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Senior-Chef als Doppelverdiener

Pensionsleistungen plus volles Geschäftsführergehalt gleich vGA?

Vor allem bei mittelständischen Familien-GmbHs ist es keine Seltenheit, dass der Senior-Chef und Gesellschafter-Geschäftsführer trotz erreichter beruflicher Altersgrenze noch eine gewisse Zeit weiter im aktiven Dienst bleibt. Dafür gibt es in Regel ganz handfeste Motive, so etwa, dass (noch) kein geeigneter Nachfolger im Geschäftsführeramt vorhanden ist oder ein potenzieller Nachfolger durch den Senior-Chef längerfristiger eingearbeitet werden muss.

Steuerlich kann sein Weiterarbeiten gegen Entgelt zum Problem werden, wie das rechtskräftige Urteil des FG München vom 19.7.2010 veranschaulicht. So entschied das Finanzgericht: Setzt ein Gesellschafter-Geschäftsführer trotz des Erreichens des Ruhestandsalters seine aktive Tätigkeit fort und bezieht er – neben laufenden und/oder einmaligen Pensionsleistungen – ein Gehalt , führt dies bei den Pensionsleistungen dann zu verdeckten Gewinnausschüttungen (vGA), wenn die Geschäftsführervergütung nicht auf die Pensionsleistungen angerechnet wird.

Im Streitfall wurde einem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer eine im Laufe der Zeit mehrfach geänderte und aufgebesserte Pensionszusage erteilt. Die erste Vertrag sanpassung sah ausdrücklich vor, dass Pensionsansprüche – Altersrente mit dem Wahlrecht auf Kapitalabfindung – erst beim Ausscheiden aus dem aktiven Dienst mit dem 68. Lebensjahr fällig werden. Im Rahmen einer zweiten Änderung wurde unter anderem das Pensionsalter auf das 70. Lebensjahr hinausgeschoben.

Mit erreichtem 70. Lebensjahr legte der Senior-Chef allerdings das Geschäftsführeramt nicht nieder, sondern stand gegen Entgelt – bei gleichzeitigem Bezug von Pensionsleistungen, einer Altersrente und einer Teilabfindung – weiter in den Diensten der GmbH. Zu diesem Zeitpunkt wurde in der Gesellschafterversammlung der „klarstellende“ Beschluss gefasst, dass der dienstrechtliche Anspruch auf Pensionsleistungen nur vom Erreichen des 70. Lebensjahres und nicht auch noch vom Ausscheiden aus dem aktiven Dienst abhängt.

Das FG München entschied, dass die gezahlten Pensionsleistungen (laufende Altersrente und Teil- Abfindung ) durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst und damit als verdeckte Gewinnausschüttungen einzustufen sind. Die Argumentation der Finanzrichter: Ein gewissenhafter Geschäftsleiter – das Leitbild nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung – hätte in dieser Situation von einem Fremdgeschäftsführer verlangt, dass die fortgezahlten Geschäftsführerbezüge auf die Versorgungsleistungen angerechnet werden. Die Altersbezüge sind zwar Teil des Entgelts für bereits geleistete Arbeit. Doch sollen sie in erster Linie zur Deckung des Versorgungsbedarfs beitragen und damit regelmäßig erst beim Wegfall der Bezüge aus aktiver Geschäftsführertätigkeit einsetzen. Hier waren die Geschäftsführerbezüge weder auf die an den Senior-Chef ausgezahlte Kapitalabfindung noch auf die laufenden Pensionszahlungen angerechnet worden. Weil das laufende Gehalt über den laufenden Pensionszahlungen lag, sind – so das Ergebnis des Finanzgerichts – die Aufwendungen der GmbH in voller Höhe als vGA zu behandeln.

(!) Ob der Gesellschafter-Geschäftsführer wie in dem vom BFH mit Urteil vom 5.3.2008 entschiedenen Fall hinsichtlich seiner Pension eine volle Kapitalabfindung erhält oder wie hier laufende Pensionsleistungen neben einer Abfindung für einen Teilbetrag, ändert nach Ansicht der Finanzrichter bei unterbliebener Anrechnung nichts an der grundsätzlichen Beurteilung als vGA.

(Tipp) Wenn Sie als Gesellschafter keine vGA-Gefahren eingehen wollen, scheiden Sie zu dem vertraglich vorgesehenen Zeitpunkt aus dem aktiven Dienst aus. Auch als Beirat der GmbH oder deren Berater in Geschäftsführungsangelegenheiten können Sie dem Unternehmen weiter von besonderem Nutzen sein, ohne steuerliche Komplikationen heraufzubeschwören. Vorausgesetzt: Der Vertrag hält einem Fremdvergleich statt, ist also wie unter Fremden geschlossen und die vereinbarten Vergütungen belasten die GmbH nicht über Gebühr. Anderenfalls drohen auch hier vGA.

FG München, rechtskräftiges Urteil vom 19.7.2010, Az. 7 K 2384/07; BFH, Urteil vom 5.3.2008, Az. I R 12/07

(VSRW-Verlag)


 


 

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