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Ursula Heinen

Kommunikativ, konfliktfähig und machtbewußt

Ursula Heinen, 43, gebürtige Kölnerin, hat in der Politik schnell Karriere gemacht. 1998, erstmals als Kandidatin der CDU Köln aufgestellt, wurde sie auf Anhieb in den Bundestag gewählt. Neun Jahre später wird sie als parlamentarische Staatssekretärin in das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz berufen. Sie ist eine lebenslustige Frau, der auch das "Bohren dicker Bretter" nicht lästig ist.

Dabei hatte Ursula Heinen sich nach dem Abitur für einen ganz anderen Beruf entschieden. Sie wollte Wirtschaftsjournalistin werden. Noch während des Studiums der Volkswirtschaft an der Kölner Uni arbeitet sie bei der Kölnischen Rundschau. Nach dem Diplom wechselt sie zu AKTIV, ein Wirtschaftsmagazin der Arbeitgeberverbände. 1994 bekommt Ursula Heinen das Angebot, die Leitung der Abteilung Wirtschafts-, Sozial - und Gesellschaftspolitik in der CDU-Bundesgeschäftsstelle zu übernehmen und greift zu. Die Geschäftsstelle hatte eine Person gesucht, die es versteht, Wirtschaftspolitik und Kommunikation professionell unter einen Hut zu bringen. Sie liebt diesen Job, der für sie auch eine große Herausforderung darstellt, weil sie erstmals Personalverantwortung für fast dreißig Leute hat.

Dass dieser Job zum Sprungbrett in die Politik werden sollte, das weiß Ursula Heinen bei Antritt der neuen Aufgabe noch nicht. Als vier Jahre später der damalige Generalsekretär Peter Hintze sie fragte, ob sie sich eine politische Laufbahn vorstellen könnte, willigt sie spontan ein. Sie hatte prompt das Glück, in Köln einen Wahlkreis zu bekommen und über die Landesliste NRW in den Bundestag einzuziehen. Neun Jahre später – Ursula Heinen ist bereits in vielen Gremien der CDU tätig – wird sie zur Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ernannt. Die Nachfolgerin von Horst Seehofer, Ilse Aigner, hat sie gerade im Amt als Staatssekretärin bestätigt. Übrigens an dem gleichen Tag, als wir das Powerfrauen -Interview mit ihr machten.

business-on.de: Frau Heinen, Barrack Obama hat gerade die Präsidentschaftswahlen mit einem überwältigendem Ergebnis gewonnen. Glauben Sie, dass Hillary Clinton, wenn Sie als Kandidatin in die Wahl gegangen wäre, ebenso erfolgreich gewesen wäre?

Ursula Heinen: Ich hätte es ihr gewünscht. Es wäre sicher auch ein gutes Signal gewesen. Ob die USA in Sachen Gleichberechtigung aber schon so weit sind, eine Frau an die Spitze zu wählen, kann ich nicht beurteilen.

business-on.de: Seit 1998 sind Sie in vielen bedeutenden Gremien der Partei vertreten. Um nur einige exemplarisch aufzuzählen: Mitglied im Bundesvorstand der CDU Deutschland, Stellvertretende Vorsitzende der CDU Nordrhein-Westfalen, Mitglied des Vorstandes der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Vorsitzende der Frauengruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und seit 2007 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Was bedeutet Ihnen die politische Laufbahn?

Ursula Heinen: Sehr viel. Politik ist zwar oft mühsam – das berühmte Bohren dicker Bretter –, aber andererseits belohnen erreichte Gesetzesinitiativen für die Arbeit.

business-on.de: Was muss man als Politikerin an Fähigkeiten, Charaktereigenschaften bzw. an Persönlichkeitsstruktur mitbringen?

Frau braucht Machtbewußtsein in der Politik

Ursula Heinen: Kommunikativ sein, stark sein, bereit sein Konflikte auszutragen. Wichtig ist, Anliegen sehr ernst zu nehmen und unter Umständen auch hartnäckig zu verfolgen. Und man sollte ein gewisses Machtbewußtsein haben, denn ansonsten gehen Sie als Frau unter.

business-on.de: Lernt man die Voraussetzungen für die politische Bühne oder bringt man sie mit?

Ursula Heinen: Teils, teils. Also Kommunikationsfähigkeit bringen Sie mit. Sonst würden Sie gar nicht auf den Gedanken kommen, sich in einer Partei zu engagieren. Durchsetzungsfähigkeit beispielsweise, das lernt man mit der Zeit.

business-on.de: Sind Sie in Köln als Politikerin in der Minderheit?

