01.12.2010  14:05 Uhr

PR-Kolumne
Der öffentliche Auftritt

Köln-Bonn. Die Pressearbeit trägt Früchte – und plötzlich steht ein Kamerateam vor der Tür und möchte ein Interview. Oder: Der hiesige Unternehmerverband lädt Sie als Redner ein. Jeweils eine tolle Chance, sich und das eigene Unternehmen zu präsentieren. Doch ein öffentlicher Auftritt birgt auch jede Menge Fallstricke. Wie Sie die umgehen, verrät dieser Beitrag.

Auftritte in der Öffentlichkeit sind heute in vielen Bereichen an der Tagesordnung. Sei es als Workshopleiter bei potenziellen Kunden, als Gast bei einer Podiumsdiskussion oder als Sprecher, der in einem Fernsehinterview eine betriebliche Fehlentscheidung ins rechte Licht rücken muss. Missglückt ein Statement, kann es nachhaltig den Ruf schädigen. Wirkten vor einigen Jahren Zeitungsartikel und Fernsehbeiträge eher kurzfristig, vergisst das Internet mit seinen Social-Media-Kanälen so schnell nicht. 

Eine professionelle Vorbereitung ist deshalb die Basis, um das Sprechen vor der Kamera oder auf einer Fachtagung erfolgreich zu meistern und eine positive Medienresonanz für sich und sein Unternehmen zu erzielen.

Überlassen Sie nichts dem Zufall

Egal, um welche Art des öffentlichen Auftritts es sich handelt, verschaffen Sie sich Hintergrundwissen. Nehmen Sie sich genug Zeit für die Vorbereitung, damit Sie souverän von Ihren Gesprächspartnern, Zuhörern oder Zuschauern wahrgenommen werden. Wenn Sie einen Termin mit einem lokalen TV-Sender haben, dann sehen Sie sich zwei bis drei Sendungen an. Sind Sie zu einer Talkshow eingeladen, besprechen Sie mit der Redaktion genau, um welche Themen es gehen soll, welche Gäste eingeladen sind und wie lang Ihre Redezeit ist. Plant ein Magazin einen Bericht über Ihr neuestes Produkt und möchte von Ihnen ein paar Statements, kaufen Sie eine Ausgabe und informieren Sie sich parallel über den Redakteur, wenn möglich. Arbeitet er eher investigativ und sucht gern das bekannte Haar in der Suppe oder möchte er lediglich informieren?

Formulieren Sie Ihre Botschaften

Im nächsten Schritt überlegen Sie sich in Ruhe, welche Inhalte Sie vermitteln wollen. Erfahrene Medienleute erstellen vor jedem Auftritt eine Agenda, um später mit klaren Sätzen und Argumenten überzeugen zu können. Machen Sie es ihnen nach, selbst wenn es nur gedanklich ist.

Lernen Sie bloß nicht Ihre fixierten Botschaften auswendig! Sprechen Sie in Ihrem Vortrag oder Interview frei. Nichts ist schlimmer als ein aufgesagter Text. Seien Sie lieber authentisch und haben Sie keine Angst vor Versprechern. In normalen Gesprächssituationen verhaspeln wir uns ständig. Der Zuhörer bemerkt es in den meisten Fällen gar nicht. Denken Sie nicht darüber nach und seien Sie natürlich.

Auf die Kleidung kommt es an

Im Casual-Look einen Fachvortrag für Teilnehmer aus Versicherungsgesellschaften halten während alle im Seminarraum Schlips und Kragen tragen – das kommt sicherlich nicht allzu gut an. Kleidung und Anlässe müssen aufeinander abgestimmt sein. Zu Ihrem gut durchdachten Vortrag gehören niemals die Inhalte allein. Gemäß dem Motto „Kleider machen Leute“ schenken Ihnen Zuhörer mehr Glauben, wenn das Erscheinungsbild zum Produkt passt. Überlegen Sie sich daher im Vorfeld, welche Kleidung dem Umfeld angemessen ist, welche Informationen Sie Ihrem Publikum vermitteln und wie Sie von Ihren Gesprächsteilnehmern gesehen werden wollen. Das schließt Jeans und Sneaker keineswegs für öffentliche Auftritte aus. Sprechen Sie für ein junges, dynamisches Start-up oder fachsimpeln in einer lockeren Runde über Ihre Rolle als Sponsor für ein lokales Eishockey-Team, dann lassen Sie getrost Anzug oder Kostüm im Schrank.

