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Professor Dr. Christiane M. Bongartz

Mit Lebensfreude und Energie

Professor Dr. Christiane Bongartz ist mit Herz und Seele Sprachwissenschaftlerin, am Englischen Seminar der Uni Köln Lehrbeauftragte und seit einem Jahr Dekanin der Philosophischen Fakultät in Köln. Zehn Jahre USA haben sie und ihren Arbeitsstil geprägt. Sie arbeitet gern und viel. Und feiert auch ganz gern mit ihren Hochschul-Leuten.

Ihre Eltern wollten, dass sie Studienrätin wird. Das fand Christiane Bongartz erst einmal ganz okay und studierte an der Philosophischen Fakutät in Köln Englisch und Französisch für das Lehramt der Sekundarstufe II. Aber schon während des Studiums wird ihr klar, dass Studienrätin nicht ihre Sache ist. Mit dem Staatsexamen in der Tasche nimmt sie zunächst einen Job in einem Pressebüro an mit dem Ziel, Journalistin zu werden. Ein Jahr später, 1994, stellt Bongartz die endgültigen Weichen für die berufliche Laufbahn. Sie entscheidet sich für die Forschung und geht in die USA, um in Sprachwissenschaften mit Schwerpunkt Zweitsprachenerwerb zu promovieren. 1998 macht sie ihren Doctor of Philosophy, kurz PhD, an der University of Wisconsin-Madison. Nach Stationen am Beloit College in Wisconsin und an den Universitäten von Northern Arizona sowie North Carolina kommt sie 2004 als anerkannte Wissenschaftlerin nach Köln zurück und wird 2007 zur Dekanin der Philosophischen Fakultät gewählt.

Die Philosophische Fakultät hat 13.000 Studenten und ist an der Kölner Uni die mit Abstand größte Fakultät und in Europa die bedeutendste, was die Fächervielfalt angeht. Der bekannteste Philosoph ist Albertus Magnus, nach dem die Kölner Uni ursprünglich benannt war. Er lehrte im 13. Jahrhundert am Kölner Konvent. Ein Schüler war u.a. Thomas von Aquin. Neben der Forschung und ihrem Amt als Dekanin hat Bongartz noch einen Lehrauftrag am Englischen Seminar.

business-on.de: Frau Bongartz, warum haben Sie sich für die berufliche Laufbahn die Sprachwissenschaft ausgesucht?

Christiane Bongartz: Die Entscheidung für die Sprachwissenschaft war eine Karriere-Entscheidung. Die beruflichen Möglichkeiten, theoretische Annahmen zum Spracherwerb in der Praxis zu überprüfen und sie dann zur Anwendung zu bringen, sagten mir zu.

business-on.de: Das hört sich so an, als ob Sie von Beginn an eine Hochschulkarriere geplant hätten.

Christiane Bongartz: Nicht ganz. Ich komme, wie man so schön sagt, vom Dorf. Meine Eltern waren beide Postbeamte. Sie wollten, dass ich Studienrätin werde. Das war mit dem damaligen Umfeld auch für mich eine vorstellbare Perspektive. Während des Studiums wurde mir allerdings sehr schnell klar, dass ich mich in einem Lehrerkollegium mit zwei Korrekturfächern nicht wohl fühlen würde. Das war sicherlich voreingenommen, aber die Einstellung machte es mir leicht, Ehrgeiz in Richtung Wissenschaft und Forschung zu entwickeln. Zu dem Zeitpunkt hätte ich allerdings nicht im Traum daran gedacht, Professorin zu werden.

business-on.de: Läßt sich eine Karriere in der Wissenschaft überhaupt planen?

Christiane Bongartz: Ich glaube, dass eine Karriere letztendlich immer nur begrenzt planbar ist. Es geht eher darum, immer wieder den Zeitpunkt herausfinden, zu dem sich eine Optimierung der Möglichkeiten anbietet und dabei den nächsten Schritt so zu wählen, sodass er nicht in eine Sackgasse führt.

business-on.de: Und welche Optionen hatten Sie?

Christiane Bongartz: In meinem Fall war es so, dass die Sprachwissenschaften immer gut mit der Sprachlehre zu verbinden waren. Das heißt, ich konnte immer sagen, wenn ich keinen Lehrstuhl bekomme, kann ich auf jeden Fall weiter Spracherwerbs-Forschung machen und in den Bereichen Zweitspracherwerb, Mehrsprachigkeit und Literazität wissenschaftlich arbeiten.

business-on.de: Was bedeutet Literazität?

