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Rürup-Rente als lohnende Geldanlage?

(ddp.djn). Wenn es um Sinn und Unsinn der Rürup-Rente geht, sollten zunächst die Zahlen zu Wort kommen. Und die können eine ganze Menge über die Rürup-Rente erzählen. Wer für die Ermittlung der Rendite die garantierten Renten zugrundelegt und ohne Steuervorteil rechnet, der wird enttäuscht sein, denn die Rendite sieht düster aus. Wenn ein heute 40-jähriger 25 Jahre lang 2400 Euro jährlich in eine Rürup-Rentenversicherung einzahlt, bekommt er bei einem leistungsstarken Direktversicherer garantiert knapp 300 Euro Rente monatlich. Das entspricht einer Rendite von weniger als zwei Prozent.

Wer jedoch die mögliche Rente mit Überschussanteilen zugrundelegt (im Beispiel wären das 475 Euro monatlich) und die Steuervorteile bei einem Steuersatz von 35 Prozent mit einbezieht, der kann eine Rendite von mehr als 7,5 Prozent erreichen. Selbst bei einer Rente von «nur» 400 Euro monatlich läge die Rendite noch bei 6,5 Prozent.

Tatsächlich gibt es eine lange Liste von Vorteilen. Vor allem Gutverdiener kommen bei der Rürup-Rente in den Genuss erheblicher Steuervorteile. Zwar sind die Beiträge erst 2020 vollständig absetzbar. Doch auch 2009 zahlt das Finanzamt im besten Fall einen Zuschuss von fast 30 Prozent zum Beitrag. Außerdem werden - nach heutigem Recht - keine Sozialversicherungsbeiträge fällig.

Hinzu kommt, dass die Rürup-Rente vor allem für Selbstständige zumeist die einzige Möglichkeit ist, staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Denn sie haben meist keinen Zugang zur Riester-Rente oder zur betrieblichen Altersversorgung.

Weitere Bonuspunkte: Angespartes Rürup-Vermögen muss bei Bezug von Arbeitslosengeld II nicht angerechnet werden und bleibt demnach unangetastet. Außerdem haben Rürup-Sparer die Möglichkeit, sowohl das Risiko «Berufsunfähigkeit» wie auch die Familie über eine Garantierente abzusichern und trotzdem die Steuervorteile gewährt zu bekommen.

Allerdings gibt es natürlich auch einige Gründe, die gegen eine Rürup-Rente als Geldanlage sprechen. Bei dieser Form der Altersvorsorge können Sparer sich zum Beispiel das angesparte Vermögen nicht auszahlen lassen. Sie müssen also die Rentenvariante wählen, um das angesparte Geld zu bekommen. Außerdem kann der Rürup-Renten Vertrag nicht gekündigt oder verkauft werden. Sparer müssen also bis zum Rentenbeginn warten, um auf das Geld zugreifen zu können und haben nur die Möglichkeit, den Vertrag beitragsfrei zu stellen.
eiteres Minus: Bei der Rürup-Rente ist die Vererbbarkeit sehr stark eingeschränkt. Rürup-Sparer haben lediglich die Möglichkeit, einen Schutz für die Hinterbliebenen in Form einer Garantierente einzubauen.

Auch eine Kapitalgarantie wie bei der Riester-Rente gibt es nicht. Vor allem bei den fondsgebundenen Rürup-Varianten haben Sparer keine Garantie, dass ihr eingezahltes Geld zu Rentenbeginn auch wirklich zur Verfügung steht. Es kann also im schlimmsten Fall passieren, dass sie Verluste schreiben, wenn der Anbieter nicht rechtzeitig umschichtet.

Das größte Manko ist allerdings, dass der Staat sich die gewährten Steuervorteile zurückholt. Die Basis-Rente muss ab Beginn der Rentenzahlung versteuert werden. Derzeit liegt der Steuersatz bei 58 Prozent für Neurentner in 2008 und steigt bis 2040 schrittweise auf 100 Prozent.

Allerdings liegt die Steuerlast im Alter erfahrungsgemäß sehr niedrig. Wenn der Sparer im Beispiel oben gemeinsam mit seinem Ehepartner neben der Rürup-Rente in Höhe von 475 Euro noch 1200 Euro gesetzliche Rente und 750 Euro Zinseinkünfte im Monat hätte, würden nur für die Zinseinkünfte 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig werden. Die Rürup-Rente wäre komplett steuerfrei.

Insgesamt überzeugt die Rürup-Rente sicherlich nicht restlos. Vor allem die fehlende Möglichkeit, sich im Alter Kapital auszahlen zu lassen und daneben das angesparte Kapital im Todesfall auf den Partner übertragen zu können, stören. Allerdings überzeugen die steuerlichen Vorteile der Rürup-Rente und sorgen für eine attraktive Rendite, wenn die Versicherer die versprochenen Überschüsse zumindest teilweise erwirtschaften.

Von ddp.djn-Korrespondent Oliver Mest

(ddp)


 


 

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1 Kommentar

von René Marquardt
05.05.09 12:46 Uhr
Auf die Kostenstruktur achten...

Sicherlich gibt es zum Steuern sparen und für den Aufbau der Altersvorsorge flexiblere und attraktivere Konzepte, wer allerdings eine Rürup-Rente abschliessen möchte, sollte auf jeden Fall genau auf die Kostenstruktur achten und sich diese detailliert aufschlüsseln lassen, denn da gibt es riesige Unterschiede und bei so manchem Produkt wird die Rendite durch zu hohe Kosten aufgefressen, so dass nur noch der vermeintliche Steuervorteil bleibt, allerdings bringt dieser auch nur einen Steuerstundungseffekt, wie ja auch oben verständlich erklärt und die Inflation muss auch noch berücksichtigt werden.

Mit besten Grüßen für einen erfüllten Tag

René Marquardt / www.marquardtconsulting.de

 

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