Sie sind hier: Startseite Köln-Bonn Aktuell News
Weitere Artikel
PwC Studie

Schäden durch Wirtschaftskriminalität steigen drastisch - Imageverluste wiegen schwer

(ots) - Betrug, Spionage, Korruption und andere Straftaten haben in den vergangenen zwei Jahren über 60 Prozent der deutschen Großunternehmen getroffen. Gleichzeitig sind die direkten finanziellen Schäden durch Wirtschaftskriminalität drastisch gestiegen.

Im Durchschnitt verursachte jedes aufgedeckte Delikt einen Schaden von knapp 4,3 Millionen Euro, während der Vergleichswert im Zeitraum von 2005 bis 2007 bei knapp 1,6 Millionen Euro lag, wie aus der Studie "Wirtschaftskriminalität 2009 - Zur Sicherheitslage in deutschen Großunternehmen " der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervor geht. Die zusätzlichen Aufwendungen für das Schadensmanagement, beispielsweise Anwaltskosten, lagen von 2007 bis 2009 unverändert bei rund 830.000 Euro je Delikt.

"Die direkten Kriminalitätskosten sind aber oft nur die Spitze des Eisbergs. Vor allem bei Korruption, Datendiebstahl oder auch Preisabsprachen wiegt der Schaden für den Ruf des betroffenen Unternehmens mittlerweile schwerer als der messbare finanzielle Verlust ", betont Steffen Salvenmoser, ehemaliger Staatsanwalt und Partner bei PwC.

So hat im Zeitraum von 2007 bis 2009 annähernd jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) einen erheblichen Reputationsverlust in Folge einer aufgedeckten Straftat erlitten. In der Vorläuferstudie von 2007 war dies nur bei 27 Prozent der Befragten der Fall. Als gravierende indirekte Schäden nannten die Unternehmen zudem die Beeinträchtigung der Beziehungen zu Geschäftspartnern (45 Prozent) und Behörden (31 Prozent) sowie einen Rückgang der Arbeitsmoral bei den Beschäftigten (36 Prozent). Gut jedes fünfte börsennotierte Unternehmen verzeichnete einen Rückgang des Aktienkurses als Kriminalitätsfolge - in der Studie von 2007 hatte nur jeder zwölfte Befragte diesen Aspekt genannt.

Wirtschaftskrise als zusätzlicher Treiber

Für die kommenden Jahre erwarten die Unternehmen auch angesichts der Wirtschaftskrise einen weiteren Anstieg der Wirtschaftskriminalität. Gut 40 Prozent der Befragten rechnen in ihrer Branche verstärkt mit Wettbewerbsdelikten wie Industriespionage oder Kartellabsprachen, knapp jedes dritte Unternehmen prognostiziert mehr Straftaten auf Grund von Arbeitsplatzsorgen der Beschäftigten. "Vor diesem Hintergrund überrascht, dass die befragten Unternehmen ihre Investitionen in Präventions- und Kontrollmaßnahmen kaum erhöhen wollen. Jedes fünfte will das Budget in den kommenden zwei Jahren sogar kürzen. Anders als beispielsweise in den Vereinigten Staaten wird das Thema ' Compliance ' offenbar von vielen deutschen Unternehmen noch immer nicht ernst genommen", kritisiert Claudia Nestler, Partnerin bei PwC im Bereich Forensic Services.

Für die Studie wurden im Frühjahr 2009 zunächst 500 deutsche Großunternehmen befragt. Im August folgten 100 Interviews zu den erwarteten Folgen der Wirtschaftskrise. Die Erhebung umfasst alle entdeckten Straftaten der Jahre 2007 und 2008 und ist damit umfassender als die Kriminalstatistik, die nur die zur Anzeige gebrachten Delikte berücksichtigen kann. Um Verzerrungen durch Einzelfälle zu vermeiden, wurden nur Delikte bis zu einer Schadenshöhe von 250 Millionen Euro berücksichtigt.

Wettbewerbsdelikte bringen Höchstschaden

Die meisten Wirtschaftsstraftaten der vergangenen zwei Jahre waren Vermögensdelikte wie beispielsweise Betrug oder Unterschlagung (41 Prozent aller Fälle), gefolgt von Wettbewerbsdelikten (39 Prozent) und Korruption (13 Prozent). Allerdings verursachten Kartellabsprachen, Produktpiraterie, Datendiebstahl und andere Wettbewerbsstraftaten mit gut 5,8 Millionen Euro die weitaus größten Durchschnittsschäden. Vermögensdelikte schlugen mit rund 1,7 Millionen Euro zu Buche, Korruptionsfälle mit durchschnittlich knapp 1,6 Millionen Euro.

In diesen Berechnungen nicht enthalten sind die kaum quantifizierbaren indirekten Schäden. Diese sind vor allem bei Wettbewerbsdelikten hoch. So berichtet jedes vierte Unternehmen, das an einer Kartellabsprache beteiligt war, über große Folgeschäden, beispielsweise durch die Abwanderung von Kunden oder verstärkte Kontrollen der Aufsichtsbehörden. Die indirekten Schäden durch Patentverletzungen sind bei knapp jedem fünften Betroffenen groß, aufgedeckte Korruptionsfälle bringen etwa jedem achten Unternehmen erhebliche verdeckte Verluste.


 


 

Steffen Salvenmoser
PwC
PricewaterhouseCoopers
Großunternehmen
Jahre
Delikt
Millionen Euro
Befragte
Korruption
Straftat
Schaden
Wirtschaftskrise
Wettbewerbsdelikte
Täter
Kartellabsprache
Gut
Führungsa

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Steffen Salvenmoser" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: