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Körperschaftsteuersatz

Unternehmensteuerreform 2008 - Tarifbegünstigung für nicht entnommene Gewinne





Ab 2008 können auch Gesellschafter von Personengesellschaften und Einzelunternehmer Steuern sparen, wenn sie Gewinne im Unternehmen lassen. Die Entnahme von Altgewinnen noch in 2007 kann vorteilhaft sein.

Ab 2008 wird der Körperschaftsteuersatz für Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH, AG) deutlich von 25% auf 15% gesenkt. Um Personengesellschaften (z.B. oHG, GmbH & Co. KG) steuerlich nicht zu benachteiligen, können künftig auch deren Gesellschafter sowie Einzelunternehmer eine Tarifbegünstigung erhalten, soweit sie Gewinne im Unternehmen lassen (= thesaurieren). Für nicht entnommene Gewinne beträgt der Einkommensteuersatz 28,25% statt maximal 45%.

Beispiel (vereinfacht):
A und B sind zu je 50% an der A+B GmbH & Co. KG beteiligt. Die A+B GmbH & Co. KG erzielt im Geschäftsjahr 2008 einen Gewinn von 1 Mio. €. Die ledigen Gesellschafter A + B entnehmen jeweils 200.000 €, sodass 600.000 € in der Gesellschaft verbleiben. Je 300.000 € (nicht entnommene Gewinnanteile) werden bei A + B mit 28,25% besteuert, statt mit 45%. Steuervorteil für A + B: je 50.250 € zuzüglich Solidaritätszuschlag (je 2.764 €).

1. Voraussetzungen
Der Sondertarif für nicht entnommene Gewinne kann unter folgenden Bedingungen in Anspruch genommen werden:

Es liegen Gewinneinkünfte vor (Gewerbebetriebe, Freiberufler, Land- und Forstwirtschaft) und der Gewinn wird durch Bilanzierung ermittelt. Der Sondertarif kann von Einzelunternehmern und Gesellschaftern einer Personengesellschaft in Anspruch genommen werden. Letztgenannte müssen jeweils zu mehr als 10% am Gewinn beteiligt sein, oder ihr Gewinnanteil muss 10.000 € übersteigen. Gewährt wird der Sondertarif nur auf Antrag, der im Rahmen der Steuererklärungen der Gesellschafter zu stellen ist (jeder für sich).

2. Steuerung der Entnahmen
Begünstigt besteuert werden kann nur der nicht entnommene Gewinn (Gewinn ./. Entnahmen + Einlagen). Die Berechnung des nicht entnommenen Gewinns erfolgt strikt für das einzelne Geschäftsjahr. Insofern kommt der zeitlichen Steuerung und Überwachung von Einlagen und Entnahmen eine große Bedeutung zu. Folgende Aspekte sind zu prüfen: Weist die Bilanz für 2007 nennenswerte Altgewinne aus, die noch vor Inkrafttreten der Neuregelung entnommen werden können?

Übersteigen ab 2009 die Entnahmen in einem Geschäftsjahr die Summe aus Gewinn und Einlagen? Dann erfolgt eine Nachversteuerung, s. u..

Vorteilhaft kann das Entnehmen von Altgewinnen „auf Vorrat“ noch in 2007 vor Inkrafttreten der Neuregelung sein, um die Entnahmen ab 2008 minimieren zu können.

Dabei werden noch vor Ablauf des Geschäftsjahres 2007 Entnahmen getätigt und im Privat-vermögen zurückgelegt, um damit die Privatausgaben (einschließlich Steuerzahlungen) ab 2008 abzudecken.

Bei dieser Vorgehensweise verbleiben Gewinne, die ab 2008 erwirtschaftet werden, im Unternehmen, solange die privaten Rücklagen reichen. Der Steuervorteil ist: Die Gewinne ab 2008 werden nur mit 28,25% Einkommensteuer statt mit maximal 45% besteuert (solange keine neuen Entnahmen notwendig werden). Bei der Entnahme von Altgewinnen noch in 2007 ist zu beachten: Ob und in welchem Umfang das Unternehmen die Entnahmen auf Vorrat verkraftet und nach den Entnahmen auf Vorrat ausreichend liquide Mittel im Unternehmen verbleiben. Von einer Fremdfinanzierung der Entnahmen ist abzuraten.

Ob - bei Personengesellschaften - gesellschaftsvertragliche Entnahmebeschränkungen zu berücksichtigen (und ggf. einmalig abzubedingen) sind. Soll das dargelegte Verfahren durchgeführt werden, muss noch vor Ablauf des Geschäftsjahres 2007 gehandelt werden!

3. Nachversteuerung
Nach der Neuregelung ist eine Nachversteuerung vorzunehmen, soweit die Entnahmen in einem Geschäftsjahr die Einlagen und den Gewinn übersteigen. Die Nachbelastung erfolgt zum Sondertarif von 25%. Nachbelastet wird jedoch maximal der zuvor tarifbegünstigt besteuerte Gewinn nach Abzug der darauf entfallenden (tarifbegünstigten) Einkommensteuer.

Beispiel (vereinfacht):
Gewinn im Geschäftsjahr 2008: 100.000 € Entnahmen in 2008: 0 € Tarifbegünstigt besteuerter Gewinn: 100.000 € Tarifbegünstigte Einkommensteuer: 28.250 € Solidaritätszuschlag hierauf: 1.553 € max. nachversteuerungspflichtig: 70.197 €

Gewinn im Geschäftsjahr 2009: 60.000 € Entnahmen in 2009 140.000 € Saldo Gewinn ./. Entnahmen 2009: -80.000 €

Nachversteuerungspflichtiger Betrag: 70.197 €

BUCHEMPFEHLUNG:

Im Beispiel übersteigen in 2009 die Entnahmen den Gewinn um 80.000 €. Nachversteuert werden jedoch maximal 70.197 € mit 25% (= 17.550 €). Damit steigt die Gesamtbelastung des in 2008 erzielten Gewinns mit Einkommensteuer auf 45.800 € (28.250 € + 17.550 €). Die Gesamtbelastung mit Einkommensteuer liegt dann bei 45,8% und damit über dem Spitzensteuersatz von 45%. Das Beispiel zeigt, dass die Inanspruchnahme der Tarifbegünstigung nur vorteilhaft ist, soweit Gewinne langfristig im Unternehmen verbleiben. Die Möglichkeit zur Gewinnthesaurierung kann durch Entnahmen auf Vorrat vor 2008 (s. o.) verbessert werden. Hinweis: Die Nachversteuerung erfolgt nicht, soweit Entnahmen zur Zahlung von Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer anlässlich der Übertragung des Unternehmens verwendet werden!

4. Fazit
Die Tarifbegünstigung für nicht entnommene Gewinne eröffnet Steuersparmöglichkeiten bei langfristiger Gewinnthesaurierung. Die spätere Entnahme zuvor begünstigt besteuerter Gewinne löst eine Nachversteuerung aus. Die Entnahme von Altgewinnen auf Vorrat vor Ablauf des Geschäftsjahres 2007 kann vorteilhaft sein, soweit dadurch ab 2008 Entnahmen entbehrlich werden. Von der Neuregelung profitieren insbesondere Einzelunternehmer und Gesellschafter gut verdienender Personengesellschaften mit hohem Eigenkapital und überschüssiger Liquidität.

(Frank Wappenschmidt)








 


 

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