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Professor Dr. Christiane M. Bongartz

Mit Lebensfreude und Energie

Geistes- und Kulturwissenschaften haben einen gesellschaftlichen Auftrag

Christiane Bongartz: Wir müssen lernen, nach unserem eigenen Selbstverständnis zu funktionieren. Wir sind keine Mediziner und keine Wirtschaftswissenschaftler sondern Geistes- und Kulturwissenschaftler/innen und haben einen Beitrag zu leisten für diese Gesellschaft. Dieser Beitrag ist meines Erachtens fundamental und er ist nicht sichtbar genug. Meine Vision und meine Mission ist, dass wir mit größerem Selbstbewußtsein deutlich machen, dass es uns gibt.

business-on.de: Was war der Auslöser, nach dem Studium in die USA zu gehen bzw. an die University Wisconsin-Madison?

Christiane Bongartz: Ich hatte mich beim Max-Planck-Institut nach den Möglichkeiten im Bereich Spracherwerbsforschung beworben. Da sie mir dort derzeit keine Stelle anbieten konnten, empfahlen sie mir, in die USA zu gehen. So kam es zu der Idee und ein amerikanischer Hochschulprofessor an der Kölner Uni, bei dem ich noch einen Kurs in Altenglisch belegt hatte, nannte mir einige Kontakte. Wisconsin-Madison bot sich schließlich an, weil ich dort als Instructor arbeiten und parallel promovieren konnte.

business-on.de: Und wie kommt man an so ein Angebot?

Christiane Bongartz: Man bewirbt sich. Man reicht seinen Lebenslauf und die Transcripts of Records (Notenauszug, Scheine, etc.) ein und dann bekommt man, wenn man das Selektionsverfahren erfolgreich übersteht, einen "Assistantship". Für mich war diese Stelle gleichzeitig mit einem "Tuition Waver" verbunden, was heißt, dass ich keine Studiengebühren bezahlen musste.

business-on.de: Wovon haben Sie gelebt?

Christiane Bongartz: Ich erhielt ein Gehalt als Instructor. Das war bescheiden. Aber das entscheidende war, dass ich keine Studiengebühren bezahlen musste. Das hätte damals 10.000 DM pro Semester gekostet und das Geld hätte ich nicht aufbringen können.

business-on.de: Insgesamt waren Sie zehn Jahre in den USA. An welche Zeit haben Sie die besten Erinnerungen?

Christiane Bongartz: Die Uni in Arizona, Flagstaff, liegt direkt am Grand Canyon. Landschaftlich gesehen war diese Zeit am reizvollsten. Für die Forschung und die Wissenschaft war Madison der wichtigere Ort. Das dortige Englisch-Department schneidet in den Rankings auch heute noch immer sehr gut ab. Ich wäre auch gern geblieben, aber man kann sich nicht am gleichen Ort, an dem man promoviert hat, für eine Professur bewerben.

business-on.de: Was war der Grund nach Köln zurückzukommen?

Tenure-track position in North Carolina

Christiane Bongartz: Ich wollte eigentlich in den USA bleiben, weil es viel Spass gemacht hat, Englisch zu erforschen in einem Land, in dem Englisch die Hauptsprache ist. Nach dem 11. September waren die Einwanderungsbedingungen allerdings schlechter geworden. Und in North Carolina hatte ich eine tenure-track position, das heißt eine befristete Stelle mit fester Laufbahnzusage bei Bewährung. Zeitgleich erhielt ich den Ruf als Professorin an die Kölner Universität. Das war ungewöhnlich, weil man normalerweise habilitiert sein muss, aber es hat mich gefreut.

business-on.de: Gibt es für Sie so etwas wie einen geregelten Arbeitstag?

Christiane Bongartz: Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viele Stunden ich arbeite, weil die Beanspruchung sehr unterschiedlich ist. Während des Semesters ist der Terminplan mit Fakultäts- und Senats-Sitzungen sehr eng, so dass weniger Zeit für die Wissenschaft übrig bleibt. Aber durch das vorgegebene Terminraster ist auch diese Zeit gut planbar. Für das Dekanat habe ich eine gut funktionierende Infrastruktur (Infrastruktur Definition) geschaffen. Was ich sehr praktisch finde, ist mein Zweitphone, ähnlich einem Blackberry. Damit kann ich e-Mails abrufen und per Skype im Internet kommunizieren . Ich arbeite im Prinzip jeden Tag, aber das macht mir Spass.

business-on.de: Und am Wochenende?

Christiane Bongartz: Ich lese viel auf dem Gebiet der Sprachwissenschaft. Allein schon aus dem Grund, weil ich häufig zu internationalen Konferenzen fahre. Momentan lerne ich Italienisch, weil ich Daten für diese Sprache erheben will.

business-on.de: Gibt es neben der Sprachwissenschaft eigentlich noch andere Interessen?

Jogging, Konzerte und Hochschulfeten

Christiane Bongartz: Ja, natürlich. Ich jogge beispielsweise viel. Neulich habe ich beim Galeria-Nachtlauf den 16. Platz in meiner Altersklasse gemacht. Das fand ich schon beachtlich, vor allem, weil ich nicht auf schnelles Laufen trainiert bin. Ich gehe viel in Konzerte, gern auch Jazz-Musik.

business-on.de: Wollten Sie nie eine Familie gründen?

Christiane Bongartz: Ich bin überzeugte Verheiratungs-Gegnerin. Eigene Kinder habe ich nie ganz ausgeschlossen, wollte aber auch nie alleinerziehende Mutter werden.

business-on.de: Über was können sie richtig lachen?

Christiane Bongartz: Ich mag sehr gern Kabarett und kann aber auch über ganz banale Witze lachen. Mein Lieblingswitz hat mir mein Vater erzählt. Dabei geht es um einen Mann, der nicht bis drei zählen kann. Als drei Leute zu Besuch kommen, sagt er: Na ihr zwei, habt ihr noch einen mitgebracht? Ich feier auch viel und gern mit meinen Hochschulleuten. Und ich finde rheinische Bräuche sehr schön.

business-on.de: Also nicht nur graue Theorie.

Christiane Bongartz: Ich empfinde die Sprachwissenschaften nicht als graue Theorie. Ein Geheimnis meines Lebens ist, die Dinge immer mit Begeisterung zu tun. Ich konnte mich immer in vielerlei Hinsicht selbst verwirklichen und das betrachte ich als ganz großes Glück.

business-on.de: Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Christiane Bongartz: Mein wichtigstes Ziel ist, dass wir die Philosophische Fakultät neu aufstellen können und dabei ihre Vielfalt wahren und ihre Vitalität unter Beweis stellen können. Und dann möchte ich gern, dass bei unseren Projekten etwas herauskommt, was für Menschen richtig nützlich ist.

(Karin Bäck)


 


 

Christiane Bongartz
Professor Dr. Christiane M. Bongartz
Powerfrau
Uni Köln
Lehrbeauftragt

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