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Neues am Himmel

Von nackten Tatsachen und Stehplätzen über den Wolken

Nerven sie auch die langen Zeiten beim Check-In? Erst muss man eine Stunde vor Abflug am Flugplatz erscheinen, dann dauert es ewig bis das Gepäck aufgeben ist und endlich im Flugzeug angekommen kann man warten bis die Passagiere ihre Plätze gefunden und ihr Handgepäck verstaut haben. Besonders bei nationalen Flügen muss für die Reise per Flugzeug oft ein Vielfaches der eigentlichen Flugzeit eingeplant werden – besonders für Vielfliegern und Geschäftsreisenden ein stetiges Ärgernis. Warum kann Fliegen nicht so einfach und schnell sein, wie eine Fahrt mit Bus und Bahn?

Mit dieser Problematik setzten sich auch Karel Golta, Gesellschafter und Vorstand der Firma SOLUTIONS Branding & Design Companies AG und Dagmar Kudszus, Beraterin für Designthemen und -management bei Solutions, auseinander. Heraus kam ein zukunftsweisendes Konzept: Das Fliegen im Stehen.

In ihrem Entwurf entkernte sie den gesamten Innenraum des Flugzeugs − anstatt der Sitze zieren nun einfache Nummern den Boden der Flieger. Das soll die Zeit zumindest beim Boarding erheblich verkürzen: Das Warten bis der Vordermann seinen Handgepäck verstaut und seinen Sitzplatz eingenommen hat entfällt, auch dadurch das der schmale Korridor zwischen den Sitzplätzen nicht mehr existiert, kommt man viel schneller zu seiner, auf dem Boden markierten, Platznummer. Dort angelangt soll, so das Konzept, aus der Flugzeugdecke ein Bügelgestell ausgefahren werden, welches, Dank der ergonomisch geformten Stehlehne, für die nötige Sicherheit bei Start und Landung sorgen soll. Integriert in das Gestell ist auch die Unterhaltungselektronik, welche für das Entertainment während des Fluges sorgen soll − selbst einen Getränkehalter haben die Designer nicht vergessen. Das Handgepäck hingegen soll in einem Fach im Boden untergebracht werden.

Für Langstreckenflüge ist die Idee natürlich uninteressant, wer möchte schon acht Stunden oder länger im stehen verbringen. Für die Kurzstrecke hingegen klingt das Konzept vielversprechend, könnte man so einige Zeit einsparen, für mehr Bewegungsfreiheit während des Fluges sorgen und wesentlich mehr Personen in einem Flieger befördern. Dies würde das Fliegen wirtschaftlicher und umweltverträglicher gestalten. Ebenfalls aus dem Hause SOLUTIONS stammt auch das Konzept „Ladyplane“ – ein Luxusairliner für die erfolgreiche Geschäftsfrau von morgen, schließlich stehen Privatjets bei VIPs aus Show- und Geschäftswelt schon lange hoch im Kurs.

Eine mögliche Marktlücke entdeckt

In Zusammenarbeit mit der Industriedesignerin Katja Sienkowiec hat die Hamburger Agentur das Konzept des „Ladyplanes“ vorgestellt: die Flugreise als feminines Design- und Markenerlebnis. Damit hat das findige SO LUTIONS -Team eine mögliche Marktlücke entdeckt − aufgrund der noch männlichen Vorherrschaft in der Geschäftswelt ist das Segment der privaten Luxusjets bisher sehr maskulin geprägt. Edle Materialien im unpersönlichen, schlichten Büroschick bestimmen oftmals das Design. Lediglich einige Jets saudischer Scheichs weisen eine originellere Gestaltungen des Innenlebens auf.

