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Professor Ute Hasenauer

Mit Herz, Verstand und großem Engagement

Die junge Professorin an der Hochschule für Musik in Köln, Ute Hasenauer, spricht konzentriert und unwahrscheinlich schnell. Von Terminen gehetzt? Nein. Sie macht sich für eine Sache stark, an der ihr ganzes Herz mit großer Leidenschaft hängt. Die renommierte Geigerin ist seit drei Jahren Leiterin des Pre-College Cologne, der Hochbegabten-Schmiede für Kinder im schulpflichtigen Alter.

Wer weiß schon, dass die Hochschule für Musik in Köln (HFM) die zweitgrößte in Europa ist. Ihre Professoren gehören weltweit zu den besten. Seit 2004 zählt auch Ute Hasenauer, eine renommierte Geigerin, dazu. Sie wurde aus Bamberg geholt, um das "Pre-College Cologne" an der HFM einzurichten und zu leiten. Das so genannte Ausbildungszentrum bietet hochbegabten MusikerInnen die große Chance, bereits im Alter von 10 bis 16 den instrumentalen Neigungen entsprechend gefördert zu werden. Das Programm beinhaltet u.a. Einzelunterricht, Ausbildung in einem Zweitinstrument, Kammermusik oder Harmonie- und allgemeine Musiklehre, also auch in Fächern aus dem Vollstudium an der HFM. Die Veranstaltungen finden an jeweils drei Wochenenden im Monat, außerhalb der Schulzeiten, statt. Zusammen mit Ihrem Mann, der ebenfalls Geige spielt, arbeitet Ute Hasenauer seit einigen Jahren an einem neuen Forschungszweig zum Thema "Entwicklung der Instrumentalmorphologie". Im Herbst 2005 startete das Pre-College mit den ersten hochbegabten Kindern.

business-on.de: Frau Hasenauer, wenn ein junges Musiktalent neben dem Gymnasium auch das Pre-College besucht, leidet das eine nicht unter dem anderen?

Ute Hasenauer: Nein, die Kinder, die sehr fit sind, überspringen teilweise sogar ein Schuljahr an der gemeinbildenden Schule. Sie schaffen es, sich sehr gut zu organiseren. Man könnte auch unterstellen, dass die Musikausbildung durch die Reflexion mit sich selbst positiven Einfluss hat.

business-on.de: Wer stellt fest, ob ein junger Mensch, der beispielsweise Geige oder Klavier spielt, hochbegabt ist?

Ute Hasenauer: Spannende Frage. Es gibt keine Testverfahren wie beispielsweise bei der Bestimmung des IQ. Anzeichen für eine Hochbegabung sind beispielsweise Arbeitsverhalten, Stoffvernetzung, erhöhtes Lerntempo oder unersättliche Wissbegierde. Eine Bewerbungsdiagnostik wird heute entweder in der Musikschule oder von einem Privatlehrer erstellt.

business-on.de: Was hat Sie als Leiterin des Pre-College prädestiniert?

Ute Hasenauer: Die Besetzung der Stelle ging sehr schnell. Die HFM suchte eine Person mit künstlerischer Ausbildung, die den direkten Bezug zum Instrumentalspiel mit Bühnenerfahrung hat.

business-on.de: Sie haben eine Ausbildung als Geigerin absolviert und wurden ebenfalls als Hochbegabte bereits mit 10 Jahren gefördert. Ihr Diplom machten Sie mit 22 in Köln. Wie ging es weiter?

Erste Konzertmeisterin im Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks

Ute Hasenauer: Zunächst wurde ich Konzertmeisterin im Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks. Das war damals eine Novität, weil ich die erste weibliche Konzertmeisterin im Münchner Ensemble war. Danach spielte ich bei den Bamberger Symphonikern und von 1999 bis 2000 im London Philharmonic Orchestra. Von 2000 bis 2004 war ich Lehrbeauftragte an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg.

business-on.de: Es heißt, dass es relativ schwer ist, einen Platz im Orchster zu bekommen?

Ute Hasenauer: Ja, das ist ein richtiger Wettbewerb. Man bewirbt sich mit seinen Unterlagen und wenn man Glück hat, wird man eingeladen. Vielleicht weil man schon bekannt ist oder auf persönliche Empfehlung. Die zweite Hürde sind drei Runden, die man überstehen muss: Die erste Qualifikation ist üblicherweise ein Violinkonzert von Mozart. Danach stimmt das gesamten Orchester ab, wer zu weiteren Proben zugelassen werden soll. Als nächstes steht dann ein romantisches großes Violinkonzert auf dem Programm und drittens Orchesterstellen. Hat man alle Hürden genommen, folgt noch ein Probejahr. Das Auswahlverfahren läuft bei allen Orchestern weltweit so. Es ist ein sehr schwieriger Prozess. Viele Positionen bleiben jahrelang unbesetzt.

business-on.de: Träumt man als Geigerin von einer Karriere wie die der Anne-Sophie Mutter?

Konkurrenz unter den Geigern

Ute Hasenauer: Ich denke, alle Geiger mit Musikstudium haben große Träume. Im Studium wird auch versucht, entsprechende Wege zum Erfolg zu ebenen. Aber die Realität holt dann doch sehr viele ein. Die Konkurrenz ist sehr groß und das Niveau sehr hoch. Nur 30-40 Prozent bekommen eine Festanstellung in einem Orchester. Viele landen auf dem pädagogischen Markt.

business-on.de: Ist es schwieriger auf der Geige perfekt zu werden als am Klavier?

Ute Hasenauer: Ja, die Geige ist schon sehr komplex von den Bewegungsabläufen und der Koordination. Normalerweise sind die Pianisten früher perfekter als die Streicher.

business-on.de: Sie hatten schon das Glück, auf einer der hoch begehrten Stradivari, die heute Preise von mehreren Millionen Euro auf Auktionen erzielen, spielen zu dürfen. Was ist das für ein Gefühl?


 


 

Ute Hasenauer
Pre-College
Karin Bäck
Hochschule für Musik

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1 Kommentar

von ftm
11.12.12 12:55 Uhr
Unsäglich

Was für unsägliche Antworten!!! ...der Rest "landet" im pädagogischen Bereich? Genau hieran krankt doch unsere Hochschulausbildung, verehrte Frau Hasenau, dass qualifizierte Instrumentalpädagogen als verhinderte Musiker wahrgenommen werden statt die Instrumentalpädagogik als eminent wichtigen Bereich zu stärken! Und Pianisten sind früher "perfekt" als Geiger - das legt den Schluss nahe, dass Sie sich noch nie mit dem Klavierspiel auseinandergesetzt haben. Unsägliche Antworten bei einem so wichtigen Thema - wie schade!

 

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