Stellen Sie sich mental auf den Auftritt ein

Der Wecker klingelt und Sie wissen, in wenigen Stunden steht Ihnen die wichtige Präsentation oder die Rede auf dem Barcamp bevor. Zählen Sie eher zu denjenigen, die dann fröhlich die Bettdecke zurückschlagen, oder ist Ihnen eher unwohl bei dem Gedanken, vor eine Menschenmenge zu treten? Jeder öffentliche Auftritt bedeutet eine physische und psychische Belastung, das ist uns allen gemeinsam. Nur gehen wir unterschiedlich damit um.

Ein guter Start in den Tag ist die Grundvoraussetzung für einen gelungenen Auftritt in den Medien. Versuchen Sie, auszuschlafen und in den Tagen vorher auf Ihre Ernährung zu achten. Verbannen Sie alle negativen Erwartungshaltungen und Problembilder. Sehen Sie positiv Ihrem Vortrag oder Ihrer Präsentation entgegen.

Sollten Sie müde sein, dann werden sie munter mit Wechselduschen, Liegestütze, Sit-ups, Joggen oder einem kurzen Spaziergang. Wenn Sie merken, dass Sie nervös sind, versuchen Sie sich zu entspannen. Dafür eignen sich zum Beispiel leichte Atemübungen, bei denen Sie tief in den Bauch ein- und durch die Nase ausatmen. Auch Selbstmotivation ist eine beliebte Methode, um Leistungsdruck abzubauen. Zugegeben: Am Anfang kostet es ein wenig Überwindung, aber die Spiegel-Übung ist enorm wirksam. Stellen Sie sich vor Ihren Badezimmerspiegel und schauen sich selbst tief in die Augen. Sagen Sie: Ich bin erfolgreich! Ich schaffe das! Loben Sie sich so, wie Sie es gern mögen – und Ihre Stimmung steigt garantiert.

Letzter Check-up

Konzentrieren Sie sich mindestens eine Stunde vor Ihrem öffentlichen Auftritt auf die wesentlichen Inhalte, die sie vermitteln wollen. Gehen Sie die Schlüsselstellen Ihrer Präsentation oder Ihrer Rede noch mal durch. Sehen Sie Ihre Gesprächsnotizen, die Sie sich für Ihr Fernseh-Interview notiert haben, an. Nutzen Sie den Schnell-Check, damit auch alles sitzt. Proben Sie, wenn möglich laut, auf der Anfahrt im Auto, im Hotelzimmer oder in Ihrem Büro. Stellen Sie sich die Gesprächssituation vor. Spielen Sie den Vortrag oder die Podiumsdiskussion in Ihren Gedanken durch. In dieser mentalen Probe sollten Sie ungestört sein.

Fassen Sie sich kurz und seien Sie unterhaltsam

Der Moment ist da: Sie stehen hinter dem Rednerpult oder haben in einem Fernsehstudio Platz genommen. Achten Sie auf Ihre Sprache. Vermeiden Sie Füllwörter wie „halt“ oder „also“ und Verzögerungslaute wie „ähms“. Benutzen Sie Fremdwörter nur, wenn sie angemessen sind.

Reden Sie in kurzen, klaren Sätzen. Haben Sie den Mut, nicht abzuschweifen. Es gilt, immer nur eine Information in einem Satz unterzubringen. Finden Sie dabei die richtige Mischung aus Information und Unterhaltung. Nichts ist schlimmer als ein Professor, der seine Zuhörer auf einer Fachtagung mit harten Fakten zu Tode langweilt. Auch wenn Sie kein guter Rhetoriker sind, versuchen Sie Ihre Gesprächspartner aktiv mit in die Diskussion miteinzubeziehen. Wecken Sie Interesse mit Gegenfragen oder leichterer „Informationskost“ nach schwereren Passagen. Workshopleiter erzählen gern Anekdoten in ihren Seminare, um Ihr Publikum zu fesseln. Ob diese jetzt privat- oder eher produktbezogen sind, ist dem Sprecher selbst überlassen, doch sie erfüllen den Zweck, die Situation nach langen Konzentrationsphasen zu entspannen.


 

(Katrin van Herck)

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