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Susanne Kleinhenz

Das 21. Jahrhundert ist weiblich

Männer haben sich selbst wegrationiert

Susanne Kleinhenz: Nein, so heftig ist das nicht. Ich denke, dass durch die Veränderung der Berufe mehr weibliche Qualifikationen gefragt sind. In den Fünfzigern gab es die Sekretärinnen-Stelle. Der Rest der Jobs war sehr männlich geprägt. Inzwischen sind die Kraftjobs weggefallen. Das heißt, die Männer haben sich quasi selbst wegrationalisiert. Heute kann Frau theoretisch in jeden Beruf gehen, der Erfolg verspricht. Diese Jobs gibt es in der Wissensvermittlung, im Bildungsmanagement, in der Gesundheitspflege, in der Kommunikation oder in der Informationstechnologie. In diesen Berufe, in denen wir unsere weibliche Gabe des vernetzen Denkens einbringen können, haben wir ganz andere Chancen. Und das meinte ich mit dem Titel: Das 21. Jahrhundert ist weiblich. Multitasking-Fähigkeiten und Kommunikation sind Qualitäten, die Männer erst lernen müssen.

business-on.de: Lesen das Buch auch Männer?

Susanne Kleinhenz: Ein paar haben es schon gelesen. Einige sagen, dass sie genau so denken und der Super-Macho bestreitet, dass sich jemals etwas ändern wird. Diesen Typus gibt es immer noch und der streitet sich dann auch gern mit Frauen wie mir.

business-on.de: Es gibt einige Branchen, in denen Frauen besonders stark verteten sind, beispielsweise Kosmetik und Medien. Aber die Spitzenpostionen werden trotzdem von Männern dominiert. Ausnahmen wie Anke Schäferkordt bei RTL oder Monika Piel bei der ARD sind selten. Woran liegt das nach Ihrer Meinung?

Susanne Kleinhenz: Das hat sowohl etwas mit den Männern als auch mit den Frauen zu tun. Männer bleiben gern unter sich. Wenn eine Frau mit in der Führungsetage wäre, dann funktionieren ihre Spiele nicht mehr. Dann müssten sie umdenken. Ich glaube, sie schließen sich in diesen Kreis ein und lassen keine Frau rein. Sie laden zumindest keine von sich aus ein.

business-on.de: In den Marketing-Abteilungen der Kosmetikindustrie sitzen überwiegend Frauen, aber die Marketing-Chefs sind männlich. Warum machen die Frauen das Spielchen mit?

Testosteron fördert Machtbewußtsein

Susanne Kleinhenz: Frauen sind sehr empfänglich für Vehikel und wenn ein Mann sagt, die Spielregeln sind so, dann ordnen sich die Frauen unter. Sie rebellieren nicht großartig. Es gibt nur wenige Frauen, die gezielt versuchen, in die Machtzentrale zu kommen. Der Mann hingegen überlegt sich strategisch, wie er an den Posten vom obersten Boss kommt. Frauen ist es wichtiger, dass sie sich in ihrem Beruf wohl fühlen, sie richten sich ein. Ich denke, das hat auch etwas mit Testosteron zu tun. Je mehr Testosteron Frauen haben, desto gezielter kämpfen sie sich hoch. Das ist eine Theorie von mir. Ich habe das nicht erforscht.

business-on.de: Hat Angela Merkel mehr Testosteron als andere Frauen?

Susanne Kleinhenz: Ja wahrscheinlich. Sie ist sehr machtbewußt. Sie zeigt das zwar nicht so, macht das auf eine sehr freundliche, nette Art. Aber da ist schon ein gesundes Machtbewußtsein vorhanden, das man beispielsweise auch bei Hillary Clinton findet.

business-on.de: Aber Hillary tritt meines Erachtens weiblicher auf, obwohl sich ihr Charme als Außenministerin in Grenzen hält.

Susanne Kleinhenz: Im Wahlkampf war Hillary eigentlich männlicher als Obama. Ich fand Obama sehr weiblich in Bezug auf seine kommunikativen und empathischen Fähigkeiten. Er ist rhetorisch sehr gut, während Hillary sehr verkniffen auf alles drauf gehauen hat, was sich ihr in den Weg stellte.

business-on.de: Was wollen Sie mit dem Buch über das weibliche Jahrhundert erreichen?

Susanne Kleinhenz: Dieses Buch richtet sich an Frauen und soll sie ermutigen, die Chancen, die sie im jetzigen Jahrhundert haben, zu ergreifen und sich nicht in irgendeiner Sachbearbeiterposition einzurichten. Ich beschreibe in dem Buch acht verschiedene Frauentypen auf der Basis der griechischen Mythologie und gebe dann für jeden Typ spezielle Tipps, wie er bzw. sie sich in unterschiedlichen Situationen verhalten kann. Es ist ein Ratgeber für Frauen.

business-on.de: Das zweite Buch von Ihnen heißt "Der Mann im weiblichen Jahrhundert – Was Männer und Frauen voneinander lernen können".

Was Frauen und Männer voneinander lernen können

Susanne Kleinhenz: Das Buch schildert, wie sich die Rolle der Männer geändert hat, wie sie ihre Position neu bestimmen können und was Männer und Frauen voneinander lernen können. Auch wieder anhand der griechischen Mythologie und dem daraus abgeleiteten Persönlichkeits-Mythenrad werden acht männliche Archetypen beschrieben. Am Beispiel von vier Männern wird in Form eines Coaching -Prozesses aufgezeigt, wie sie besser kommunizieren können.

business-on.de: Empfinden Frauen auch ein bisschen Häme, wenn sie Titel wie "Der Mann im weiblichen Jahrhundert" in der Hand halten?

Frauen die besseren Schulnoten und Hochschul-Abschlüsse

Susanne Kleinhenz: Ich glaube nicht. Es ist ja auch noch nicht so weit. Wir sind zwar auf einem guten Weg, aber das Ruder ist noch nicht rumgerissen. Wenn man sieht, dass Frauen die besseren Schulnoten haben, an den Hochschulen die besseren Abschlüsse machen und trotzdem in den Führungsetagen noch die Ausnahme darstellen, dann sehen wir, dass noch viel zu tun ist.

business-on.de: Ihre wichtigste Empfehlung für Frauen auf ihrem Weg zur Karriere ist.....?

Susanne Kleinhenz: Erstens niemals aufgeben, egal wie viele Leute sagen, dass Sie das nicht schaffen. Zweitens lebenslanges Lernen. Das heißt, die relevanten Dinge lernen, die einen weiterbringen. Das dritte ist, sich selber im Klaren zu sein, wer man sein möchte und ob man Familie mit Mann und Kindern haben möchte.

business-on.de: Was glauben Sie, wie lange es dauert, bis sich das Mann-Frau-Verhältnis in den Chefetagen verändert hat?

Susanne Kleinhenz: Ich vermute, dass noch zwanzig Jahre vergehen werden, bis sich spürbar etwas geändert hat.

business-on.de: Kommen Sie eigentlich noch dazu, auch mal ein Buch außerhalb Ihrer Pflichtlektüre zu lesen?

Susanne Kleinhenz: Doch. Die letzten Bücher waren "Wer bin ich – und wenn ja wie viele?" und " Liebe : Ein undordentliches Gefühl " von Richard David Precht. Ein ganz junger Philosoph, den ich verschlungen habe. Zwischendurch mag ich ganz gern mal einen Krimi. Aber am liebsten bin ich mit dem Pferd in der Welt unterwegs.

(Karin Bäck)


 


 

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