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Interview mit Professor Dörte Gatermann

Architektin ohne Höhenangst

Unterschied von Hochhäusern und echten Hochhäusern

Ist eigentlich der KölnTriangle-Turm das erste Hochhaus, das sie gebaut hat? "Nein. Aber bei den anderen Projekten weiß keiner, dass das Hochhäuser sind" verrät Dörte Gatermann und lacht. Eine deutsche Richtlinie, die der Architektur-Laie natürlich nicht kennt, besagt, dass alle Gebäude, bei denen der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der festgelegten Geländeoberfläche liegt, in die Kategorie der Hochhäuser fallen. Grundlage für diese Regelung sind die Rettungsleitern der Feuerwehr. Das größte in Deutschland genormte Rettungsgerät ist eine Drehleiter mit einer Rettungshöhe von 23 Metern. Nach diesen Richtlinien wäre beispielsweise der Bayenturm im Rheinauhafen ein Hochhaus. "Wir Architekten unterscheiden deswegen zwischen Hochhäusern und echten Hochhäusern, das heißt Gebäuden über 100 Meter. Das Triangle ist daher das einzige echte Hochhaus, das ich gebaut habe", erklärt uns Dörte Gatermann

Faszination des Turmbaus

Ein Turm scheint für Architekten generell etwas ganz Besonderes, etwas Faszinierendes an sich zu haben. Man denke nur an den Turmbau zu Babel. "Ich muss zugeben, dass mich diese Faszination auch gepackt hat, ohne dass ich mir darüber so richtig bewusst war", bestätigt Dörte Gatermann. Der Triangle-Turm hat eine Höhe von exakt 103,20 Metern. Weil die Architektin schon immer den Blick von hohen Gebäuden als etwas Einzigartiges empfunden hat, kämpft sie für die Genehmigung einer öffentlichen Aussichtsplattform. Sie hat sich schließlich durchgesetzt. "Der Triangle-Turm 100 Meter hat noch etwas sehr Erdverbundenes. Sie können die Leute unten sehen. Überhaupt ist der Blick von da oben ganz toll." Neben der Faszination empfindet Dörte Gatermann auch eine gewisse Art von Selbstbestätigung. "Ich habe gezeigt, dass das nicht nur Männer können, sondern dass ich das auch kann," erklärt sie nicht ohne Stolz. 

business-on.de: Frau Gatermann, Sie sagten, dass Sie nie über das Wie oder Wann einer Karriere nachgedacht haben. Sind es Ihre Entwürfe, die Sie so erfolgreich gemacht haben? Oder gehört da noch mehr dazu? 

Dörte Gatermann: Ich glaube, dass ich zusätzlich ein paar Regeln beherzige, die mir helfen. Ich habe beispielsweise einen Standardspruch, den ich auch meinen Studentinnen immer wieder nahegelegt habe. Er lautet: Nicht in die zweite Reihe stellen. Außerdem bin ich auch immer bereit, den Kopf hinzuhalten und für eine Sache auch einzustehen. Man muss sich aber auch im Klaren darüber sein, dass man in der ersten Reihe angreifbar wird oder angefeindet wird. Das können viele Frauen nicht ertragen. Aber damit muss man umgehen können. Dazu gehört schließlich auch, dass ich einem Bauherrn die Sicherheit vermitteln kann, dass er sich bei mir in den besten Händen befindet. 

business-on.de: Wieso gibt es aus Ihrer Sicht so wenige Architektur-Professorinnen?

Dörte Gatermann: Es ist immer noch schwierig, Beruf, Familie und dann noch Hochschultätigkeit als drittes Standbein unter einen Hut zu bringen. Das hat einen ganz einfachen Hintergrund. Frauen bekommen zu wenig Unterstützung von ihren Partnern. Ein anderer Punkt ist der, dass die Regularien beim Berufungsverfahren so aufgebaut sind, dass nur Frauen, die immer gepowert haben, die nie irgendwelche Ausfallzeiten haben, für eine Professur in Betracht kommen. 

business-on.de: Die Vereinbarkeit von Beruf, Karriere und Familie ist offensichtlich nach wie vor ein Thema.

Beruf und Familie funktioniert

Dörte Gatermann: Das stimmt. Ich werde oft von jungen Frauen gefragt, wie ich meinen Beruf mit meinen beiden Kindern in Einklang bringe. Natürlich ist es schwierig und man muss auch viel Energie aufwenden. Aber es funktioniert. 

business-on.de: Neben zahlreichen Projekten, Wettbewerben, Vorträgen, Publikationen und Jurytätigkeiten sind Sie auch noch als Initiatorin der Webseiten Kölner Stadtmodell und Köln-Architektur aktiv tätig. Außerdem sind Sie noch Wirtschaftsbotschafterin der Stadt Köln und Beiratsmitglied im FrauenMediaTurm. Weshalb bürden Sie sich noch so viele Ehrenämter auf?

Dörte Gatermann: Das gehört zu meinem Idealismus, sich für bestimmte Dinge einzusetzen. Das sind Sachen, die finde ich wichtig, beruflich bringt mir das keine Vorteile, aber ich finde es wichtig.

business-on.de: Und wie bekommen Sie das alles zeitlich geregelt?

Dörte Gatermann: Durch gute Organisation, Disziplin und Motivation .

business-on.de: Gibt es bei der Beanspruchung überhaupt noch Zeit für Hobbies?

Dörte Gatermann: Ja und Nein. Ich habe zwei Hobbies. Das ist die Architektur und das sind die Kinder. Für Hobbies im eigentlichen Sinne bleibt einfach keine Zeit übrig.

business-on.de: Welches ist Ihr liebstes Projekt?

Dörte Gatermann: Immer das Nächste.

business-on.de: ...und mit Blick in die Vergangenheit?

Dörte Gatermann: Wenn ich zurückgucke, dann sind das drei grundsätzlich unterschiedliche Projekte. Natürlich das KölnTriangle-Projekt - schließlich verbinden mich 15 Jahre meines Berufslebens mit dem Hochhaus. Dann der Bayenturm mit dem Ausbau des historischen Wehrturms und drittens das erste eigene Haus, das 2000 fertig wurde. Unser Eigenheim war eines der wenigen Projekte, das ich mit meinem Mann zusammen gemacht habe. Etwas Besonderes ist für mich auch das RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten. Das Museum wurde vor kurzem fertiggestellt.

business-on.de: Was verbinden Sie mit einer Powerfrau?

Dörte Gatermann: Durchsetzung, Energie, Standing, tolle Unternehmensposition, hohe Leistungsbereitschaft.

business-on.de: Und was bedeutet Ihnen Macht?

Macht ist okay, um Qualität durchzusetzen

Dörte Gatermann: Macht ist okay, wenn sie genutzt wird, um bestimmte Dinge zu ermöglichen. Beispielsweise, um Qualität in der Architektur durchzusetzen oder gute Ideen umzusetzen. Macht per se finde ich uninteressant.

business-on.de: Was wünschen Sie sich für die nahe Zukunft?

Dörte Gatermann: Alles so weiter machen zu können mit der Architektur und trotzdem Zeit für ein Hobby zu haben. 

(Karin Bäck)


 


 

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1 Kommentar

von MMG
25.01.11 13:44 Uhr
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