Diesen Notstand erkannte die Designerin Katja Sienkowiec: „Ein individuelles Gestaltungskonzept für Frauen in einer darstellend kommunikativen Gesellschaftsposition fehlt am Markt“. Sie begann mit einer Feminisierung der Inneneinrichtung und kreierte das Konzept des „Ladyplane“ – dem Großraumflugzeug für Schöne und vor allem reiche Damen. Das Innenleben des 10-Millionen Dollar Spielzeugs ist von „organischen Formen und warmen Farben geprägt.“ Der Flieger soll über ein Foyer, ein großzügiger Veranstaltungsbereich inklusive Bühne, ein Restaurant, Separees zum entspannen, ein Kaminzimmer, ein Sonnendeck sowie eine Wasserinsel zum exklusiven Planschen über den Wolken verfügen.

Aber nicht nur für weibliche Einzelpersonen könnte das Konzept interessant sein, SO LUTIONS -Chef Golta ist sicher: „Das Konzept gibt Anstöße für neue, ganzheitliche Dienstleistungen rund ums Fliegen. Im Ladyplane können Luxusprodukte neue Chancen für die Profilierung ihrer Markenidentität nutzen“. So könnte ein solcher Luxusflieger zur Charter exklusive Event-Reisen anbieten, die ihres gleichen suchen.

Ein erfolgreiches, sehr luftiges Event bietet auch der Reiseveranstalter „Ossi-Reisen“ − den FKK-Flieger. Ab dem 5. Juli 2008 hebt dieser von Erfurt zu seinem Ziel, dem Osteseebad Heringsdorf, nach Usedom ab. An Bord: fünfzig Nudisten, die einmal im Leben hüllenlos über den Wolken schweben wollen.

Den Anstoß zu dem ungewöhnlichen Reiseangebot, bekam Enrico Hess, Geschäftsführer von Ossiurlaub, bei einem Gespräch an einer Bar am Abend einer Reisemesse. Er unterhielt sich mit einem Unbekannten über das Segment der FKK-Urlaube. Dieser Fremde machte ihn auf die Marktlücke aufmerksam, die Idee ging Hess nicht mehr aus dem Kopf.

„Mit der Resonanz haben wir nicht gerechnet“

So charterte er ein kleines Flugzeug mit fünfzig Sitzplätzen – als Testflug. Gänzlich unerwartet war dann der immense Ansturm auf das Angebot. „Mit der Resonanz haben wir nicht gerechnet.“, so Hess. Innerhalb einer Woche kam es zu mehr als einhunderttausend Zugriffen auf die Internseite des Anbieters. Selbst Anfragen aus Japan und Neuseeland waren dabei.

Aber nicht alle Mitflieger werden unbekleidet reisen, aus Sicherheitsgründen werden Pilot und Crew bekleidet bleiben, auch heiße Getränke werden nicht ausgeschenkt. Ist der Jungfernflug ein Erfolg und bleibt das Interesse weiterhin so massiv bestehen, will man auch größere Maschinen anmieten, um den derzeitigen Ticketpreis von 499 Euro drastisch zu reduzieren. Auch zusätzliche Flugrouten sind dann denkbar, so Enrico Hess.

Angespornt durch diesen Ansturm, hat der Reiseveranstalter das FKKReiseangebot ausgebaut. Neu im Programm: eine FKK-Rundreise durch Südafrika, sowie FKK-Kreuzfahrten. Und im Gegensatz zu dem hüllenlosen Fliegen wird man bei diesen Trips nahtlos braun.

Kommentar:
Ob der Flug im stehen bequem ist? Einen Langstreckenflug will sicherlich niemand stehend verbringen. Für Kurzstreckenflüge klingt das Konzept hingegen erfolgversprechend. Besonders wenn dadurch die Reisezeit durch schnelleres Einund Auschecken noch verkürzt würde. Auch kann man sich fragen, was an dem nackigen Fliegen so toll sein soll, dass sich so viele Menschen dafür interessieren. Das sich die Luxusjets für Frauen verkaufen werden scheint dem gegenüber für sicher. Alle drei Beispiele verdeutlichen das es in der Luftfahrt noch reichlich Spielraum für Innovation gibt und wir in Zukunft noch viele spannende Neuerungen erwarten dürfen.

Mehr aktuelle News im Mindsharing Blog.

(Björn Theis)


 


 

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