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Kienbaum-Studie

Vorstandsgehälter steigen – und fallen

Die Gehälter von Vorständen deutscher Unternehmen sind im Geschäftsjahr 2006/2007 erfolgsabhängig gestiegen. Vor allem die gute Konjunktur sorgte dafür, dass die Vorstandsgesamtbezüge im Durchschnitt um 17,5 Prozent zugelegt haben. Damit werden die Zuwächse der beiden Vorjahre, als die Bezüge um 14,8 beziehungsweise 9,1 Prozent gestiegen waren, deutlich übertroffen.

Rund zwei Drittel der Unternehmen haben die Vorstandsbezüge im Betrachtungszeitraum erhöht, in den übrigen Firmen mussten die Vorstände jedoch Kürzungen ihrer Bezüge hinnehmen. Dies sind Ergebnisse der „Vorstandsstudie 2006/2007“ der Managementberatung Kienbaum. Im Rahmen der Studie wurden die Vergütungsdaten von 4.300 Vorstandsmitgliedern aus 1.300 Unternehmen erhoben. „Der deutliche Zuwachs ist in erster Linie auf die Erhöhung variabler erfolgsabhängiger Vergütungsbestandteile zurückzuführen, die Grundgehälter blieben dagegen weitgehend konstant“, erläutert Kienbaum-Vergütungsexperte Dr. Alexander v. Preen.

In jedem fünften Unternehmen stiegen die erfolgsabhängigen variablen Gehaltsbestandteile der Vorstände um mehr als 30 Prozent an, auf der anderen Seite kürzten sechs Prozent der Firmen die Gesamtbezüge um den gleichen Prozentsatz. „Der seit Jahren andauernde Trend zu starken strukturellen Veränderungen der Vorstandsgehaltspakete hält an“, sagt v. Preen. Während die Vorstandsbezüge beispielsweise im Dax um durchschnittlich 23,3 Prozent und im Tec-Dax sogar um die Hälfte zulegten, haben nicht-börsennotierte Gesellschaften ihren Vorständen nur 12,6 Prozent mehr gezahlt.

Große Spanne der Pro-Kopf-Bezüge

Die Bezüge der Vorstandsmitglieder deutscher Aktiengesellschaften unterscheiden sich teils erheblich voneinander. Die Spanne der Vergütungen reicht von 40.000 Euro bis hin zu mehr als sieben Millionen Euro im Jahr. Während ein Viertel der erfassten Unternehmen ihren Vorstandsmitgliedern weniger als 200.000 Euro im Jahr zahlt, liegen weitere 36 Prozent der Bezüge zwischen 200.000 und 400.000 Euro. Die übrigen knapp 40 Prozent der Unternehmen bezahlen ihre Vorstände noch besser. Rund 350 Unternehmen überschreiten dabei die 500.000-Euro-Schwelle, 128 Gesellschaften zahlen ihren Vorstandsmitgliedern mehr als eine Million Euro, 44 liegen sogar bei mehr als zwei Millionen Euro. Maßgebliche Bestimmungsgröße für die Höhe der Vorstandsbezüge ist die Größe des jeweiligen Unternehmens, gemessen an Umsatz oder Beschäftigtenzahl. Ein Vorstandsmitglied eines Unternehmens, das zwischen 1000 und 2000 Mitarbeiter beschäftigt, erhält im Durchschnitt 471.000 Euro, sein Kollege in einer Gesellschaft mit mehr als 50.000 Mitarbeitern verdient dagegen durchschnittlich 2.599.000 Euro im Jahr.

(Miss-)Erfolg wird belohnt

Insbesondere die Ertragssituation des Unternehmens wirkt sich auf die Höhe des Gehalts - und dabei der variablen Bestandteile - der Vorstandsmitglieder aus. Denn mit der Höhe des Jahresüberschusses steigt die Durchschnittsvergütung der Vorstände. In Unternehmen, die zwischen 200 und 300 Millionen Euro Jahresüberschuss erwirtschaftet haben, erhielten die Vorstände im Durchschnitt 1.090.000 Euro. Interessant erscheint das Ergebnis, dass ebenfalls Unternehmen in schwieriger wirtschaftlicher Lage ihren Vorständen attraktive Gesamtgehaltspakete anbieten. Allerdings ist die Zahl der Unternehmen mit hohen Fehlbeträgen in der Studie gering. „Top-Manager, die zur Bewältigung einer Krise von außerhalb geholt werden, fordern für ihr Engagement einen Risikozuschlag“, erklärt Kienbaum-Vergütungsexperte v. Preen die zum Teil hohen Bezüge in den weniger erfolgreichen Unternehmen.

„Zur besseren Bemessung der wirklichen Leistung und der Wertentwicklung bieten sich neben dem Aktienkurs und der Ertragsentwicklung je nach Unternehmen weitere Parameter wie wertorientierte Kennzahlen, Corporate Social Responsibility oder die ökologische Bilanz des Unternehmens an. Die Koppelung von Eigentümer- und Vorstandsinteressen durch langfristige Investments der Vorstände ins eigene Unternehmen sollte spätestens nach den Erfahrungen der jüngsten Bankenkrise ein weiterer Baustein sein. Dies ist sicher auch eine Möglichkeit zur positiven Differenzierung und Imagebildung für Unternehmen, Aufsichtsräte und Vorstände und führt zu einer besseren Harmonisierung der Interessen verschiedener Stakeholder wie Aktionäre, Mitarbeiter, Vorstände und Aufsichtsräte“, sagt v. Preen. Wünschenswert ist in seinen Augen zudem eine stärkere Professionalisierung der Aufsichtsratsarbeit, die auch das zugrunde liegende Rollenmodell des Aufsichtsrats betrifft. So sollte zum Beispiel die Vergütungsbestimmung im Rahmen eines eigenen Ausschusses des Aufsichtsrats institutionalisiert werden – etwa nach dem Modell des angelsächsischen Compensation Committees.

Vorsitzende verdienen deutlich mehr

Der Vorstandsvorsitzende nimmt im Leitungsgremium eine Sonderrolle ein. Entsprechend höher fällt auch seine Vergütung aus. Sein Salär liegt um durchschnittlich 50 Prozent über dem ordentlicher Vorstandsmitglieder. In der Praxis reichen die Zuschläge von zehn Prozent bis nahezu 300 Prozent. „Vor allem in börsennotierten Gesellschaften ist die zunehmende Tendenz festzustellen, dem Vorsitzer eine dem CEO amerikanischer Unternehmen vergleichbar starke Rolle zuzuweisen“, sagt v. Preen. Entsprechend deutlich falle der Vorsitzerzuschlag aus.

(Redaktion)


 


 

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