –fahren in der Großstadt. Ich entscheide mich zur Tour hinein ins kurvenreiche Bergische Land, um die Fahreigenschaften des 911er auszuloten.

Im Automatikmodus verrichten die sieben Gänge ihre Arbeit ohne mein Zutun, finden den optimalen Schaltpunkt mit traumwandlerischer Sicherheit. und schon auf den ersten Metern wird mir bewusst: „Thank god it’s Friday…and Saturday…and Sunday!“ Ein ganzes Wochenende mit meinem Date, das erst am Montagmorgen beendet sein wird.

Perfektion statt Stagnation – 3-Liter biTurbo ersetzt den 3,8 Liter Sauger

Ich taste mich langsam an die Möglichkeiten des erfolgreichsten Sportwagens der Welt heran. Der neue 911 Carrera S beendet die Geschichte des Saugmotors in dem Modell, das alte 3,8-Liter-Aggegat wurde durch einen bi-Turbo aufgeladenen 3-Liter-Sechszylinder ersetzt. Der Porsche hängt sehr direkt am Gas, eine kleine Fußbewegung sorgt für große Beschleunigung, die mich in den perfekt geformten Sitz presst. Auch dessen Seitenhalt ist hervorragend, in Kurven habe ich optimalen Halt, dem Carrera sind sie je enger desto lieber, und die Beschleunigung aus der Kurve heraus ist mehr als phänomenal.

Ausgestattet mit dem Sport Chrono Paket, beschleunigt der 911 S in nur 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h, erstmals wurde die 4-Sekunden-Marke beim 911er geknackt. Den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h absolviert mein weißer Sportler in 2,3 Sekunden. Die dafür verantwortlichen Eckdaten: 309 kw (420 PS) bei 6.500 Umdrehungen pro Minute, das maximale Drehmoment von 500 Nm liegt im Drehzahlbereich von 1.700 bis 5.000 Umdrehungen an.

Auch wer noch nie hinter dem Lenkrad eines 911er gesessen hat fühlt sich sofort zu Hause. Die meisten Funktionen erklären sich von selbst, vieles lässt sich über den jetzt sieben Zoll (17,8 Zentimeter) großen Monitor regeln. Das PCM Porsche Communication Management ist für die Navigation zuständig, liefert Echtzeit-Verkehrsinformationen und ist gleichzeitig zentrale Steuereinheit für Kommunikation und Audio.

Eine Frage der Einstellung: Fahrwerkskomfort oder sportliche Gangart

Ich wähle kleinere, nicht so gut ausgebaute Nebenstrecken im Bergischen. Die geben jede Unebenheit direkt an den Fahrer weiter, denn noch befindet sich das Fahrwerk meines 911er im Sportmodus. Ein Knopfdruck, das Umstellen auf Komfort, und schon ist die Härte aus dem Spiel genommen, schluckt das Fahrwerk die Löcher und sorgt für einen ganz anderen Eindruck.

Nach kurvenreichen Kilometern im Bergischen und langen Anstiegen und Abfahrten – hier zeigte der Zuffenhausener, dass auch die Bremsanlage optimal dimensioniert ist – darf mein Wochenendflirt in der Garage parken. Knapp 115.000 Euro müssen nicht unbedingt draußen übernachten.

Am Samstag bin ich zeitig unterwegs, um zu erfahren wie die Bundesautobahnen dem Porsche liegen. So schnell wie die Beschleunigungsspur – jetzt macht sie ihrem Namen alle Ehre – zu Ende ist, kann ich fast gar nicht nach links ziehen. Das im Vergleich zum Vorgänger kleiner gestaltete Lenkrad spricht direkt an, und es hat noch eine Überraschung parat: den Response Button oder Turbo Boost Knopf. Über einen Zeitraum von 20 Sekunden steht dem 911er Carrera S ein erhöhter Ladedruck zur Verfügung, der mich nochmals merklich in die Sitze presst. Da braucht es auch für lang gezogene Autobahnkurven ein feines Händchen, um dem Straßenverlauf zu folgen. Wer weniger aufs betont sportliche Fahren aus ist, kann am Lenkrad per Knopfdruck weitere Fahrmodi einstellen.

Wichtig der Geschwindigkeitswarner, denn im Porsche vergisst man den Speed

Außerdem an Bord ein Geschwindigkeitswarner, der sich meldet wenn die Physik an ihre Grenzen stößt. Ein wichtiges Feature, denn die Perfektion des Wagens, die Verarbeitung sowie die Qualität der verbauten Teile gaukelt dem Fahrer eine Geschwindigkeit vor, die er längst hinter sich gelassen hat.

Den Sonntag nutze ich, um mein Date nochmals auszuführen, über Landstraßen, Autobahn hinein in den Stadtverkehr. Die vom Hersteller angegebenen Verbrauchswerte liegen innerorts bei 10,1l/100km, außerortsbei 6,4l/100km, was einem kombinierten Verbrauch von 7,7l/100km entspricht. Aber nicht an dieser für mich unvergesslichen Begegnung mit einem weißen Porsche 911 Carrera S.

Nach einem tollen Wochenende mit einem der faszinierendsten momentan am Markt erhältlichen Sportwagen ist es wohl das falscheste, was man machen kann, darüber zu sinnieren, ob die Welt einen Porsche 911 Carrera S, irgendeinen anderen Porsche oder Sportklassiker aus anderen Autoschmieden braucht. Denn nach der fast drei Tage währenden Affäre weiß ich: zumindest den 911er Carrera S braucht es. Motor und Getriebe, Verarbeitung und Ausstattung, perfekte Straßenlage sowie viele individuelle Einstellmöglichkeiten machen diesen 911er zum Statement unter den Besten. Und wenn Sie wollen, dass sich die Köpfe der Passanten nicht nur wegen des Sportlers, sondern auch wegen seiner Außenlackierung umdrehen, dann wählen Sie die Sonderfarbe „miamiblau“.

(Christian Weis)


 

 

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1 Kommentar

von Mb2000
12.08.16 10:00 Uhr
Porsche 911

Ein toller und authentischer Fahrbericht. Macht Spass zu lesen und gibt einen sehr guten Einblick.

 

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