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  • 22.10.2014, 14:43 Uhr
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Steuern

Steuerhinterziehung und der Weg zurück in die Steuerehrlichkeit

Bei der Steuererklärung wird getrickst, so gut es geht, das ist nicht erst seit kurzem bekannt. Tatsache ist, dass selbst vermeintliche Bagatellen ein hohes Risiko bergen, nicht nur prominente Großkaliber wie Uli Hoeneß, der dieses Jahr stolze 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzog, sind also im Fokus der Finanzämter.

Tatsächlich zeigt ein Blick in die Ämter, dass diese bei ihren Überprüfungen vor allem die kleinen Leute ins Visier nehmen. Ab einer gewissen Größenordnung hilft in einem solchen Fall nur noch die Selbstanzeige, um den gröbsten Strafen zu entgehen – und tatsächlich haben sich in diesem Jahr bereits 31.921 Steuersünder selbst angezeigt, so das Resümee der Finanzämter laut dw.de. Damit steht fest, dass es niemals so viele Steuersünder wie heute gab und der Rekord von 2013 bereits zum jetzigen Zeitpunkt überschritten ist. Und der Grund für diesen plötzlichen Anstieg ist klar: Denn die Regelungen und Richtlinien bezüglich der Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung sollen ab Januar 2015 nochmals deutlich radikaler werden.

Warum hinterziehen so viele Menschen Steuern?

Dass viele im Grunde eigentlich vernünftige und anständige Menschen in ihrer Steuererklärung an einigen Stellen schummeln, liegt mitunter vor allem daran, dass niemand gern abgibt, was er bekommen hat. Aus diesem Grund werden selbst lächerlich kleine Beträge nach Möglichkeit so gut wie möglich einbehalten, denn hierbei geht es weniger um den tatsächlichen Wert, sondern vielmehr um den Erfolg des Spiels, in diesem Fall also das Austricksen des Staats. Wie auch bei Glücksspielen oder gar Drogen ruft ein solcher Erfolg die Dopaminausschüttung hervor und diese wiederum sorgt für einen gewissen Suchtfaktor. Eine offizielle Diagnose ist „Geldsucht“ aber dennoch nicht. Letztendlich muss diesbezüglich aber vor allem an den Verstand der Leute appelliert werden.

Wie können Steuern überhaupt hinterzogen werden?

Wer Steuern hinterzieht, der macht entweder gar keine Angaben über steuerlich erhebliche Tatsachen oder verfälscht diese. Diese fehlerhaften Angaben sorgen dafür, dass die Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt werden. Unterschiedliche Arten der Steuerhinterziehung kommen dabei zum Einsatz, beispielsweise die Einkommenssteuer-, die Umsatzsteuer - oder die Erwerbschaftssteuerhinterziehung. Einige bekannte Beispiele, wie Steuern hinterzogen werden, sind folgende:

Unrichtige Gewinnermittlung Hierbei kann es sich beispielsweise um vorgetäuschte Betriebsausgaben handeln. Beispiel: Ein Unternehmer lädt seine Freunde großzügig zum Essen ein, die Quittung reicht er jedoch in Form von Bewirtungskosten an die Buchhaltung weiter. Demnach entstehen also Betriebsausgaben, die nicht rechtens sind.
ScheingeschäfteBei einem Scheingeschäft handelt es sich um die Simulation eines Geschäftes, denn zwar wird eine Willenserklärung abgegeben, beide Parteien wollen in Wirklichkeit jedoch keine verbindliche Erklärung.
Unterlassen Eine Steuerhinterziehung kann außerdem begangen werden, indem der Steuerpflichtige die Finanzbehörden bewusst im Unklaren lässt. Das kann der Fall sein, wenn keine Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben wird.

Letztendlich ist für viele Menschen oftmals nur noch die sogenannte strafbefreite Selbstanzeige eine Option. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn bei Fehlern kann dieses Unterfangen schnell nach hinten losgehen. Denn zwar kann die strafbefreiende Selbstanzeige durchaus einen Rückweg in die Steuerehrlichkeit bedeuten, bei Fehlern folgen allerdings nicht selten drastische Strafen. Im Idealfall sollten Betroffene daher von Anfang an einen Rechtsanwalt miteinbeziehen, der sowohl für Vollständigkeit als auch Fehlerfreiheit sorgt. Zwar können Steuersünder dies auch auf eigene Faust oder mittels vorgefertigter Musterformulare versuchen, von dieser Möglichkeit ist jedoch dringend abzuraten – denn die Fallstricke in diesem äußerst komplexen Thema sind einfach zu zahlreich. Generell sollten Steuersünder sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Gefahr der Entdeckung stetig zeigt, besonders bekannt sind beispielsweise zahlreiche Ermittlungen gegen deutsche Bankkunden mit Schweizer Konten. Hier hat sich in den vergangenen Jahren ein gewisses Muster entwickelt, das den Steuerfahndern bekannt ist, zudem erhalten selbige brisante Kundendaten von ihren Informanten.

