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Birgit Felden

Energiebündel mit offensichtlicher Lebenslust

Familienorganisation mit Wochenplan

Birgit Felden: Beide sind in Ganztagseinrichtungen. Der Kleine ist im französischen Kindergarten, die Tochter besucht die Internationale Friedensschule in Widdersdorf. Um fünf sind die Kinder wieder zu Hause. Dann sind entweder wir oder meine Eltern oder das Au Pair-Mädchen da. Es gibt bei uns einen Wochenplan, in dem steht, wer die Kinder morgens wegbringt und wer sie abholt.

Business-on.de: Es gibt immer noch die Meinung, dass Beruf bzw. Karriere und Familie nicht vereinbar seien. Andererseits gibt es eine ganze Reihe erfolgreicher Frauen, die parallel zum Job auch als Mutter ihren "Mann" stehen. Wie schafft man das aus Ihrer persönlichen Erfahrung?

Birgit Felden: Ausschlaggebend ist die Bereitschaft zu organisieren. Sie müssen ständig immer wieder umorganisieren. Aber wenn Sie den Willen dazu haben, klappt das auch. Wichtig ist auch, ein funktionierendes soziales Netz mit Eltern und Freunden zu haben. Und dann auch nicht die Scheu davor zu haben, um Hilfe zu bitten. Wir hatten auch keine Probleme, geeignete Betreuungsplätze für unsere Kinder zu finden. Vielleicht haben wir einfach Glück gehabt. Ich verstehe nicht, wieso das häufig als so schwierig dargestellt wird.

business-on.de: Braucht man dazu einen bestimmten Typ von Ehemann und Familienvater?

Birgit Felden: Ja, man braucht den richtigen Mann dazu. Wenn mein Mann nicht bereit gewesen wäre, einen Teil der Kinderbetreuung zu übernehmen, dann hätten wir jetzt keine Kinder. Wir haben vorher sehr detailliert darüber gesprochen, wie wir leben wollen, wenn Kinder da sind. Und ich habe ganz klar kommuniziert, dass ich auch mit Kindern weiter arbeiten möchte.

business-on.de: Glauben Sie, dass jede Frau diese so genannte Work-Life-Balance für sich realisieren kann?  

Work-Life-Balance wichtig

Birgit Felden: Meine Entscheidung, mich selbständig zu machen, habe ich ganz bewußt getroffen. Ich hatte keine Lust, einem Personalchef zu erklären, dass ich Familie und Karriere unter einen Hut bringen möchte. Diese Ausgewogenheit, d.h. die Work-Life-Balance, bedeutet mir sehr viel. Grundsätzlich denke ich, dass man differenzieren muss zwischen selbständigen und abhängig beschäftigten Frauen. Vermutlich ist es in Großkonzernen schwieriger, diese Work-Life-Balance zu realisieren, als in kleinen und mittleren Unternehmen.

business-on.de: Sie sind noch sehr jung. Wie soll es weitergehen? Wird es neue Akzente geben?

Birgit Felden: Neue Akzente habe ich ja bereits vor zwei Jahren mit der Professur gesetzt. Für mich ist das eine wichtige Bereicherung. Wissen Sie, ich mache gerade die Erfahrung, dass alle Vierzigjährigen im Freundeskreis in einer Phase sind, in der sie ins Nachdenken kommen. Man hat beruflich erste Erfolge. Die Weichen sind gestellt. Schon fast zwangsläufig stellt sich die Frage, ob das das Richtige auf Dauer ist. Oder muss noch etwas hinzukommen? Das war auch für mich der Punkt zu sagen, schön, wenn da noch was dazukäme. Die Balance ist mir wichtig. Das bewußte Reflektieren darüber, was im Leben wichtig ist und welche Prioritäten man setzt, hat auch mein Leben geprägt.

business-on.de: Nicht nur als Beraterin müssen Sie überzeugen können. Fällt Ihnen das leicht?

Birgit Felden: Eigentlich sollten Sie das die anderen fragen. Ich denke schon, dass ich andere Leute begeistern kann. Dass ich strahlen kann, wenn mir etwas gefällt, und dass ich andere damit anstecken kann.

business-on.de: Brauchen Sie Macht bei Ihrer Überzeugungsarbeit?

Birgit Felden: Was ich nicht brauche, ist Macht im Sinne von Taktieren. Macht im Sinne von Wissen oder als Vorreiterrolle finde ich gut. Ich bin nicht jemand, der sagt, ihr müßt jetzt links rum laufen, weil ich es will. Wenn ich aber vermitteln kann, dass links besser ist, dann macht das Spass und dann ist das etwas, was mir gefällt.

business-on.de: Sie sind seit 2004 Wirtschaftsbotschafterin der Stadt Köln. Wie ist es zu dieser Ehre gekommen?

Birgit Felden: Vor ein paar Jahren habe ich ein Leitbild – eine Initiative von OB Fritz Schramma - für die Stadt Köln als eine der Sprecherinnen des Bereichs Wirtschaft und Wissenschaft mitentwickelt. Das war eine ehrenamtliche Tätigkeit. Aus dieser Initiative sind einige zum Wirtschaftsbotschafter ernannt worden.

business-on.de: Was ist eigentlich aus dem Leitbild geworden?

Birgit Felden: Wir versuchen inzwischen auf der Basis dieses Leitbilds konkrete Projekte zu entwickeln. Das gelingt in einigen Bereichen ganz gut, aber insgesamt passiert eigentlich zu wenig. Es gibt viele gute Ansätze, aber es wird zu wenig umgesetzt. Das ist ja vielfach so in politischen Prozessen. Deswegen bin ich auch nicht in die Politik gegangen. Ich muss immer etwas bewegen können. 

(Karin Bäck)


 


 

Birgit Felden
Professor Dr. Birgit Felden
TMS Unternehmensberatung AG

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