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Professor Ute Hasenauer

Mit Herz, Verstand und großem Engagement

Stradivari ist das Maß aller Dinge

Hasenauer: Eine Stradivari, aber auch eine Guarneri ist natürlich das Maß aller Dinge. Aber eine Geige klingt nicht von allein, auch nicht eine Stradivari. Im Gegenteil. Man braucht handwerkliche Fähigkeiten, um den besonderen Klang auszuschöpfen. Wenn man das kann, dann eröffnet sich ein Universum und das ist phantastisch.

business-on.de: Was ist Ihr persönlich bevorzugter Musikstil?

Hasenauer: Klassik, das heißt, die ganze Bandbreite von Barock, Klassik, Romantik, Musik des 20. Jahrhunderts und neue Musik.

business-on.de: Gibt es nicht etwas, was Sie sich besonders gern anhören oder besonders gern spielen?

Hasenauer: Das kann ganz viel sein. Es kommt auch darauf an, wer es spielt. Ich liebe die romantischen großen Violinkonzerte genauso wie die Sinfonien. Aber ich habe keine wirklichen Prioritäten. Jede Epoche, jede Komposition hat ihre Wertigkeit. Wenn man im Orchester spielt, wird man nicht gefragt, was möchten sie spielen. Sondern man bekommt jede Woche ein neues Programm und lernt so unwahrscheinlich viele Werke kennen und lieben.

business-on.de: Finden Sie jetzt als Leiterin des Pre-College noch Zeit, um in einem Orchester zu spielen?

Hasenauer: Ich spiele ab und zu aushilfsweise im Orchester. Hinzukommen noch solistische Auftritte. Aber es ist immer mit zeitlichen Problemen verbunden, da mich die Arbeit am Pre-College sehr stark in Anspruch nimmt.

business-on.de: Das Konzept für das Pre-College Cologne musste erst einmal didaktisch und organisatorisch aufbereitet werden.

Hasenauer: Ja, es gab nichts. Ich mußte beispielsweise festlegen, welchen Rechtsstatus die Jugendlichen haben. Welchen Fächerkanon wollen wir anbieten. Was gibt es für erklärte Ziele und welche Professoren /Dozenten kommen in Frage.

Pre-College für Hochbegabte aus ganz Europa

business-on.de: Wie viele Hochbegabte sind momentan am Pre-College?

Hasenauer: Insgesamt sind es 19, davon vier aus Köln, acht aus NRW, fünf aus dem Bundesgebiet und zwei aus dem Ausland, das heißt aus Liechtenstein und Slowenien.

business-on.de: Ist Köln die einzige Fachhochschule mit einem Pre-College?

Hasenauer: Nein, von den bundesweit 26 Musikhochschulen haben 14 Frühförderprogramme. Hier in Köln sind wir allerdings die einzigen, die ein Prüfungsrecht haben. Das heißt, die Kinder können Prüfungen ablegen, die im späteren Vollstudium anerkannt werden.

business-on.de: Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Leiterin des Pre-College?

Fundraising und Werbung inklusive

Hasenauer: Die Organisation des Pre-College macht den größten Anteil aus. Da meine Stelle die einzige ist, die mit Landesmitteln finanziert wird, mache ich auch noch Fundraising und die ganze Werbung. Insgesamt kommen etwa 60 Stunden in der Woche zusammen.

business-on.de: Sie selbst haben mit 10 Jahren eine Förderung als Hochbegabte erfahren. Wie sehen Sie diese frühe Beanspruchung im Nachhinein?

Hasenauer: Wenn man die besondere Fähigkeit ausleben kann, ist das eine unwahrscheinliche Bereicherung. Man lernt anders bzw. intensiver zu arbeiten. Sicherlich, man investiert viel Zeit, aber man bekommt auch eine Perspektive, was vielen Jugendlichen heute fehlt. Außerdem geht es am Pre-College ja nicht nur ernst zu. Im Gegenteil, Spass und Freude gehören natürlich dazu.

business-on.de: Neben Pre-College, Orchestervertretung, Familie usw. gibt es da noch Zeit für Hobbies?

