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Vertrauensverlust

Große finanzielle Einbußen für UNICEF

Angesichts der Spendenaffäre beim Kinderhilfswerk UNICEF befürchten auch andere Hilfsorganisationen einen Vertrauensverlust bei Förderern und Unterstützern. Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Hans-Joachim Preuß, bezeichnete UNICEF als Leuchtturm in der Spendenlandschaft und betonte: «Wenn so ein Leuchtturm an Strahlkraft verliert, dann wird es auch für andere Hilfsorganisationen erst einmal schwerer werden.«

Preuß äußerte die Befürchtung, dass das Interesse an den Notleidenden in Afrika, Asien und Lateinamerika sinken könnte. Der Sprecher des Kinderhilfswerks terre des hommes, Wolf-Christian Ramm, sagte, es sei »nicht auszuschließen, dass der Spendenfluss abebbt«. Derzeit gebe es aber keine Anzeichen dafür, dass die Spender sich abwendeten.

UNICEF steht seit Wochen wegen des Verdachts der nicht ordnungsgemäßen Verwendung von Spendengeldern in der Kritik. Im Zuge der Affäre gaben die Vorsitzende Heide Simonis und der langjährige Geschäftsführer Dietrich Garlichs ihre Posten auf. Am Mittwoch wurde UNICEF das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) entzogen. Es bescheinigt Hilfsorganisationen seriöses Wirtschaften und eine ordnungsgemäße Verwendung der eingegangenen Spenden.

Das DZI wirft UNICEF gravierende Mängel in der Management-, Leitungs- und Aufsichtsstruktur vor. Unter anderem hatte die Hilfsorganisation verschwiegen, dass sie professionelle Spendenwerber einsetzte, die für ihre Dienste erfolgsabhängige Provisionen erhielten.

Der Organisation seien seit Beginn der Finanzaffäre rund sechs Millionen Euro an Spenden verloren gegangen, sagte UNICEF-Sprecherin Helga Kuhn. Zudem hätten sich etwa 20 000 der rund 200 000 regelmäßigen Spender vom Kinderhilfswerk abgewandt. Vorstandsmitglied Carmen Creutz nannte die Aberkennung des DZI-Spendensiegels eine «Katastrophe». Sie räumte ein, dass «das Krisenmanagement miserabel» gewesen sei.

Nach Angaben der deutschen UNICEF-Komitee-Mitglieder Miriam Gruß und Edith von Welser-Ude ist Ex-Geschäftsführer Garlichs offenbar weiter für das Kinderhilfswerk tätig. Auf Nachfrage habe man ihnen mitgeteilt, Garlichs' «Sachverstand und große Erfahrung» seien noch gefragt, sagte Gruß.

Der Deutsche Spendenrat e.V. begrüßte die aktuelle Debatte um mehr Transparenz im Spendenwesen. «Dadurch werden wichtige Probleme unserer Gesellschaft benannt», sagte Geschäftsführerin Daniela Felser. Die 60 Mitglieder des Spendenrats, die im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 250 Millionen Euro gesammelt haben, hätten sich verpflichtet, keine Spenden auf Provisionsbasis einzuwerben.

(Quellen: Kuhn im Nordwestradio; Gruß und Welser-Ude in «Frankfurter Rundschau»; Creutz in «Ruhrnachrichten»; Preuß und Ramm in «Neue Osnabrücker Zeitung« (jeweils Donnerstagausgabe); Spendenrat in Erklärung)

(Redaktion)


 


 

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