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Anteile im Privatvermögen

Ist der GmbH-Gesellschafter nach der Unternehmensteuerreform 2008 benachteiligt?

Durch die Unternehmensteuerreform 2008 hat sich sowohl die Besteuerung der GmbH als auch die Besteuerung der Anteilseigner grundlegend geändert. Auf der Gesellschafterebene wird ab 2009 mit der Abgeltungsteuer das Halbeinkünfteverfahren abgeschafft. Die Gesamtsteuerbelastung von GmbH und Anteilseigner sinkt. Betrachtet man nur die Ebene des Anteilseigners, steigt dessen Steuerbelastung dagegen an.

Ab dem Veranlagungszeitraum 2009 sind mit der Einführung der Abgeltungsteuer für GmbH-Anteile im Privatvermögen Steuernachteile verbunden:

Die Steuerbelastung für Gewinnausschüttungen beim Gesellschafter erhöht sich. So unterliegen Gewinnausschüttungen einer Abgeltungsteuer von 25 % (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer). Bis einschließlich 2008 fallen die Gewinnausschüttungen noch unter das Halbeinkünfteverfahren. Die Abgeltungsteuer ist höher als die normale Einkommensteuer beim bisherigen Halbeinkünfteverfahren.

Bei einer maximalen Einkommensteuer von 45% wurden Ausschüttungen zu ½ = 22,5% im Rahmen des Halbeinkünfteverfahrens besteuert. Die Abgeltungsteuer hingegen beträgt 25%. Der Nachteil der Abgeltungsteuer wird umso größer je niedriger die normale Einkommensteuerbelastung ist. Hat der Steuerpflichtige beispielsweise nur einen Steuersatz von 35%, davon ½ = 17,5 %, so ergibt sich bereits eine Differenz von 7,5%-Punkten gegenüber 25 % Abgeltungsteuer. Diese Steuernachteile bestehen, wenn ab 2009 Gewinne ausgeschüttet werden, die noch der bis einschließlich 2007 maßgebenden höheren Körperschaftsteuer unterliegen haben.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob bei Kapitalgesellschaften Gewinnausschüttungen nach der bisherigen Rechtslage bis spätestens 31.12.2008 vorgenommen werden. Oder zu einem späteren Zeitpunkt unter Berücksichtigung der neuen Gesetzgebung ab dem 01.01.2009.

Gute Gründe sprechen dafür, Gewinne des Veranlagungszeitraumes 2007 noch unter der Herrschaft des Halbeinkünfteverfahrens auszuschütten. Berechnungen ergeben, dass bei einem unterstellten Gewerbesteuerhebesatz von 400% und einem Ertragsteuersatz von 45%, die Gesamtsteuerbelastung GmbH und Anteilseigner insgesamt 53,21% beträgt. Werden hingegen Gewinne aus 2007 erst in 2009 unter der Abgeltungsteuer ausgeschüttet, kommt es zu einer Gesamtbelastung von 54,83%. Hinzuzurechnen ist ggf. jeweils die Kirchensteuer.

Allerdings sollte auf die Würdigung des Einzelfalls abgestellt werden, ob eine Ausschüttung nach den betrieblichen Verhältnissen möglich ist. Um dauerhafte größere Kapitalabflüsse zu vermeiden, könnte auch das sogenannte Schütt-aus-hol-zurück-Verfahren angewendet werden.

Nach derzeitiger Rechtslage kann durch Vorabausschüttungen für das laufende Wirtschaftsjahr 2008 für natürliche Personen als Anteilseigner durch Zufluss im Jahre 2008 das Halbeinkünfteverfahren angewendet werden. Dies vor dem Hintergrund, dass die ausgeschütteten Gewinne auf der Gesellschaftsebene bereits durch die neue Gesetzgebung erfasst und der insgesamt niedrigeren Belastung von im Durchschnitt unter 30 % unterliegen.

Mit der Einführung der Abgeltungsteuer ab dem Veranlagungsjahr 2009 ist ein Abzug der tatsächlichen Werbungskosten aus Kapitalvermögen ausgeschlossen. Zu den Werbungskosten zählen insbesondere Schuldzinsen zur Finanzierung der Anschaffung von GmbH-Anteilen. An dieser Stelle werden jedoch erste Stimmen laut, die in dieser Regelung eine Verfassungswidrigkeit sehen, weil ein „Verstoß gegen die Leistungsfähigkeit“ vorliegt. Im Gegensatz dazu sind ab 2009 Schuldzinsen und andere im Zusammenhang mit dem Anteil an Kapitalgesellschaften stehenden Kosten weiterhin als Betriebsausgaben abziehbar. Der Abzug ist allerdings wegen des sog. Teileinkünfteverfahrens nur zu 60 % möglich, da Gewinnausschüttungen im Betriebsvermögen von natürlichen Personen ab 2009 in Höhe von 60 % steuerpflichtig sind und der normalen Einkommensteuerprogression unterliegen.

Bei Anteilen im Privatvermögen mit hohen Werbungskosten sollte überlegt werden, diese Anteile einem Betriebsvermögen zuzuordnen. Denkbar ist die Begründung einer Betriebsaufspaltung oder die Errichtung einer Vermögensverwaltenden GmbH & Co. KG, die nach den Geprägegrundsätzen des Einkommensteuergesetzes Betriebsvermögen hat.

(Karl-Heinz Loose)


 


 

Unternehmensteuerreform 2008
Gewinnausschüttungen
Einkommensteuerprogression

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