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Erbschaft und Schenkung

Neues Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht ab 2009

Bewertung von Unternehmensvermögen

Auch für Unternehmensvermögen gilt der Grundsatz, dass diese Vermögen zum gemeinen Wert (Verkehrswert) anzusetzen sind. Dabei sind die Bewertungsregeln für Personenunternehmen und für Anteile an Kapitalgesellschaften grundsätzlich gleich ausgestaltet. 

Kurz gefasst, wird wie folgt bewertet: Zunächst wird untersucht, ob ein Börsenwert existiert. Ist dem nicht so, so werden Verkäufe, die bis zu einem Jahr vor dem Bewertungsstichtag liegen, für die Wertfindung herangezogen. Existieren solche Verkäufe nicht, so ist der Wert des Unternehmens „unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten … oder einer anderen anerkannten, auch im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für nicht steuerliche Zwecke übliche Methode zu ermitteln“; dies impliziert zumeist, dass ein entsprechendes Unternehmensbewertungsgutachten in Auftrag zu geben ist. Als Mindestwert ist stets der Substanzwert anzusetzen. 

Allerdings wird dem Steuerpflichtigen ein Wahlrecht eröffnet, anstelle eines Unternehmensbewertungsgutachten auf ein vereinfachtes Ertragswertverfahren der Finanzverwaltung zurückzugreifen, bei dem der Unternehmenswert über Formblätter ermittelt werden kann. Allerdings, so der Gesetzgeber, ist dieses vereinfachte Ertragswertverfahren nur dann statthaft, wenn es „nicht zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen“ führt. Nach Meinung vieler Fachleute bedeutet dies, dass zum Abgleich dennoch ein häufig teures Unternehmensbewertungsgutachten erstellt werden muss.

Der Gesetzgeber hat nunmehr für bestimmte Unternehmensvermögen großzügige Befreiungsmöglichkeiten geschaffen. Grundvoraussetzung ist, dass es sich um Personenunternehmen oder um Beteiligungen an Kapitalgesellschaften >25% handelt und das Vermögen der Unternehmen weitgehend „betriebsnotwendig“ und kein „Verwaltungsvermögen“ ist. Verhindert werden sollte mit dieser Regelung, dass Unternehmen Werte zugeführt werden, die gar nicht im Unternehmen genutzt werden, nur um diese Werte über die Unternehmensvermögenssteuerbefreiung steuerfrei übertragen zu können.

Beträgt das „eigentliche“ Unternehmensvermögen 50% oder mehr, so können 85% des Unternehmenswertes völlig von der Erbschaft- und Schenkungsteuer freigestellt werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: Zum einen muss die Summe der Lohnsummen über sieben Jahre mindestens 650% der Ausgangslohnsumme (Durchschnitt der Lohnsummen der letzten fünf Jahre vor Vermögensübergang) betragen. Zum anderen muss der Betrieb sieben Jahre fortgeführt werden. Wird das Lohnsummenkriterium nicht erreicht, so entfällt die Steuerbefreiung anteilig, und zwar insofern, als die Bedingung nicht erfüllt wurde. Bei der siebenjährigen Behaltefrist gilt das Gleiche: Wird sie nicht erfüllt, so entfällt die Steuerbegünstigung von 85% zeitanteilig.

Übersteigt das Verwaltungsvermögen eine Grenze von 10% nicht, so ist eine völlige Steuerbefreiung von Unternehmensvermögen möglich: Dabei wird die Lohnsummenbedingung auf 10 Jahre und 1000% und die Behaltefrist auf 10 Jahre ausgedehnt.

Nießbrauch

Interessant, gerade im Zusammenhang mit Vermögensübergabeplanungen, ist das Instrument des Nießbrauchs. Der Schenker kann sich an der geschenkten Sache in vielen Fällen ein Nießbrauchsrecht (Nutzungsrecht, Fruchtziehung) vorbehalten. Bislang wurde das Nießbrauchsrecht nicht als Last betrachtet und führte nur zu einer Steuerstundung. Mit dem neuen Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht wird jedoch die Möglichkeit eingeführt, die Nießbrauchslast zu kapitalisieren und wie eine Schuld von dem übertragenden Vermögen abzusetzen, was zu erheblichen Steuerreduzierungen führen kann.

Fazit

Auch oder gerade die neuen steuerlichen Regelungen eröffnen eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, die es zu nutzen gilt. Es lohnt sich, Vermögensübertragungen frühzeitig zu planen und sowohl rechtlichen als auch steuerlichen Rat einzuholen. Letzterer kann finanzielle Belastungen aus Vermögensübertragungen in vielen Fällen erheblich reduzieren. 

Mit freundlicher Unterstützung der Wirtschaftsförderung Rhein-Erft GmbH

(Redaktion)


 


 

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