Die Selbstanzeige – Fehler vermeiden

Zunächst sollten Betroffene wissen, dass eine strafbefreiende Selbstanzeige nur dann möglich ist, wenn die zuständigen Behörden noch keine Ermittlungen aufgenommen haben. Bittet das Finanzamt um eine Stellungnahme, so ist unverzüglich ein rechtskundiger Rat einzuholen, denn in diesem Fall ist die Selbstanzeige eventuell noch möglich. Soll ein Fehler in der Steuererklärung noch nachträglich korrigiert werden, so kann der Fehlbetrag zunächst noch geschätzt werden. Hierbei gilt es allerdings, diese Schätzung auf keinen Fall zu niedrig ausfallen zu lassen. Stattdessen sollten die Angaben so wahrheitsgemäß und vollständig wie möglich sein, damit die Steuerbehörde einen geänderten Steuerbescheid ausstellen kann. Fehlen hingegen auch danach noch Angaben, so gilt die Selbstanzeige als unvollständig und es werden voraussichtlich weitere Ermittlungen wegen nicht gemeldeter Steuerhinterziehungen folgen. Auch bei einer korrekten Selbstanzeige ist die Straffreiheit übrigens nicht automatisch gewährleistet, stattdessen muss auch die noch fällige Steuerschuld innerhalb einer relativ kurzen Frist beim Finanzamt eingehen.

Tipp: Viele Steuersünder meinen außerdem, dass ihre Steuerhinterziehung bereits verjährt ist. In der Regel handelt es sich dabei um eine Frist von sieben Jahren, eine Geld- oder Freiheitsstrafe ist nach dieser Zeit nicht mehr möglich. Andererseits ist die Festsetzungsfrist von zehn Jahren dann noch nicht vorbei, sodass das Finanzamt eine Nachzahlung und Zinsen verlangen kann.

Ab 2015 werden die Richtlinien noch straffer

Steuersünder sollten sich beeilen und eine mögliche Selbstanzeige am besten noch bis zum Ende dieses Jahres machen. Denn ab 2015 müssen per Gesetz die letzten zehn Jahre im Rahmen einer strafbefreienden Selbstanzeige vollständig berichtigt werden, um Strafffreiheit zu erlangen, so ein aktueller Ratgeber des Steuerexperten Lexware. Die schärferen Regeln umfassen insbesondere folgende Punkte:

  • Zukünftig soll bei einer Hinterziehungssumme von 50.000,00 € trotz Selbstanzeige keine strafbefreiende Wirkung mehr möglich sein. Derzeit ist es noch so, dass sich um einen schweren Fall der Steuerhinterziehung handelt, der Steuersünder muss in diesem Fall zusätzlich zu den hinterzogenen Steuern und Hinterziehungszinsen eine Strafe von 5% der Hinterziehungssumme sammeln – danach ist er jedoch straffrei.
  • Der aktuelle Strafzuschlag, welcher sich noch bei 5% befindet, soll zukünftig außerdem weiter angehoben werden. Ein genauer Wert ist hier noch nicht bekannt, denkbar sind jedoch bis zu 10%.
  • Weitere Änderungen sind derzeit noch nicht abzusehen, allerdings soll bei den künftigen Beratungen der Finanzminister und des Bundesfinanzministers auch die Stimmung des Volkes berücksichtigt werden. Da viele Bürger die derzeitigen Regeln als zu liberal empfinden und sich stattdessen mehr Druck auf die Steuerhinterzieher wünschen, könnte es hier nochmals zu verschärften Regeln kommen. Die SPD hatte sogar vorgeschlagen, die Möglichkeit der Selbstanzeige gänzlich abzuschaffen, dieser Vorschlag konnte sich allerdings nicht durchsetzen – denn immerhin sorgen die vielen Selbstanzeigen für ein ordentliches Plus im Haushalt.

(Redaktion)


 


 

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