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PwC Studie

Schäden durch Wirtschaftskriminalität steigen drastisch - Imageverluste wiegen schwer

Delikte werden meist zufällig entdeckt

Obwohl die befragten Unternehmen ihre Kontroll- und Präventionsmaßnahmen in den vergangenen zwei Jahren verstärkt haben, wurden rund sieben von zehn Straftaten durch Tippgeber oder rein zufällig entdeckt. Häufiger als in früheren Jahren brachten systematische Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft Delikte ans Licht (acht Prozent gegenüber sechs Prozent zwischen 2005 und 2007), während die interne Revision nur noch 13 Prozent der Vergehen (2005 bis 2007: 16 Prozent) aufdeckte.

"Die nach wie vor hohe Zufallsquote weckt auf den ersten Blick Zweifel an der Effizienz von Kontroll- und Präventionsvorkehrungen. Außerdem bieten noch zu wenige Unternehmen einen Hinweisgebersystem oder zumindest einen Ombudsmann an, an die sich Unternehmensangehörige oder auch Externe (Lieferanten, Subunternehmen) vertrauensvoll wenden können", erläutert Professor Kai Bussmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

So haben mittlerweile 44 Prozent der Befragten einen Compliance-Beauftragten. Mit wettbewerbswidrigen Absprachen beispielsweise setzen sich aber nur zwei von drei Kontrolleuren gezielt auseinander, und auch das Thema Korruption gehört für immerhin 15 Prozent der Compliance-Beauftragten nicht zu den Kernaufgaben.

Dass gezielte und konsequente Präventionsmaßnahmen erfolgreich sind, zeigt ein Vergleich deutscher Unternehmen mit in Deutschland ansässigen Tochterunternehmen von US-Konzernen. So gab es zwischen 2007 und 2009 nur bei zwei Prozent der US-Tochterunternehmen Korruptionsdelikte, jedoch bei 14 Prozent der Unternehmen mit deutschem Stammsitz. Zu diesem Befund passt, dass 61 Prozent der US-Töchter ein Hinweisgebersystem für Korruptionsfälle installiert haben, aber nur 31 Prozent der deutschen Firmen.

Top-Manager landen seltener vor Gericht

Die knappe Mehrheit (51 Prozent) der Haupttäter stammt aus den geschädigten Unternehmen selbst. Der "typische" Täter ist männlich (90 Prozent der Fälle) und seit mehr als zehn Jahren in der Firma beschäftigt (45 Prozent). Gut zwei Drittel der Straftaten werden von Führungskräften begangen, knapp 30 Prozent der Delikte von Angestellten im Top-Management.

Die Tatmotive sind aus Sicht der befragten Unternehmen vielfältig. Die Mehrzahl der Überführten wurde offenbar wegen einer Kombination aus finanziellen Anreizen (55 Prozent) und mangelndem Unrechtsbewusstsein (62 Prozent) straffällig. Doch verweisen einige Befragte auch auf unternehmensspezifische Defizite. So führten sie 14 Prozent der Delikte auf eine mangelnde Kommunikation von Unternehmenswerten und ethischen Richtlinien zurück. Bei einem ebenso großen Teil der Delikte war der Druck durch Zielvorgaben nach Einschätzung der Befragten zumindest ein Auslöser für die Straftat.

Bemerkenswert ist, dass sich Täter in den vergangenen Jahren seltener vor Gericht verantworten mussten. Stellten die Unternehmen zwischen 2005 und 2007 noch gegen 61 Prozent der Überführten eine Strafanzeige, sank die Quote zwischen 2007 und 2009 auf 50 Prozent. Dabei werden Täter aus dem Top-Management deutlich seltener angezeigt (33 Prozent) als mittlere Führungskräfte (49 Prozent) oder Beschäftigte ohne Führungsaufgaben (54 Prozent). Für 20 Prozent der überführten Top-Manager hatte ihre Tat sogar überhaupt keine Konsequenzen.

"Zwar lässt sich die relative Milde gegenüber Tätern aus der Führungsetage auch mit besonderen rechtlichen und sachlichen Schwierigkeiten im Einzelfall erklären. Allerdings ist diese Praxis unter dem Gesichtspunkt der Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion des Managements äußerst problematisch", betont Salvenmoser.

(Redaktion)


 


 

Steffen Salvenmoser
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