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Steuerreform 2008

Steuerliche Förderung der Eigenkapitalbildung bei Personengesellschaften

Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf für die Unternehmensteuerreform am 14. März 2007 beschlossen. Die Reform, in deren Fokus die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland bei längerfristiger Sicherung des Steueraufkommens steht, soll am 1. Januar 2008 in Kraft treten.

Rund ein Fünftel der Unternehmen in Deutschland sind Kapitalgesellschaften - also Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Derzeit beträgt die Steuerbelastung auf Ebene der Kapitalgesellschaft rd. 39 %. Diese Belastung soll durch die Reform auf unter 30 % sinken, was der Gesetzgeber durch eine Absenkung der Körperschaftsteuer von 25 % auf 15 % erreicht.

Begünstigung thesaurierter Gewinne

Auch für Personengesellschaften und gewerblich tätige Einzelunternehmen sieht der Gesetzentwurf eine erhebliche Steuerentlastung vor. Nicht entnommene Gewinne können zukünftig ganz oder teilweise mit einem ermäßigten Steuersatz von 28,25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf den Steuerbetrag, somit rd. 29,8 % besteuert werden (sog. Thesaurierungsbegünstigung).

Durch den begünstigten Steuersatz werden Gewinne, die zur Kapitalstärkung im Unternehmen verbleiben, wahlweise (auf Antrag) in vergleichbarer Weise wie bei Kapitalgesellschaften besteuert. Im Ergebnis wird es Personengesellschaften nunmehr ermöglicht, erwirtschaftete Gewinne bei einer Gesamtsteuerbelastung von unter 30 % im Unternehmen zu reinvestieren. Die Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften - unter vollständiger Inanspruchnahme der Thesaurierungsbegünstigung - ist nach der Unternehmensteuerreform damit nahezu deckungsgleich.

Die Wahl der Thesaurierungsbesteuerung ist vorrangig für ertragsstarke Personengesellschaften mit hohem Thesaurierungspotenzial geeignet. Die Vorteilhaftigkeit der Thesaurierungsbesteuerung ist gewährleistet, wenn die Gesellschafter die erzielten Unternehmensgewinne nicht zur Finanzierung privater Ausgaben benötigen und somit in der Lage sind, ihrem Unternehmen die Gewinne langfristig zur Selbstfinanzierung zur Verfügung zu stellen.

Eine Besonderheit der Thesaurierungsbegünstigung liegt in der Pflicht zur sog. „Nachversteuerung“. Entnimmt der Unternehmer später die begünstigten Gewinne, so muss er diese mit einem Steuersatz von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag (insgesamt 26,83 %) nachversteuern. Die Steuerbelastung bei der Nachversteuerung entspricht der zukünftigen „Abgeltungsteuer“ im Rahmen von Dividendenausschüttungen aus Kapitalgesellschaften.

Eine Nachversteuerung hat erst zu erfolgen, wenn der Saldo aus Entnahmen und Einlagen des laufenden Wirtschaftsjahres den in diesem Wirtschaftsjahr erzielten Gewinn übersteigt. Unter Berücksichtigung der Nachversteuerung erhöht sich die Gesamtsteuerbelastung der Personengesellschaft von 29,77 % auf 48,29 %, somit das Niveau der Belastung einer Kapitalgesellschaft im Rahmen einer Vollausschüttung.

GmbH & Co. KG als Rechtsform für den Mittelstand

Die Personengesellschaft in Form einer „GmbH & Co. KG“ ist insbesondere bei mittelständischen Unternehmen sehr beliebt. Der Wechsel (in 2001) vom körperschaftsteuerlichen Anrechnungsverfahren zum Halbeinkünfteverfahren mit einem Körperschaftsteuersatz von 25 % hat daran ebenso wenig geändert wie die Verpflichtung der GmbH & Co. KG (ohne natürliche Person als persönlich haftendem Gesellschafter) zur Rechnungslegung, Prüfung und Publizität nach den für Kapitalgesellschaften geltenden Regelungen.

Durch die geplante Steuerreform gleicht sich die Steuerbelastung zwischen den Kapitalgesellschaften einerseits und den Personengesellschaften andererseits an. Es besteht unter Berücksichtigung des vorliegenden Gesetzentwurfes keine Notwendigkeit, die Rechtsform der Personengesellschaft zugunsten einer Kapitalgesellschaft umzuwandeln. Es werden im Gegenteil weitere Anreize geschaffen, die Rechtsform der GmbH & Co. KG zu wählen, weil sie steuerlich der Kapitalgesellschaft mindestens ebenbürtig ist, aber in der Praxis gesellschaftsrechtlich geringere formale Anforderungen stellt. Zudem besteht bei einer GmbH & Co. KG im Rechtsverhältnis zu den Gesellschaftern nicht die Gefahr der Verwirklichung von „verdeckten Gewinnausschüttungen“ und „verdeckten Einlagen“, die bei GmbH´s oder AG´s zu erheblichen ungeplanten Steuernachzahlungen führen können.

Autor:
Dipl.-Kfm. Stephan Michels Wirtschaftsprüfer / Steuerberater

Dipl.-Betriebsw.Rolf Groß Buchprüfer / Steuerberater _______________________ Michels Simon Rottländer GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Stolberger Straße 200 50933 Köln Tel.: +49 221 500 89-0 Fax: +49 221 500 89-50

www.msrg.de

(Stephan Michels + Rolf Groß)


 


 

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Michels Simon Rottländer GmbH
Stephan Michels

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