Hasenauer: Für die Interessen meiner beiden Kinder nehme ich mir viel Zeit. Ich selbst habe Freude an historischer Mode oder generell an traditioneller Handwerkskunst. Ich kann beispielsweise klöppeln. Stimmt, in der Beziehung bin ich sehr altmodisch.

business-on.de: Sind die beiden Töchter genauso musikalisch talentiert wie die Mutter?

Hasenauer: Die älteste hat keine Ambition zur Musik. Das kann ich auch verstehen. Mein Mann und ich spielen auch zu Hause begeistert Geige. Diese Überdosis kann natürlich für Kinder auch zu viel werden und dann orientieren sie sich halt anders.

business-on.de: Vor gut einem Jahr wurden Sie in den neu gegründeten Rotary Club Köln-Kapitol aufgenommen. Sind Sie das jüngste Mitglied?

Hasenauer: Nein, die Zweitjüngste.

business-on.de: Entwickeln sich im Laufe der Zeit auch feste Freundschaften?

Hasenauer: Nach einem Jahr freut man sich wirklich auf die regelmäßigen Treffen, obwohl es mühselig ist, sich dafür freizuschaufeln. Aber es ist immer spannend, immer interessant, und man merkt, dass etwas zusammenwächst, woraus auch Freundschaften entstehen.

business-on.de: Fehlt Ihnen manchmal Ihre alte Heimat Bamberg?

Bildungssystem in Bayern ist besser

Hasenauer: Mein Mann kommt aus Nordrheinwestfalen, deshalb war es immer unser Traum hier zu leben. Ich vermisse höchstens das bessere Bildungssystem in Bayern. Aber inzwischen ist auch in NRW vieles in Bewegung gekommen, z. B. mit Hochschulstruktur, Fördermaßnahmen, etc. Minister Andreas Pinkwart ist auf dem richtigen Weg.

business-on.de: Wie würden sie sich selbst charakterisieren?

Hasenauer: Ich bin vom Sternzeichen Zwilling, dem man eine gewisse Fahrigkeit nachsagt, weil er an zu vielen Dingen gleichzeitig interessiert ist. Ein bisschen davon habe ich sicherlich mitbekommen. Ansonsten würde ich mich als guten, positiven und fröhlichen Menschen bezeichnen, der politisch denkt und dem sehr viel an Fairness liegt.

Geigerin am London Symphonic Orchestra

business-on.de: Was waren die Höhepunkte in Ihrer bisherigen Karriere?

Hasenauer: Es gab viele. Aber ein Höhepunkt war sicherlich die Zeit beim London Symphonic Orchestra. Nach einem dreiviertel Jahr musste ich entscheiden, ob ich bleibe und die Familie nachhole. Weil die sozialen Bedingungen aber derart schlecht waren - kein festes Einkommen, sehr viel weniger Geld, höhere Lebenshaltungskosten – bin ich zurückgekommen.

business-on.de: Ist das Publikum in England anders als hier?

Hasenauer: Das Publikum nicht, aber die Orchester. Es ist eine andere Spielkultur. Manche behaupten, das hänge mit der Sprache zusammen. Jede Sprache sei verbunden mit einem anderen Hörgefühl, weshalb die Kompositionen auch in Russland anders klingen als in Amerika.

business-on.de: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Stiftung für noch besseres Angebot im Pre-College

Hasenauer: Wir wollen mit unserem Angebot im Pre-College noch besser werden, das heißt, wir brauchen mehr Geld. Deswegen soll eine Stiftung gegründet werden. Ich bin gerade dabei, die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen.

(Karin Bäck)


 


 

Ute Hasenauer
Pre-College
Karin Bäck
Hochschule für Musik

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1 Kommentar

von ftm
11.12.12 12:55 Uhr
Unsäglich

Was für unsägliche Antworten!!! ...der Rest "landet" im pädagogischen Bereich? Genau hieran krankt doch unsere Hochschulausbildung, verehrte Frau Hasenau, dass qualifizierte Instrumentalpädagogen als verhinderte Musiker wahrgenommen werden statt die Instrumentalpädagogik als eminent wichtigen Bereich zu stärken! Und Pianisten sind früher "perfekt" als Geiger - das legt den Schluss nahe, dass Sie sich noch nie mit dem Klavierspiel auseinandergesetzt haben. Unsägliche Antworten bei einem so wichtigen Thema - wie schade!

 

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