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Solitär für Deutz

Mit einem architektonischen Solitär soll der seit vielen Jahren vernachlässigte Deutzer Rheinhafen geschmückt werden. Als Gegenstück zum Schokoladenmuseum wird der Bau eines Kammermusiksaals auf der Spitze der Rheinhalbinsel diskutiert. Auf der südlichen Restfläche sollen dann mächtige runde Wohn-Cluster entstehen.

Während weite Bereiche der Kölner City nur noch eine Ansammlung von Baustellen und Reparaturmaßnahmen zu sein scheinen, spielt die Musik immer mehr auf der Schäl Sick. Nach dem Neubau der östlichen Messehallen, der Renovierung der historischen Ausstellungsgebäude für RTL und der Gestaltung des Bereichs um den Bahnhof wird als neuestes Projekt ein Kammermusiksaal diskutiert. Der soll wie eine kostbare Perle die Spitze der Halbinsel am Deutzer Hafen krönen. Diese Pläne entwickelte der weit über Köln hinaus bekannte Architekt Paul Böhm gemeinsam mit Studenten der Fakultät für Architektur, Prof. Gundolf Bruchhaus, an der TH Aachen.

Für kulturelle Einrichtungen und zum Wohnen sind alte Stadt-Häfen weltweit gefragt. Sidney mit seinem spektakulären Opernbau, London mit seinen Docklands, Kapstadt mit der Waterfront oder San Francisco mit der berühmten Fishermens Wharf sind ebenso gute Beispiele wie der Düsseldorfer Medienhafen oder die Hamburger Speicherstadt.

Im Düxer Böötchen in die Oper

Die Studenten im Fach „Stadtbereichplanung“ an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen arbeiteten zunächst an der Idee, Deutz mit einem neuen Opernhaus zu schmücken, da die alte Ripphahn-Oper an der Nord-Süd-Fahrt ziemlich baufällig erscheint. Zweifellos wäre eine Oper a la Sydney an dieser Stelle ein architektonisches Highlight der Mega-Klasse. Doch die Stadtväter wollen die Kirche im Dorf und das Opernhaus in der City lassen.

Also jetzt der Kammermusiksaal, dessen Idee auch schon seit Jahren durch die Stadt vagabundiert – mal neben der Philharmonie, dann im „Loch“ am Neumarkt oder wo auch immer. Für die Deutzer Vision spricht vieles.

Logenplatz auf Kölns Schoko-Seite

Heute ist der rechtsrheinische Stadthafen ein Schrottplatz mit vielen slumartigen, ungepflegten Gebäuden, Beispiel einer niedergehenden Hafenlandschaft. Und das obwohl die Deutzer Rheinseite eigentlich als Wohnort sehr begehrt sein müsste. Denn von dort aus hat man den Blick auf die Kölner Schokoladenseite mit Dom, Groß St. Martin, das ganze einmalige Stadtpanorama. „Im Linksrheinischen verstecken sich die architektonischen Unikate mit Renzo Pianos ‚Weltstadtkaufhaus’ von Peek & Cloppenburg oder Sir Norman Fosters Hochbau für Gerling am Ring“, betonte Andreas Grosz, Leiter des KAP-Forums für Architektur, Technologie und Design im Rheinauhafen. Hier fand im Rahmen der Aktion „plan 06“ eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Studienobjekt Deutzer Hafen statt.

Böhm und seine Studenten legten insgesamt 50 Entwürfe vor. Besonders reizvoll die Ideen, mit „Düxer Böötche“ zur Kultur ins Rechtsrheinische zu fahren. Opernbesucher in großes Garderobe tuckern über den Rhein, besteigen dann einen elegant eingerichteten Container, den ein Hafenkran hochhievt auf die Ebene des neuen Opernhauses. Toll gedacht, sehr phantasievoll – aber im Rathaus abgewürgt. Auch für Vorschläge, neue Fußgängerbrücken aus dem Rheinauhafen nach Deutz zu schlagen, bestehen im Moment wenig Realisierungschancen.

City auf dem Präsentierteller

Konkreter sind die Planungen, die eine solide geschlossene Bebauung der Siegburger Straße entlang dem Hafen vorsehen. Auch am südlichen Ende des Beckens ist Bebauung vorgesehen. Die Halbinsel hingegen bleibt weitgehend grün. Drei bis vier „expressionistisch-visionär anmutende“ runde Wohninseln (Böhm nennt sie Cluster) durchaus beachtlicher Höhe markieren die Insel, die von einem Solitär gekrönt wird: dem Kammermusiksaal als rechtsrheinisches Pendant zum Schokoladenmuseum. Die modernen Wohnungen am Hafenbecken und in den Clustern werden mit Sicherheit bald zu den begehrtesten der Innenstadt gehören – ja, der Innenstadt, denn verwaltungstechnisch und auch postal gehört Deutz zum Citybereich. Die liegt für die Neu-Deutzer dann wie auf dem Präsentierteller jenseits des Stroms.

Frühestens in 15 Jahren können diese Pläne realisiert werden, auch den südlichen Teil von Deutz aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken. Aber wer beobachtet hat und sich erinnert, wie lange Planung und Fertigstellung großer Baumaßnahmen im linksrheinischen Köln dauern ( s. MediaPark und Rheinauhafen), der muss den frühzeitigen Beginn der ernsthaften Diskussion begrüßen. „Wir werden hier im KAP-Forum das Thema Stadtentwicklung Deutz weiter intensiv bearbeiten“, prognostiziert Andreas Grosz.

Skizzen: RWTH Aachen

(Ulrich Gross)


 


 

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