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Schwere Beleidigung des Arbeitgebers im privaten Gespräch: Fristlose Kündigung?

Die Entscheidung:

I. Beleidigung als wichtiger Grund

Eine schwere Beleidigung des Arbeitgebers durch den Arbeitnehmer ist stets in sich geeignet (erste Prüfungsstufe) als wichtiger Grund im Sinne von § 626 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) eine außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses zu begründen. Als derart schwere Beleidigung kann die Bezeichnung des Arbeitgebers als „Arschloch“, noch dazu in der erweiterten Form „größtes Arschloch der Welt“ durchaus in Betracht kommen.

II. Umstände des Gesprächs maßgeblich

Die fristlose Kündigung ist aber nicht stets wirksam. Vielmehr müssen die besonderen Umstände des jeweiligen Falles konkret Berücksichtigung finden. Es entspricht insoweit ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, dass diffamierende und ehrverletzende Äußerungen über Vorgesetzte und Kollegen in vertraulichen Gesprächen unter Arbeitskollegen unter bestimmten Umständen eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses nicht rechtfertigen können 2). Der Arbeitnehmer darf in solchen Fällen nämlich regelmäßig darauf vertrauen, seine Äußerungen würden nicht nach außen getragen und der Betriebsfrieden nicht gestört bzw. das Vertrauensverhältnis der Arbeitsvertragsparteien nicht zerstört.

Ein Arbeitnehmer ist nicht gehalten, von seinem Arbeitgeber und seinen Kollegen nur positiv zu denken und sich in seiner Privatsphäre ausschließlich positiv über sie zu äußern. Dies gilt, solange der Betroffene diese Vertraulichkeit nicht selbst aufhebt. Hebt der Gesprächspartner gegen den Willen des sich negativ über seinen Arbeitgeber äußernden Arbeitnehmers die Vertraulichkeit auf, geht dies arbeitsrechtlich nicht zu Lasten des Arbeitnehmers.

Aber: Der Arbeitnehmer darf allerdings nicht ohne weiteres jedes private Gespräch als in diesem Sinne vertraulich ansehen. Insbesondere bei einem Gespräch im Kreise von Kollegen kommt es entscheidend darauf an, ob der Arbeitnehmer sicher davon ausgehen durfte, dass seine Kollegen die Äußerungen für sich behalten würden.


 


 

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