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Altersdiskriminierung

Provokantes Auftreten eines Bewerbers schließt Entschädigung wegen Altersdiskriminierung aus!

I. Offenkundig fehlende Eignung

Der Bewerber war bereits nach seiner Kurzbewerbung offenkundig nicht geeignet. Der Arbeitgeber suchte ausweislich der Stellenanzeige einen angestellten Vertriebsleiter. Dieser hatte insbesondere die Aufgabe, Personalverantwortung für insgesamt 15 Personen zu übernehmen, die dem Vertriebsbereich zugeordnet waren. Eine solche Personalführungskompetenz hatte der Bewerber aber offensichtlich nicht. Vielmehr war er seit Jahren lediglich selbständig als Projektberater tätig.

Schon vor diesem Hintergrund war es bei ca. 80 weiteren Bewerbungen sachgerecht, dem Bewerber bereits im Zeitpunkt des Eingangs seiner Kurzbewerbung von der Aufnahme in den engeren Bewerberkreis auszuschließen.

II. Provokantes Auftreten

Die fehlende Eignung des klagenden Bewerbers ergab sich des Weiteren aus dem provokanten Auftreten bei der Personalleiterin. Dieser Auftritt ist nur als von Selbstüberschätzung geprägt zu qualifizieren. Aus dem Umstand, dass er unangemeldet und ohne vorherige Absprache bei der Personalleiterin erschien und ohne Kenntnis der Qualifikation anderer Bewerber von sich behauptete, er sei der bestgeeignetste und bestqualifizierteste Bewerber, musste der Arbeitgeber den Schluss ziehen, dass der Kläger in eine betriebliche Organisation nicht zu integrieren und sachgerechte Arbeit von ihm nicht zu erwarten war. Die Bewerbung scheiterte spätestens an dieser Provokation.

III. Nachfolgende Altersdiskriminierung irrelevant

Selbst wenn die Personalleiterin tatsächlich geäußert haben sollte, der Kläger sei für die ausgeschriebene Position zu alt gewesen, konnte dadurch eine spätere altersbedingte Benachteiligung nicht mehr verursacht werden. Die Bewerbung war aus den zuvor genannten Gründen bereits offenkundig von vornherein ungeeignet. Diese lagen zeitlich vor der behaupteten Äußerung der Personalleiterin. Diese Äußerung, wenn sie denn tatsächlich getroffen worden wäre, konnte daher nicht mehr ursächlich zu einer altersbedingten Benachteiligung führen.

Fazit:

Wer als Bewerber aus sachlichen Gründen ausscheidet, kann später nicht mehr diskriminiert werden. In dieser erfreulichen Klarstellung ist dem LAG Köln in vollem Umfange zuzustimmen. Der Praxis kann im Übrigen nur empfohlen werden, sich auf persönliche oder telefonische Diskussionen mit Bewerbern nicht einzulassen. Bewusste Provokationen von Bewerbern, die darauf abzielen, Personaler zu unvorsichtigen Äußerungen zu verleiten, können so vermieden werden.

LAG Köln, Beschluss v. 10.02.2010 - 5 Ta 408/09

(Dr. Nicolai Besgen)


 


 

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