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Uta Brandes

Design auf dem Prüfstand

Macht kann Spaß machen

Brandes: Bin ich mir nicht so ganz klar, aber so ein bisschen Macht – das ist wieder typisch weiblich formuliert – finde ich ganz gut. Wie Macht funktioniert, habe ich in vielen Unternehmensprojekten gelernt. Und das macht mir auch Spaß, in dieser Konstellation Macht auszuüben. Anders ist es mit meinen Studierenden. Da geht es nicht um Macht. Ich will, dass sie selbständig arbeiten lernen und unterstütze bzw. fördere das. Aber wenn sie schlampig arbeiten, bin ich sehr scharf in meiner Kritik. Andererseits können meine Studenten/innen mit allen Problemen zu mir kommen, auch mit privaten.

business-on.de: Können Sie Denkansätze tolerieren, die nicht Ihren eigenen entsprechen?

Brandes: Menschen müssen nicht meine Einschätzung zu verschiedenen Dingen teilen, aber sie müssen gut argumentieren. Ich liebe streitbare Diskurse, was die junge Generation um mich herum eher verschreckt.

business-on.de: Wie wichtig ist Ihnen Geld zu verdienen?

Brandes: Sehr wichtig, weil das Leben damit besser ist. Ich kann mir mit dem verdienten Geld eine schöne, große Wohnung leisten, ich kann reisen, ich kann lecker essen. Es macht mehr Spaß, wenn man nicht ständig rechnen muss. Ich finde zwar, dass Geld gemein ist, weil es ausgrenzt, aber ich kann damit viel mehr Erfahrungen sammeln, beispielsweise meinen Horizont mit Auslandsreisen erweitern.

business-on.de: Sie sind Autorin zahlreicher Bücher. Das letzte war ein Fotoband mit dem Thema „Non intentional design“, erschienen im daab-Verlag. Was versteckt sich hinter dem Titel?

Brandes: „Non Intentional Design“ oder NID meint die alltägliche Umgestaltung von Design. Es geht um den Gebrauch von bereits Gestaltetem: Der Stuhl wird (auch) zur Leiter, Ablagefläche oder Garderobe. Es gibt unzählige solcher Beispiele. NID schafft kein neues Design, es nutzt um, erzeugt dabei aber Neues.

business-on.de: Wie lange wollen Sie noch an der KISD forschen und lehren?

Gastdozentur in Hongkong, Tokio oder Sydney

Brandes: Bis zu meiner Pensionierung, d.h. wahrscheinlich bis zum 67. Lebensjahr. Das schreckt mich aber nicht, weil ich so lange arbeiten möchte, bis ich tot vom Stuhl falle. Und wenn ich nicht mehr an der KISD bin, würde ich gern eine Gastdozentur in Hongkong, Tokio oder Sydney haben. Ich habe bereits Erfahrungen mit Workshops und Vorlesungen an den dortigen Hochschulen. Das hat sehr viel Spaß gemacht, vor allem, weil ich durch die Lehrtätigkeit auch ganz anderen Zugang zu Menschen und Kultur bekommen habe. Außerdem bin ich Stadtmensch und liebe Mega-Städte, insbesondere Hongkong.

business-on.de: Was möchten Sie in Ihrem Leben noch erreichen?

Brandes: Das ist eine interessante Frage, denn ich habe ein glückliches Leben. Aber Sie bringen mich gerade auf eine Idee. Ich möchte irgendwann von einer renommierten, internationalen Institution einen tollen Preis bekommen. Nicht wegen des Geldes, sondern beispielsweise als Würdigung meines Engagements für Frauen im Design. Das würde mir sehr gut gefallen.

(Karin Bäck)


 


 

Uta Brandes
Powerfrau
Köln
Frau und Gesellschaft
Interview

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