Ursula Heinen: Von den acht Kölner MdBs sind vier weiblich: Lale Akgün von der SPD, Kerstin Müller von den Grünen, Ulla Lötzer von der Linken und ich für die CDU. In den Wahlkreisen ist das Verhältnis sehr viel schlechter, aber das ist nicht so tragisch.

business-on.de: Und wie sieht das Verhältnis Frau zu Mann im Bundestag aus?

Ursula Heinen: In meiner Fraktion nicht so gut. Wir erreichen mit knapp 20 Prozent noch nicht mal das satzungsmäßig vorgegebene Quorum von einem Drittel. Die SPD hat eine 40 Prozent-Quote und die Grünen 50 Prozent. Hochgerechnet liegt der Anteil der Frauen im Bundestag bei 30 Prozent. Also auch nicht weltbewegend gut.

business-on.de: Und wie sieht es bei den Linken aus?

Ursula Heinen: Kann ich nicht sagen. Tatsache ist, dass die Linken ihre Frauen böse ausgebootet haben, als es nach der letzten Bundestagswahl um die Postenverteilung in der Fraktion ging.

business-on.de: Finden Sie die Vorgabe eines Frauenquorums okay?

Frauenquorum muss sein

Ursula Heinen: Wenn wir das nicht hätten, gäbe es noch weniger Frauen in der Politik. Man muss ganz klar sehen, dass Männer früh mit Politik anfangen. Sie lernen sich in der Schüler-Union kennen und später in der Jungen Union. Sie knüpfen ihre Netzwerke zu einer Zeit, in der die Frauen sich auf Studium, Kinder, Familie etc konzentrieren und nicht auf Netzwerke programmiert sind. Wenn es kein Quorum gäbe, würden die Männer alle Listenplätze ausschließlich unter sich verteilen.

business-on.de: Gibt es denn so viele Frauen in der CDU mit dem Wunsch, in die Politik zu gehen, und der Qualifikation?

Ursula Heinen: Ich glaube, dass wir sehr leicht 30 Prozent qualifizierte Frauen finden können. Die Frauen, die sich darauf einlassen, haben wirklich Power und sind gut. Es ist schon seltsam. Bei den Frauen wird immer die Qualifikationsfrage in den Vordergrund gestellt. Bei den Männern niemals.

business-on.de: In der Sitzungswoche im Bundestag jagt ein Ausschuss-Termin den anderen. Kommt bei so vielen Terminen überhaupt etwas Sinnvolles heraus?

Ursula Heinen: Aber ja. In den Arbeitsgruppen und Ausschüssen wird die eigentliche Arbeit geleistet. Hier werden die Anträge eingebracht, sehr intensiv und offen diskutiert. Es werden Sachverständige angehört und man tauscht sich mit den Koalitionspartnern aus. Die Plenarsitzungen sind dann quasi der Abschluss solch einer Debatte für die Öffentlichkeit.

business-on.de: Seit einem Jahr sind Sie Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ist das ein Thema, mit dem Sie sich besonders gern identifizieren?

Ursula Heinen: Ich beschäftige mich mit dem Thema schon seit 2003 als Sprecherin der CDU für Verbraucherschutz. Es ist ein ganz spannendes Aufgabenfeld. Die Funktion wurde von Angela Merkel an mich herangetragen. Der Link zur Landwirtschaft ergibt sich in dem Kontext Ernährung und Lebensmittelsicherheit. Beispielsweise beim Thema Urangehalt im Wasser.

business-on.de: Und was kann man bewegen?

Ursula Heinen: Sehr viel. Wir haben schon eine ganze Reihe Gesetze auf den Weg gebracht. Beispiel: Verbraucherinformationsgesetz oder das Gesetz zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte. Wir haben uns mit der Finanzmarktkrise insofern beschäftigt, als wir die Verbraucherzentralen finanziell besser ausgestattet haben, um Hotlines für Sparer einzurichten.

business-on.de: Minister Seehofer hat sich gerade nach Bayern verabschiedet. Haben Sie gern mit ihm zusammengearbeitet?

Ursula Heinen: Ja, das war eine angenehme Zusammenarbeit.

business-on.de: Und wie ist es mit seiner Nachfolgerin Ilse Aigner?

Ursula Heinen: Hervorragend. Eine wirklich toughe und sehr intelligente Frau. Wir kennen uns schon seit 1998 aus der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Bundestag. Sie war eine Legislaturperiode für unseren Haushalt zuständig und kennt sich daher im Ministerium gut aus.

business-on.de: Im "abgeordnetenwatch.de" werden Sie in den letzten Tagen bombardiert mit Kommentaren zur Islamisierung. Wie kommt es, dass gerade Sie zu diesem Thema Stellung nehmen sollen?


 


 

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