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Aus dem Leben eines Spargel-Erntehelfers

(ddp-nrw). Ein, zwei Schritte nach vorne, kurz gebückt und dann ein schneller und gezielter Stich in die Erde. Tausende Male hat Salek Zenon diese Bewegung in den vergangenen Wochen vollzogen - Tausende Male wird er Spargelstangen bis zum 24. Juni, dem offiziellen Ende der Saison, noch stechen. Dabei wird sich Salek Zenon den einen oder anderen Sonnenbrand holen und abends mit Rückenschmerzen ins Bett gehen.

Er ist Spargel-Erntehelfer aus Polen, einer von gut 23 900 ausländischen Arbeitskräften, die laut Regionaldirektion NRW die Bauern in NRW in diesem Jahr angefordert haben. Sein Arbeitsplatz liegt zehn Autominuten entfernt vom Spargelhof Gut Kuhlendahl in Velbert, auf einem riesigen Spargelfeld an einer Schnellstraße.


Salek Zenon ist hier ein Mann der ersten Stunde. Seit acht Jahren, seit Peter Wiemer, Betreiber des Spargelhofes, vom Haferanbau auf Spargel umgeschwenkt ist, arbeitet der 51-Jährige jedes Jahr von Mitte April bis Mitte Juni auf den Feldern rund um Velbert. Zuhause in Polen - Salek Zenon wohnt in einem kleinen Dorf in Pommern - warten seine Frau und seine drei Kinder auf ihn. Trotz der harten Arbeit ist er froh, diesen Job bekommen zu haben. Denn für das Spargelstechen wird er deutlich besser entlohnt, als für seinen Job als Lkw-Fahrer, den er daheim in Polen hat.

Auch der älteste Sohn von Salek Zenon will im Saisongeschäft arbeiten. «Noch geht er zur Schule, aber wenn er fertig ist, kommt er vielleicht auch jedes Jahr hierhin», sagt der Familienvater.

Mittlerweile beschäftigt Peter Wiemer 25 polnische Saisonarbeiter auf seinen Feldern. Dass sie ausschließlich aus Polen kommen, hat sich in den vergangenen Jahren durch jede Menge Mundpropaganda irgendwie so ergeben. Und so hat der 32 Jahre alte Landwirt sich auch völlig auf seine ausländischen Helfer eingestellt. Die Beschriftungen auf den Maschinen sind auf Polnisch, und auch Wiemer hat inzwischen ein paar Brocken Polnisch aufgeschnappt. Anders würde die Kommunikation zwischen ihm und den Erntehelfern auf Dauer auch kaum funktionieren.

Etwa 60 Tonnen Spargel will Wiemer dieses Jahr mit seinen Helfern auf den 13 Hektar Anbauflächen ernten. Zum Vergleich: Die rund 480 Spargelbaubetriebe in Nordrhein-Westfalen erwirtschaften auf insgesamt 4000 Hektar etwa 16 000 Tonnen Spargel. Damit ist NRW neben Niedersachsen der zweitgrößte Spargellieferant in der Bundesrepublik, erklärt Ralf Große Dankbar, Spargelanbauberater der Landwirtschaftskammer NRW. «Gerade für die Landwirtschaft in NRW spielt der Spargelanbau eine erhebliche Rolle», sagt der Fachmann.

Salek Zenon geht konzentriert und mit stoischer Gelassenheit auf dem Feld seiner Arbeit nach. Den Spargel vor dem Stechen noch freizubuddeln, hat er schon lange nicht mehr nötig. «Blind» sticht er mit dem Messer in den Erdwall und holt den geschnittenen Spargel mit einem kurzen Ruck ans Tageslicht. «Nur bei krummen Stangen klappt das leider nicht», sagt der Pole und lacht. Auch Peter Wiemer bewundert ihn für seine Fingerfertigkeit. «Die Jungs hier haben das unheimlich schnell rausgehabt. Ganz ehrlich - ich könnte das nicht.»

Jeden Tag, außer bei strömendem Regen, arbeitet Salek Zenon mit seinen Kollegen von 6.30 Uhr bis 19.00 Uhr auf den Spargelfeldern, manchmal auch länger. Anschließend fahren sie mit einem alten blauen Kleinbus zurück auf den Hof, wo Peter Wiemer ihnen seit 2002 extra Zimmer eingerichtet hat. Und auch wenn er den ganzen Tag kaum etwas anderes zu Gesicht bekommt - das Abendessen besteht bei Salek Zenon vor allem aus einer Hauptzutat: Spargel.

Auch der Verdienst lohnt sich auch Sicht des Polen. Zwar verdient er netto nur 5,70 Euro in der Stunde. Nach zwei Monaten Arbeit in Deutschland komme er so aber auf «ein polnisches Jahresgehalt».

ddp/hnw/kos

(ddp)


 


 

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