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Uta Brandes

Design auf dem Prüfstand

Denkanstöße für die Industrie

Brandes: Ich bin Kritikerin, das heißt, ich kritisiere herrschende Zustände, aber sage nicht, wie es sein sollte. Das entspricht meiner soziologischen Denkensweise, die sehr philosophisch geprägt ist, Frankfurter Schule und so. Interessant zu beobachten ist beispielsweise die Aufgabenverteilung im Job. Es gibt Industriebranchen, die eindeutig männlich oder weiblich geprägt sind. Eine Designerin in der Automobilbranche darf beispielsweise die Textilien der Sitze auswählen und so ein bisschen farbpsychologische Studien machen, aber die Karosserie entwerfen Männer. Frauen sind zunehmend in der PR-Branche vertreten. Seitdem hat dieser Job deutlich an Ansehen verloren. Beispiel: Da gehen wir mal zu unserer PR-Tante.

business-on.de: Wenn nicht verändern, was ist dann Ihre Intention?

Brandes: Was ich gerne möchte, ist erst mal nur Aufmerksamkeit für solche Prozesse und zwar für die feineren und nicht für rosa, rund oder metallic, schwarz oder eckig. Die Kommunikation, speziell die Körpersprache, ist mir wichtig. Meine Denkansätze scheinen auf fruchtbaren Boden zu fallen. Unternehmen sind zunehmend an meinen Untersuchungen interessiert. Sie stellen jetzt fest: das mit dem Geschlecht ist doch wichtig.

business-on.de: Reicht die Marktforschung, die von Unternehmen in großem Umfang betrieben wird, nicht aus?

Brandes: Die quantitative Zielgruppenanalyse von Unternehmen finde ich total abstrakt. Erstens bekommt man nur den Status quo heraus und nicht, wohin das in der Zukunft gehen wird, was sich verändern wird und welche Träume oder Wünsche die Menschen haben. Deswegen ist unsere Art der qualitativen und Beobachtungsforschung viel spannender. Das kann man in der Lehre auch gut vermitteln, und es wird auch zunehmend mehr gefragt.

business-on.de: Würden Sie sich als neutral gegenüber den beiden Geschlechtern bezeichnen?

Brandes: Nein, wahrscheinlich nicht.. ich bin eher pro Frau.

business-on.de: Wie findet sich Ihr Lebensgefährte, Michael Erlhoff, damit ab?

Brandes: Er kommt damit gut klar.

business-on.de: Als Sie anfingen zu studieren, hatten Sie da bereits eine Vision oder Vorstellung, von dem, was Sie machen wollen oder welche Karriere Sie anpeilen?

Ungeplante Karriere

Brandes: Ich komme ja noch aus einer Zeit, wo wir tolle Professoren hatten und hinsichtlich der Berufsplanung so arrogant sein konnten nach dem Motto, ich gucke mal, was mir gefällt. Die Idee, dass ich irgendwo abgewiesen werde oder mal arbeitslos sein könnte, kam mir gar nicht in den Sinn. Konkret, ich habe nie auf einen Beruf hin studiert. Angefangen habe ich mit Anglistik und Sport. Letzteres habe ich dann aufgegeben, weil Sport für mich damals nach kapitalistischem Leistungsprinzip roch, was ich nicht unterstützen wollte. Kompensiert habe ich das mit Politischen Wissenschaften. Der Lehrstuhl für Anglistik war so reaktionär, dass ich das auch nicht mehr ertrug und Englisch gegen Soziologie tauschte.

business-on.de: Wie lange haben Sie insgesamt studiert?

Brandes: Nicht so lange, sechs Jahre. Aber ich habe mich richtig reingekniet.

business-on.de: Ist die Professur an der KISD für Sie ein wichtiger Karriereschritt?

Brandes: Ja, schon. Es gibt Leute, speziell in Agenturen, die haben hundert mal so viel Geld wie ich, haben alles erreicht und können sich alles leisten, sind aber trotzdem erpicht auf eine Professur an der Hochschule. Daran merke ich, wie wichtig dieser Titel noch ist.

business-on.de: Entspricht Ihr Leben Ihren Vorstellungen?

Brandes: Ich habe mir nichts davon vorgestellt. Aber ich finde mein Leben total toll, vor allem, weil es mir so viele unerwartete Chancen geboten hat und bietet.

business-on.de: Wie wichtig ist Ihnen, Anerkennung zu bekommen?

Brandes: Ehrlich gesagt: Ich bin narzisstisch genug, um es toll zu finden, wenn meine Vorträge mit Begeisterung und Anerkennung aufgenommen werden. Ich freue mich und bin auch stolz, wenn ich zu wichtigen Ereignissen eingeladen werde. Und es macht mir Spaß, interviewt zu werden oder im Fernsehen aufzutreten, wie beispielsweise bei Volker Panzer im ZDF „nachtstudio“. Am nächsten Tag kommen dann alle an und erzählen, dass sie mich gesehen haben. Das ist cool.

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Uta Brandes
Powerfrau
Köln
Frau und Gesellschaft
Interview

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