Christiane Bongartz: Der Begriff kommt aus dem englischen literacy. Dabei geht es um Lese- und Schreibkompetenz. Nicht in dem Sinne, ob Sie einen Satz lesen können, sondern ob Sie beispielsweise ein Internet-Portal bedienen können oder ob Sie in der Lage sind, sich Informationen, die Sie brauchen, verschaffen zu können. In den USA hat literacy den alten Begriff der Alphabetisierung abgelöst.

business-on.de: Für wen hat die Sprachwissenschaft einen praktischen Nutzen?

Theoretische und angewandte Sprachwissenschaft

Christiane Bongartz: Es gibt einen Teil der Sprachwissenschaft, die braucht niemand und will auch nicht gebraucht werden. Das gibt es auch in anderen Wissenschaften. Denken Sie an die theoretische und angewandte Physik. Die angewandte Sprachwissenschaft reicht vom Fremdsprachenunterricht im Gymnasium bis zum so genannten bilingualen Fachunterricht. In NRW ist das meistens Englisch oder Französisch und wird laut Curriculum in Geschichte, Politik oder Geografie angeboten.

business-on.de: Aber das ist nicht Ihr Spezial-Thema.

Christiane Bongartz: Richtig. Ich bin als Wissenschaftlerin Syntakterin. Das heißt, ich gucke mir an, wie syntaktische Strukturen verlaufen bzw. welche Konsequenzen sich aus den Strukturen der Erstsprache für den Erwerb einer zweiten Sprache ergeben.

business-on.de: Können Sie mir das an einem Ihrer Projekte erläutern?

Alphabetisierung im Sozialraum Köln

Christiane Bongartz: Gern. Das jüngste Projekt, an dem wir beteiligt sind, ist auf die Alphabetisierung im Sozialraum Köln fokussiert. Es ist ein großes Projekt mit zwei Millionen Euro Etat. Die Gelder kommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die einschlägigen Kölner Medien haben nach der Pressekonferenz, in der das Projekt vorgestellt wurde, berichtet, dass es über 47.000 Analphabeten in Köln gibt. Das stimmt so nicht. Es gibt so gut wie keine Menschen in Köln, die kein einziges Wort lesen oder schreiben können. Aber es gibt so etwas wie einen funktionalen Analphabetismus. Das heißt, dass Buchstaben oder Wörter erkannt werden aber nicht deren Bedeutung. Unser Beitrag ist herauszufinden, was Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund aus ihrer Muttersprache übernehmen können.

business-on.de: Welche Probleme können sich durch die Struktur der Muttersprache ergeben?

Christiane Bongartz: Beispiel: Im Chinesischen sagt man eine Flasche und zwei Flasche. Das heißt, es gibt nicht den Plural im Klangbild des Wortes. Wenn dann im deutschen das "n" von dem "e" nicht unterschieden werden kann, heißt das entweder, dass es nicht gehört oder dass es nicht gelernt wurde. Diese Unterschiede versuche ich mit meinem Team herauszuarbeiten, um sie den Dozenten/innen der Volkshochschule Köln vermitteln zu können.

business-on.de: In der Wirtschaftswoche wird jährlich ein viel beachtetes Ranking der deutschen Universitäten und Hochschulen veröffentlicht. Die philosophischen Fakultäten kommen darin nicht vor. Warum nicht?

Christiane Bongartz: Das kann ich nicht beurteilen. Wir stehen im CHE (Center for Higher Education) –Ranking. Darin schneiden wir allerdings wenig rühmlich ab. Man verläßt sich beim CHE auf Aussagen von Studierenden über die Qualität von Lehrveranstaltungen und das ist schwierig bei der Größe der Uni. Wir können nicht die Betreuung wie in Wuppertal oder Siegen bieten, aber trotzdem wollen alle lieber in Köln studieren.

business-on.de: Auch sonst ist die Fakultät in den Medien unterbelichtet. Warum?


 


 

Christiane Bongartz
Professor Dr. Christiane M. Bongartz
Powerfrau
Uni Köln
Lehrbeauftragt

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